Von Johannes Aumüller

Guus Hiddink hat eine starke russische Mannschaft geformt und ins Viertelfinale geführt. Jetzt braucht es nur noch einer Kleinigkeit, und er ist in Russland endgültig ein Held.

Was war das denn? Formte sich da etwa Guus Hiddinks linker Mundwinkel zu einem kleinen "a"? Just in dem Moment, in dem die Spieler auf dem Rasen anfingen, die Nationalhymne zu singen und das Wort "slaaaaawsjaaaaa" (Ruhm sei dir) intonierten? Würde nun gar noch ein "aaaaatjeeeeetschestwa" (Vaterland) folgen? Nein, da war nix. Da zuckte nur der Mundwinkel, weil er mal zucken wollte, und eine Sekunde später war Hiddinks Gesicht wieder ganz normal.

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Er kann alles - außer die russische Nationalhymne singen: Guus Hiddink (rechts). (© Foto: dpa)

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Es hätte aber auch zu schön gepasst. Ein Hiddink, der nicht nur der Mannschaft ein flinkes Spielsystem verpasst, der nicht nur eine viertelfinalfähige Elf formt, der nicht nur mit viel pädagogischem Geschick schwierige Zöglinge wie Andrej Arschawin zu Höchstleistungen motiviert - sondern zudem ein Hiddink, der auch noch die russische Nationalhymne mitsingen kann.

Es wäre der Beweis gewesen, dass sich Hiddink mit dem Land der von ihm trainierten Nationalmannschaft doch mehr identifiziert als gemeinhin gedacht. Fachlich können die russischen Fußball-Beobachter ihrem niederländischen Coach nur Kleinigkeiten vorhalten; zu seinem Verhalten rund um den Fußballplatz herum hingegen gibt es schon kritische Stimmen. Dass Hiddink nicht in Russland wohnt. Dass er den Fußball in den russischen Regionen (die immerhin bis ins zehn Zeitzonen entfernte Kamtschatka reichen) nicht kenne. Dass er nur nach Russland gekommen sei, um über seinen Spezel Abramowitsch ein Jahressalär von zwei Millionen Euro abzustauben - und nicht, um mit Russland etwas aufzubauen.

Diese kritischen Aspekte dürften nun erst einmal verstummen. Schließlich hat Hiddink die Sbornaja gerade zu ihrem größten Erfolg seit 1988 (Niederlage im EM-Finale gegen die Niederlande) geführt. Natürlich sind die Niederländer im Viertelfinale der große Favorit. Doch mit ihrem schnellen, technisch einwandfreien Tempofußball kann die junge Hiddink-Elf zumindest für ein hochklassiges Spiel sorgen, in dem es zu vielen gefährlichen Szenen kommen dürfte. Wenn es besonders gut läuft und sich die Chancenverwertung gegenüber der Vorrunde verbessert, ist sogar noch ein bisschen mehr drin.

Nach diesem Ergebnis ist wohl auch die Diskussion um die Vertragsverlängerung hinfällig. Hiddink hat sich etwas aufgebaut, was er bis zur WM 2010 noch weiter verfeinern kann. Vor allem an der Abwehr muss er noch feilen. In ihrer Qualifikationsgruppe gelten die Russen neben Deutschland als die stärkste Mannschaft. Die Chancen auf eine Teilnahme stehen also gut. Und wer weiß: Vielleicht singt Hiddink ja dann in Südafrika die Nationalhymne mit. Dann ist er in Russland endgültig ein Held.

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(sueddeutsche.de/cat)