Es hätte Andrej Arschawins Bewerbungsspiel für höhere Aufgaben werden sollen - doch er blieb blass. Seine Bilanz: viele Fehlpässe, keine Sprints.
Sie hatten bescheiden klingen sollen, jene Worte, die Andrej Arschawin vor dem Halbfinale gegen Spanien sprach: "Ich mache ja nichts Außergewöhnliches. Ich habe schon oft viel bessere Spiele als das gegen Holland abgeliefert." Er schob dabei seine Unterlippe nach vorne und zuckte unschuldig mit den Schultern. Zur Erinnerung: Bei dieser für ihn wenig außergewöhnlichen Leistung bereitete er zwei Treffer vor, einen erzielte er selbst. Deshalb waren die Worte Arschawins weniger als Ausdruck der Demut zu verstehen, sondern vielmehr als Drohung an den Halbfinalgegner.
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Zeigte eine enttäuschende Leistung: Russlands Angreifer Andrej Arschawin (rechts). (© Foto: AP)
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Arschawin verhält sich bei Interviews immer gleich. Er steht gelangweilt da, es scheint ihn nicht besonders zu interessieren, was um ihn herum passiert; er spricht leise und gestikuliert ein bisschen - und plötzlich geht es unfasslich schnell. So streute er zwischen Floskeln über Späße beim Training und die Spielstärke der Spanier plötzlich diese Sätze: "Die Primera División ist die Liga, die mich am meisten interessiert, ich war schon immer ein großer Barca-Fan. Ich würde sehr gerne bei Barcelona spielen."
Wieder zuckte er mit den Schultern. Spanische Medien meldeten bereits, Arschawin würde nach dem Turnier für eine Summe von 15 Millionen Euro zum FC Barcelona wechseln. Sein Verein Zenit St. Petersburg, den er in der abgelaufenen Saison zum Gewinn des Uefa-Cups führte, bestätigte das Angebot der Katalanen und erklärte, Gespräche über einen Transfer aufzunehmen, sobald der 27 Jahre alte Mann mit einem Studienabschluss im Fach Modedesign von der EM zurückkehre.
Gegen die Spanier hatte Arschawin also ein Vorstellungsspiel, er führte es wie seine Interviews. Er stand gelangweilt da, es schien ihn nicht besonders zu interessieren, was um ihn herum passierte, er sprach mit seinen Mitspielern und gestikulierte ein bisschen - und plötzlich ging es unfasslich schnell. Nach wenigen Spielminuten bekam er den Ball, schon vor dem Kontakt schlug er einen Haken, dann noch einmal zwei, was bei seinem Gegenspieler David Silva für eine erhebliche Störung des Gleichgewichts sorgte. Plötzlich fand sich Arschawin vor dem Strafraum wieder. Sein Schuss wurde zwar geblockt, doch zu diesem frühen Zeitpunkt des Duells hatte es noch den Anschein, als sollte er seinen beiden glänzenden Auftritten bei diesem Turnier (zwei Tore, zwei Torvorlagen) gegen Spanien einen weiteren folgen lassen wollte.
Nach dem Führungstreffer der Spanier war jedoch nicht nur Arschawins spielerische Qualität gefordert, sondern vor allem seine Fähigkeit, diese junge russische Mannschaft zu führen. Die spanischen Spieler jubelten noch an der Eckfahne - da stand Arschawin schon beim Anstoßpunkt und rief seine Mannschaft nach vorne. Nur, es funktionierte nicht.
Seine Kollegen warteten wohl weniger auf martialische Gesten, sondern vielmehr auf ein Dribbling in höchstem Tempo, einen schönen Pass oder einen gefährlichen Schlenzer aufs Tor. Davon war diesmal nichts zu sehen. Denn Gegenspieler Silva bekämpfte ihn jetzt erfolgreich, und dahinter stand stets ein anderer Spanier bereit. Arschawin wirkte in vielen Szenen gelangweilt, wie er es oft tut. Nur ließ er in diesmal keine geniale Aktion darauf folgen. Er spielte ungewöhnlich viele Fehlpässe, lief wenig und schoss nur ein Mal in die Richtung des gegnerischen Tores. Wahrscheinlich kann Andrej Arschawin tatsächlich noch besser spielen als im Viertelfinale. Gegen Spanien indes, bei seinem Vorspiel-Spiel, zeigte er jedoch nur, dass er tatsächlich auch schlechte Tage hat.
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(SZ vom 27.06.2008)
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