Rudi Völler im SZ-Interview "Der Videobeweis ist ein Stimmungskiller"

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Vor dem Rückrundenstart kritisiert Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler die Folgen des Videobeweises - und erklärt, was er Heiko Herrlich nach dessen Schwalbe geraten hat.

Von Philipp Selldorf

Wenn es im internationalen Fußball so laufen würde, wie es sich Rudi Völler wünscht, dann gäbe es nur einen Spieler auf der Welt, der mehr als 100 Millionen Euro wert wäre. "Das ist natürlich Lionel Messi", sagt der Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe): "Da halte ich es mit Pep Guardiola, der gesagt hat: Wenn es um die Wahl des besten Spielers der Welt geht, dann können sich die Ronaldos und Lewandowskis darum streiten - aber Messi ist einfach eine andere Liga."

Nicht in einer anderen Liga als viele andere spielt womöglich der niederländische Verteidiger Virgil van Dijk. Dessen ungeachtet hat der FC Liverpool gerade rund 85 Millionen an den FC Southampton für ihn überwiesen. Völler hat sich daran gewöhnt, dass inzwischen solche Preise bezahlt werden. Und er kann es sich erklären: "Wenn jeder weiß, dass du viel Geld hast, dann musst du auch viel bezahlen - mehr, als der Spieler vielleicht wert ist. Und Liverpool bekommt halt nicht jeden Spieler, denn Real Madrid oder Bayern München oder die anderen starken Klubs in England geben ihre besten Spieler nicht her."

Angst macht ihm das wuchernde Transfergeschäft deshalb nicht, Völler sagt: "Ich gehöre nicht zu den Kopfschüttlern, die sagen: 'Das ist das Ende des Fußballs!' Es ist der Markt. Das muss einem nicht gefallen, mir gefällt es auch nicht. Es gibt aber nun mal die hohen Fernsehgelder und die superreichen Vereinsbesitzer, und wir sind mit Bayer Leverkusen in diesem Kreislauf mit drin."

Völler lobt Heiko Herrlich

Über Leverkusens aktuellen Trainer Heiko Herrlich ist Völler voll des Lobes. Herrlich zeichne aus, dass er zu den Trainer-Typen "zwischen den ganz jungen wie Nagelsmann oder Tedesco und den ganz erfahrenen wie Heynckes oder Funkel" zähle: "Heiko hat vieles übernommen, was die Neuen haben, doch er weiß auch, was ein älterer Trainer einbringt."

Herrlichs jetzt schon legendären "Schwalben"-Sturz im DFB-Pokalspiel gegen Gladbach (1:0) am Spielfeldrand, für den ihm der DFB aufgrund unsportlichen Verhaltens 12 000 Euro Strafe aufgebrummt hat, hat Völler gelernt einzuordnen: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Ich kenn' das Geschäft. Jetzt geht die Winterpause los, und in drei Tagen spricht kein Mensch mehr davon.' Aber als ich endlich in Melbourne angekommen bin, mache ich im Hotel den Fernseher an und sehe - auf allen internationalen Sportkanälen - nur Heiko Herrlich."

Nicht so rosig sieht Völler die Entwicklung des Videobeweises in der Bundesliga: "Die Fehler, die der Mann in Köln bei Foulspiel, Handspiel, Elfmeter macht, die tun viel mehr weh als die Fehler, die der Schiri auf dem Platz macht". Völler weiter: "Vielleicht haben wir uns in fünf Jahren daran gewöhnt, aber es ist oft schwer zu ertragen". Er traue sich gar nicht mehr, nach einem Tor zu jubeln, "damit musst du mindestens bis zum Anstoß warten. Für die Beteiligten und für die Zuschauer im Stadion ist der Videobeweis ein Stimmungskiller."

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