Russen und Georgier bei Olympia Ein bisschen Frieden

Beim Schießen in Peking holt eine Russin Silber, eine Georgierin wird Dritte. Auf dem Podest setzen sie ein Zeichen gegen den Krieg, umarmen sich lange und küssen sich.

Die georgische Sportschützin Nino Salukwadse umarmte ihre russische Konkurrentin Natalja Paderina lange, dann gab es Küsschen von beiden Seiten. Es war ein olympisches Signal des Friedens in die Heimat, wo der Krieg beider Seiten schon über 2000 Menschenleben gefordert hat. Beide Teams werden trotz der Auseinandersetzungen bei den Olympischen Spielen in Peking bleiben.

"Wenn die Welt daraus eine Lektion lernen soll, dann die, dass wir im 21. Jahrhundert leben und es nie mehr Krieg geben sollte", erklärte Salukwadse mit Tränen in den Augen. Die Menschen in beiden Ländern würden so eine Konfrontation nicht starten, es seien die Politiker: "Die sollen sich endlich an einen Tisch setzen und die Situation klären. Wenn sie das nicht tun, dann mischen wir uns ein. Wir brauchen Frieden."

Ihren Bronzegewinn erklärte sie zum kleinen Erfolg für ihre geplagte Heimat. Viel wichtiger sei jedoch das Zeichen der Freundschaft, was von Peking aus nach Georgien und Russland gehe: "Für Hass ist kein Platz in dieser Welt - das können Olympia und wir Sportler zeigen."

"Wir sind Freunde"

Nach dem harten und fairen Wettkampf erklärte Salukwadse, das nichts etwas an der Freundschaft zu ihrer russischen Konkurrentin Natalja Paderina und den Freunden aus aller Welt ändern könne. Für diese Worte gab es spontanen Beifall in der Pressekonferenz, und Paderina erinnerte daran, dass sie mit Nino einst in einem Team geschossen habe: "Seitdem sind wir Freunde. Und man sollte Sport nicht mit Politik vermischen."

Dass das irgendwie aber nicht so recht geht, verdeutlicht das Schicksal von Nino Salukwadse am allerbesten. 1988 gewann sie Gold und Silber für die damals gemeinsame Heimat Sowjetunion und erhielt 1989 deren Verdienstorden. Seit 1991 ist Georgien unabhängig, zwei Jahre später bekam sie den Ehrenorden ihres neuen Heimatlandes. In Peking parlierte sie ohne Zögern in Russisch, der Sprache des Kriegsgegners der Georgier. Der Konflikt habe sie in der Vorbereitung auf den Luftpistolenwettbewerb "natürlich beeinflusst", erklärte Salukwadse: "Aber das georgische Team bleibt bei Olympia. Das ist das richtige Zeichen."

Das sah das Internationale Olympische Komitee (IOC) genauso. "Wir begrüßen diese Entscheidung", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies am Sonntagmorgen. Sie betonte, dass die Athleten beider Länder weiterhin im gegenseitigen Respekt bei den olympischen Wettbewerben an den Start gehen werden: "Wenn sie gegeneinander antreten müssen, dann treten sie auch gegeneinander an."

Der georgische Staatspräsident Michail Sakaschwili hatte zuvor trotz des verordneten Kriegsrechts verfügt, dass die Sportler in Peking bleiben und für die Ehre Georgiens kämpfen sollen.