Weil Frankreich gegen die äußerst defensiv agierenden Rumänen nichts einfällt, ist die erste Partie der Gruppe C nur für Taktiker ein Genuss.

Wenigstens in den letzten zehn Minuten, so war die Hoffnung auf den Rängen im Zürcher Letzigrund-Stadion, könnte doch etwas Aufregendes geschehen in dieser ersten Partie der Gruppe C zwischen Frankreich und Rumänien. Doch es blieb bei der Hoffnung, alles blieb ruhig auf dem Platz, niemand wollte mehr etwas riskieren, und so endete die Begegnung torlos. Spiele, die 0:0 ausgehen, werden gern klassifiziert, und dies war ein 0:0 der langweiligen Sorte.

Bild vergrößern

Hatte irgendwann genug und wich auf die linke Seite aus: Franck Ribéry, der wirbelnde Franzose. (© Foto: dpa)

Anzeige

Dabei hatte diese stark besetzte Gruppe die Phantasie der Sprecher und Texter doch bereits vor dem ersten Spieltag stark beflügelt. Wahlweise wurde sie als Hammer-, Mörder- oder Todesgruppe bezeichnet, in Rumänien galt sie als Feuergruppe. Die Rede war überdies von der Nagelprobe in der Hammergruppe bzw. dem Überlebenskampf in der Todesgruppe. Als dann am Montag endlich der Ball rollte in der Gruppe C, war zu sehen: Es ist doch nur Fußball, und zwar - gelinde gesagt - reichlich taktisch geprägter. Freunden der Taktik sind auch solche Partien ein Genuss; Freunde des Spektakels könnten geneigt gewesen sein, die Gruppe spontan in Schlafgruppe umzubenennen.

Frankreichs Trainer Raymond Domenech war mit allerlei Sorgen in die Partie gegangen; er musste zum Beispiel Patrick Vieira ersetzen, was sich seit längerem abgezeichnet hatte, und er musste zu Beginn auch Thierry Henry ersetzen, der weiterhin an einer Knöchelverletzung laboriert. Für Vieira war zwischenzeitlich Mathieu Flamini nachnominiert worden, doch am Montag beschloss Domenech, dass Vieira im Laufe des Turniers doch noch fit werden könnte und schickte Flamini wieder nach Hause. Für Vieira agierte Jeremy Toulalan im Mittelfeld, anstelle von Henry lief Nicolas Anelka auf.

Diese Formation sah sich einer rumänischen Mannschaft gegenüber, die äußerst defensiv aufgestellt war. Im Grunde eine vollkommen nachvollziehbare Taktik gegen die in der Offensive so schnellen Franzosen, für die Zuschauer ergab sich so jedoch ein zähes Spiel. Die Franzosen hatten die schwierige Aufgabe, einerseits gegen einen Riegel zu spielen, was sie zwang, recht weit nach vorne zu rücken, und andererseits aufzupassen, dass sie nicht von einem Konter überrascht werden. Insbesondere vor Adrian Mutu vom AC Florenz zeigten sie Respekt - als er in der neunten Minute am gegnerischen Strafraum auftauchte, waren umgehend drei Franzosen zur Stelle, um ihm den Ball abzunehmen. Es ergab sich in der Folge ein Paradoxon: ein sehr vorsichtiges Anrennen der Franzosen.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Gut, dann spielen wir halt 0:0
  2. Gut, dann spielen wir halt 0:0
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...