Ruud Gullit in Tschetschenien Der PR-Coup des Ramsan Kadyrow

Der Fußballverein Terek Grosny eignet sich gut, um in Tschetschenien Normalität vorzutäuschen. Nun gelingt den Verantwortlichen eine Überraschung: Ruud Gullit wird neuer Trainer.

Von Johannes Aumüller

Zwei Lieblingsklubs hat Russlands Premierminister Wladimir Putin in der heimischen Premjer-Liga, Zenit St. Petersburg und Terek Grosny. Die Liebe zu Zenit ist leicht zu verstehen, schließlich ist das der Klub aus Putins Heimatstadt. Das Faible für Terek hingegen ist etwas erstaunlicher und entspringt eher politischen Überlegungen.

Denn Terek Grosny ist mehr als nur ein Fußballverein, er ist zugleich auch eine Art sportlicher Krisenhelfer. Grosny ist die Hauptstadt von Tschetschenien - und auch wenn der Konflikt in der Region offiziell für beendet erklärt wurde, so schwelt er doch weiter. Erst im vergangenen Oktober starben sieben Menschen, als Rebellen das Parlament stürmten.

Aber was eignet sich in solch einer Situation besser, um eine gewisse Normalität vorzutäuschen, als ein Fußballverein? Passenderweise ist Ramsan Kadyrow, kremltreuer Präsident der autonomen tschetschenischen Republik, auch Präsident des Klubs, und ebenso passenderweise entwickelte sich der Klub in den vergangenen Jahren auch ziemlich passabel - wenngleich bisweilen von Korruptionsvorwürfen begleitet.

2004 gewann Terek den russischen Pokal und qualifizierte sich so für den Uefa-Cup, 2007 stieg er in die erste Liga auf, 2008 durfte er sogar in sein Stadion in Grosny zurückkehren. Zuvor hatte er seine Heimspiele aus Sicherheitsgründe in Städten austragen müssen, die einige hundert Kilometer entfernt liegen.

Und von nun an gibt es noch einen Grund mehr, dass sich die Einwohner der Region mehr auf den Fußball als auf den Terror konzentrieren. Am Dienstagabend gab der Klub eine spektakuläre Verpflichtung bekannt: Ruud Gullit, früherer Weltfußballer, schillernde Figur des niederländischen Fußballs, unterschrieb einen Vertrag über 18 Monate und ist neuer Trainer in Grosny. "In Ruud Gullit haben wir einen echten Star des Weltfußballs und einen Trainer mit der Erfahrung aus Spitzenvereinen verpflichten können", sagte der stellvertretende Terek-Präsident Haidar Alchanow.