Durch das 3:0 über Russland erreicht Spaniens Auswahl souverän das EM-Finale gegen Deutschland. Nach diesem überzeugenden Auftritt gibt es am Sonntag in Wien einen klaren Favoriten.

Mit einem hoch verdienten 3:0 (0:0) und einer glanzvollen Leistung hat sich Spaniens Nationalauswahl ins EM-Finale am Sonntag gegen Deutschland gespielt. Die Treffer von Xavi, Guiza und David Villa vor 40.000 Zuschauern in Wien gegen Russland krönten nicht nur eine mustergültige Kollektivleistung des Teams von Trainer Luis Aragones, sie beendeten auch einen eigenartigen Spuk, der dieses Turnier in den beiden Spielrunden zuvor erfasst hatte: Da war die russische Sbornaja wie ein Zyklon über ihre Gegner hinweggerauscht. Gestern Nacht ergaben sich die Russen seltsam kraftlos in ihr Schicksal, es gab in keiner Phase des Spiels ein Aufbäumen - und der Petersburger Arschawin, vor der Partie in aller Munde, blieb 90 Minuten lang unsichtbar wie ein Gespenst.

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Spanien bejubelt das 3:0 gegen Russland. (© Foto: Getty)

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Blitz und Donner, Regenschwaden umwölkten das Happelstadion, die passende Staffage für dieses Match, bei dem es auch um Revanche für den EM-Gruppenspielauftakt ging. Da waren ja die Russen mit einer 1:4-Packung ins Quartier zurückgeschickt worden. Aber da hatte Guus Hiddinks Team auch noch nicht Arschawin in Reihen, der sich binnen zwei Spielen und in rasendem Tempo zur spektakulärsten Figur des Turniers entwickelt hatte. Coach Aragones schickte dieselbe Elf wie beim 4:1 auf den regennassen Rasen, es stürmten also die Torjäger David Villa und Fernando Torres.

Das Match begann, wie die Partie zuvor aufgehört hatte: alle Vorteile bei Spanien. Nach sechs Minuten bereits prüfte Torres erstmals den Russen-Keeper Akinfejew mit einem Drehschuss aus sieben Metern. Dann waren elf Minuten gespielt, und Akinfejew musste sich erneut mächtig strecken, diesmal nach einem Schuss von David Villa. Nach einer Viertelstunde fehlte Torres im Strafraum nur ein halber Schritt zum Torschuss. Dann kam das erste Lebenszeichen der Russen. Allerdings war es ein Freistoß, den Pawljutschenko aus 23 Metern übers spanische Gehäuse drosch (17.).

Es goss nun wieder wie aus Kübeln, Blitze zuckten unablässig über den Wiener Nachthimmel, und zur gespenstischen Kulisse gesellten sich allmählich ebensolche Fragen: Wo war Arschawin - alles nur ein Spuk? Sind dies wirklich die Russen, die trotz der klaren Auftaktpleite gegen Spanien als gefühlter Favorit in die Partie gingen, sind dies die Russen, die gerade erst die niederländische Fußball-Elite zu staunenden Statisten degradiert und mit einem demütigenden 1:3 auf die Heimreise geschickt hatten? Wo war Russlands mysteriöser Turbo, der Hiddinks Eleven zum bisher eindeutig lauf- und kampfstärksten Team des Turniers gemacht hatte?

Villa muss verletzt raus

Schleppend kamen sie ins Spiel, die Taktik war klar: Sie wollten diesem Gegner nicht noch mal ins Messer rennen. So dämmten die Russen erst einmal Spaniens Angriffs-Furor ein, vor 16 Tagen waren sie ja schon vor der Pause in zwei Kontertore gelaufen. Es dauerte eine halbe Stunde, bis sich erneut Pawljutschenko mit einem 20-Meter-Kunstschuss meldete. Fünf Minuten später stand er nur noch zehn Meter vor Casillas, Capdevila grätschte gerade noch den Ball weg. Nach 37 Minuten versuchte sich der lange Torjäger per Hechtkopfball.

All das bekam David Villa, der dreifache Torschütze des ersten Spiels, nur noch von der Bank aus mit, beim Treten eines Freistoßes hatte er sich verletzt und das Feld für Fabregas räumen müssen.

Für Schmerzlinderung war erst nach der Pause gesorgt. Da hatten die Russen ihr seltsam indolentes Ballgeschiebe fortgesetzt, während sich die Spanier weiter um Offensivspiel bemühten - und endlich auch belohnten: Der unermüdliche Xavi hatte aus dem Mittelfeld seinen barcelonesischen Klubkollegen Iniesta eingesetzt, der ihn dann wiederum mit einem klugen Pass in die Strafraummitte bediente - durch Akinfejews Beine traf Xavi zum verdienten 1:0 (48.).

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