Rugby Die Wucht der Gegner

Deutschlands Rugby-Amateure tun sich nach dem Aufstieg in die zweithöchste europäische Liga schwer mit der Profi-Konkurrenz.

Von Thomas Hummel

In dieser Woche ist Robert Mohr endlich nach Heidelberg gekommen. Die Kollegen in der deutschen Nationalmannschaft dürften ihn mit Freude und auch ein wenig Ehrfurcht empfangen haben. Denn ihre Sportwelt hat mit der des Robert Mohr normalerweise nicht viel gemeinsam.

Gerrit van Look (Berliner RC, mit Ball) in einem Spiel gegen Polen.

(Foto: Foto: Miriam May)

Der 30-Jährige aus Hannover ist der einzige deutsche Rugby-Profi. Er spielt seit zehn Jahren in Frankreich vor meist mehreren Tausend Zuschauern, das Fernsehen überträgt, er kann seine Familie durch den Sport ernähren. Derzeit kämpft er als Kapitän von Stade Rochelais um den Aufstieg in die erste Liga. Seine Kollegen in Deutschland nimmt hingegen bis auf eine kleine Fangemeinde kaum jemand zur Kenntnis. Jetzt muss Mohr ihnen helfen, eine lange ersehnte Chance zu nutzen.

Die deutschen Rugby-Spieler haben 2008 den Aufstieg in die zweite europäische Liga geschafft, in die so genannte Six Nations B. Nach 27 Jahren kehrte die deutsche Auswahl damit zurück in die erste Klasse unterhalb der großen Rugby-Nationen aus Großbritannien, Frankreich und Italien. Auf die Freude folgten allerdings die Probleme.

Der Leistungsunterschied zwischen den Divisionen ist riesig. In der Six Nations B warten auf die deutschen Amateur-Spieler einige Profi-Mannschaften. Zum Beispiel die Rumänen, die am Samstag zum Länderspiel nach Heidelberg anreisen. Oder die Georgier, die eine Woche zuvor an gleicher Stelle vor 3000 Zuschauern 38:5 gewannen. Fast alle Georgier stehen als Profis in Frankreich unter Vertrag. Ein Spielerberater vermittelt die häufig als Ringer ausgebildeten Sportler in die europäischen Profiligen. Nach einer guten ersten Halbzeit mussten sich die Deutschen der Wucht des Gegners ergeben.

Es war die zweite Niederlage im zweiten Spiel, zunächst hatten die Aufsteiger in Spanien 11:22 verloren. In Madrid stand Robert Mohr auf dem Platz, gegen Georgien fehlte er. Auch am Aufstieg 2008 hatte er keinen Anteil. "Als ich in La Rochelle unterschrieben habe, sagte ich zu, in Frankreich zu bleiben, wenn ich gebraucht werde. Der deutsche Verband akzeptiert das glücklicherweise, schließlich verdiene ich hier mein Geld", erklärt der 30-Jährige. Bundestrainer Peter Ianusevici indes verhehlt nicht seinen Ärger. "Wir haben große Probleme mit Rochelais", klagt er. Obwohl die Klubs die Nationalspieler abstellen müssten, weigere sich Mohrs Verein regelmäßig, das zu tun. "Rochelais übt auch Druck auf den Spieler aus", sagt Ianusevici.

Es dürfte ein Hinweis darauf sein, dass die Franzosen nicht unbedingt eine hohe Meinung von der deutschen Nationalmannschaft haben. Im Vergleich zum Leistungsniveau ihrer Ligen ist diese Haltung sogar verständlich, "das ist eine ganz andere Welt", weiß auch Ianusevici. Dennoch hat sich zuletzt einiges im deutschen Rugby getan, der Bundestrainer spricht von einer "rasant positiven Entwicklung".

Ziel: WM-Teilnahme 2011

So bilden sich beim Meister SC Frankfurt 80 inzwischen halbprofessionelle Strukturen, der Bundestrainer sieht dort "ein für Deutschland völlig neues Niveau". Dazu hat sich der Unternehmer Hans-Peter Wild (Capri Sonne) entschlossen, der Sportart zu helfen. Er gründete in Heidelberg die Wild Rugby Academy, in der vor allem Nachwuchsspieler gefördert werden. Die Akademie soll bald zum ersten Mal eine deutsche Mannschaft beim European Challenge Cup anmelden, der etwa dem Uefa-Cup im Fußball entspricht.

Dass allerdings das Leistungsvermögen der Nationalmannschaft für einen Überraschungssieg am Samstag gegen Rumänien reicht, glauben nur wenige. Auch wenn Robert Mohr diesmal dabei ist. "Wir haben das Potential für die B-Gruppe, aber wir können uns mit den vielen Amateuren nicht so vorbereiten wie die anderen Teams", sagt er. Dabei sei eine Abstimmung im Rugby besonders wichtig, weil die 15 Spieler auf dem Platz als Einheit funktionieren müssen.

Sollte die Mannschaft dennoch den Klassenerhalt schaffen, wäre sogar eine Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland möglich. Denn die Mitglieder der Six Nations B dürfen auf schwächere Gegner in den Ausscheidungsspielen mit anderen Kontinenten hoffen. "Eine Teilnahme in Neuseeland ist unser großes Ziel", sagt Robert Mohr. Das würde dem Rugby in Deutschland sicher einen weiteren Schub geben.