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Rücktritt von Birgit Prinz Gebt ihr doch ein Abschiedsspiel

Der Rücktritt von Birgit Prinz lässt den DFB schlecht dastehen - wieder einmal. Der Verband versteht es, seine Akteure und Mannschaften zu feiern, aber wie man mit Misserfolg umgeht? Keine Ahnung. Zum Glück ist Prinz' endgültige Demontage noch zu verhindern.
Kathrin Steinbichler

Streit und Animositäten im Frauenfußball sind nichts Neues, es gibt unter Sportlerinnen Zwist und tränenreiche Szenen, wie sie zwischen Menschen, die sich in der Gruppe aufhalten, nun einmal vorkommen. Mit Ärger können sie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) aber offenbar schlecht umgehen.

In Zeiten der Krise allein: Birgit Prinz hört auf.

(Foto: dapd)

Der DFB versteht es wie kaum ein zweiter Sportverband, seine Akteure und Mannschaften zu feiern, er hat die Fanmeile erfunden, das öffentliche Popkonzert für dritte WM-Plätze und das Präsidenten-Bussi für Pokalübergaben. Wie man mit Krisen und alternden Kapitänen umgeht, weiß er allerdings nicht. Es war vielleicht auch einfach zu schön in letzter Zeit.

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2006 begann der Spaß mit der WM-Party der Männer. 2007 bestätigten die deutschen Frauen ihre Vormacht mit dem zweiten WM-Titel, Europameister sind sie ohnehin im Abonnement. 2010 bei der WM in Südafrika setzte Joachim Löw mit seinen Männern noch einen drauf; das Brasilien-Spiel jetzt bestätigte, was viele zuvor spürten: Deutschland ist wieder wer im Fußball. Auch ohne Michael Ballack.

Wo Erfolg ist, ist auch ein Lächeln, und an das hatten sie sich gewöhnt beim DFB. Vor allem im Frauenfußball - diesem adretten und gesellschaftlich korrekten Sport - war in den vergangenen Jahren wenig falsch zu machen: Irgendwo fand sich immer ein passender Moment, um eine verdiente Nationalspielerin gebührend zu verabschieden.

Größen wie Doris Fitschen, Steffi Jones oder Renate Lingor entschieden selbst über ihren Abschied, andere Führungsspielerinnen wurden mit öffentlichem Lob und herzlichem Applaus aufs Altenteil geschickt - Kerstin Stegemann oder Sandra Minnert können davon erzählen. Auch Birgit Prinz hatte daran geglaubt.

Es war ein Glaube aus einer Zeit, in der sie angefangen hat mit dem Fußball. Seitdem sind 25 Jahre vergangen, und bei Prinz' letztem Turnier, der WM 2011, hat der Frauenfußball eine Zeitenwende erfahren. Die Frauen-Nationalelf steht nun im Fokus der Medien, Entscheidungen können nicht ausdiskutiert, sondern müssen getroffen werden. Und der Verband ist nicht länger nur als Organisator, sondern auch als Mediator gefragt.

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Eine Rolle, die er lernen und auch hinter den Kulissen ausfüllen muss. Der DFB sollte also nicht länger zögern, Prinz ein Abschiedsspiel zu gewähren. So ein Angebot wäre einfach eine Frage des Stils.

Tränen statt Titel

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