Wenn am Mittwoch Russland gegen Wales spielt, sitzt ein Mann auf der Trainerbank, der gar keinen Vertrag als russischer Nationaltrainer hat.
Dmitrij Medwedjew hin, Wladimir Putin her, den Titel des derzeit populärsten Mannes in Russland dürfte immer noch Fußball-Nationaltrainer Guus Hiddink innehaben. Seit der 61-jährige Niederländer die Sbornaja ins Halbfinale der Europameisterschaft geführt hat, schlägt ihm von allen Seiten Bewunderung entgegen. Mit Hiddink als Nationalcoach glauben die Fans an eine erfolgreiche Zukunft, mehrere hochrangige Politiker schlugen ihm die russische Staatsbürgerschaft vor, und - Zyniker könnten sagen, dies war der Höhepunkt unter den russischen Zuneigungsbeweisen - der Getränkehersteller Ost-Akwa wollte eine Wodka-Marke unter dem Namen "Hiddinka" auf den Markt bringen.
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Trainer ohne Vertrag: Russlands Nationalcoach Guus Hiddink. (© Foto: AP)
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Doch vielleicht sollten sich die Russen noch nicht so viele Gedanken um Staatsbürgerschaft und Wodkasorten machen, sondern um etwas viel einfacheres: den Vertrag mit dem Nationalcoach. Denn Hiddinks Kontrakt ist nach der EM ausgelaufen, und weder in den Wochen davor noch in der Zeit danach haben es die Verantwortlichen geschafft, den Vertrag mit dem Niederländer formal zu verlängern. Somit ergibt sich vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel der Sbornaja gegen Wales (Mittwoch, 17 Uhr) eine kuriose Situation: Auf der Bank der russischen Nationalmannschaft sitzt ein Trainer, der gar keinen Vertrag als russischer Nationaltrainer hat.
Der seit dem Erreichen der EM-Qualifikation, also seit November 2007, angestrebte Vertragsabschluss zieht sich aus mehreren Gründen in die Länge. Zum einen verlautet aus dem Umfeld der Nationalmannschaft, dass es um die Frage geht, ob der russische Verband die für Hiddink im Heimatland Niederlande anfallenden Steuern bezahlen muss oder nicht.
Konflikt zwischen den Funktionären
Zum anderen und zum entscheidenderen ist da die in der russischen Sportpolitik nicht unübliche Situation, dass in der Causa Hiddink gleich mehrere Funktionäre mitmischen. Denn ausgesucht wurde der Nationaltrainer bisher vom Verbandspräsidenten, bezahlt jedoch vom Vorsitzenden der Nationalen Fußball-Akademie (NFA) - einer Einrichtung, die im Wesentlichen von den Finanzspritzen ihres Gründer Roman Abramowitsch lebt und die im Wesentlichen die Aufgabe hat, den Trainer der Nationalmannschaft zu bezahlen.
Seit der Verbandspräsident Witalij Mutko nicht mehr nur Verbandspräsident, sondern gleichzeitig auch noch Sportminister des Landes ist, mehren sich intern die Stimmen, die auf eine Ablösung drängen. Verband und Nationale Fußball-Akademie sind sich deswegen nicht mehr grün, der Verband sucht angeblich nach einem neuen Trainer-Sponsor und soll ihn im Geschäftsmann Alexej Fedorytschew auch schon gefunden habe. Fedorytschew machte in den neunziger Jahren sein Geld mit der Firma Fedkominvest und ist im Fußball-Sponsoring kein Unbekannter: Seit 1995 finanzierte er verschiedene Mannschaften, war zwischenzeitlich Mehrheitseigner von Dynamo Moskau und Sponsor des AS Monaco, als der 2004 ins Champions-League-Finale einzog.
In ebenjenem Champions-League-Jahr schaltete der damalige Fedorytschew-Klub Monaco im Halbfinale den Abramowitsch-Verein FC Chelsea aus (3:1/2:2). Wenn Fedorytschew nun Sponsor würde, hätte er im fußballerischen Gebiet schon zum zweiten Mal Abramowitsch besiegt.
Hiddink fordert Zusammenarbeit
Bei dieser undurchsichtigen Gemenge- und Interessenlage ist es kein Wunder, dass es noch nicht zu einer Vertragsunterzeichnung kam. Hiddink bleibt bisher nur das Wort aller Funktionäre, ihn weiter im Amt sehen zu wollen, sowie eine schriftliche Vereinbarung mit Mutko, die nach Meinung der NFA aber kein Vertrag ist, sondern lediglich eine "Niederschrift auf einer Serviette". Das muss unter Männern reichen, um vertrauensvoll weiter arbeiten zu können.
"Ich will keine Schachfigur in einem fremden Spiel sein", sagte Hiddink mitten in den Verhandlungen - und muss sich doch wie der weiße Springer vorkommen. Nun sagt er: "Mutko und Kapkow müssen selbst wissen, wie sie den russischen Fußball perfektionieren können. Wir müssen alle zusammenarbeiten, um den Fußball in unserem Land zu verbessern."
Erst Ende September könnte sich die Situation auflösen: Nach Medienberichten sollen sich Hiddink, der NFA-Vorsitzende Sergej Kapkow und der neue Generaldirektor des Fußball-Verbandes, Alexej Sorokin, für diesen Zeitraum über eine Vertragsunterzeichnung verständigt haben. Wenn das so kommen sollte, hätte Russland im Qualifikationsspiel gegen Deutschland (11. Oktober) auch einen echten Nationaltrainer auf der Bank. Doch dass man sich geeinigt habe und die Unterzeichnung kurz bevorstehe, das hieß es auch schon vor einem halben Jahr.
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(sueddeutsche.de/jüsc)
Der Flügelflitzer
der niederländische " Voetbal bond" hat wieder einmal einen hervorragenden Trainer ziehen lassen. Wie dass so mit den niederländischen Fußball so ist, dass schönste Spiel auf dem Platz, oder Trainer " gibt man immer weg" Sonnst wäre dieser Fußballzwerg schon viele Male erfolgreicher gewesen.
Da wird der Herr Hiddink aber froh sein, wenn sich die SZ darum kümmert, daß endlich ein schriftlicher Vertrag vorliegt. Ich erlaube mir den Hinweis, daß ein Vertrag nicht schriftlich verfaßt sein muß, sondern daß er - zumindest in Deutschland - auch durch kongluentes Verhalten zustande kommt. D.h., der Trainer macht seine Arbeit, der Verband bezahlt das Gehalt und die SZ hat eine Sorge weniger.