Ruderin Nadja Drygalla Nazi-Verdacht erschüttert deutsches Olympia-Team

"Es geht nur um die Person selbst": Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz stellt sich DOSB-Generaldirektor Michael Vesper persönlich hinter die abgereiste Ruderin Nadja Drygalla. Dass die Athletin Kontakte zur rechtsradikalen Szene hat, bestreitet Vesper nicht - unklar ist, seit wann der Deutsche Ruderverband von den Anschuldigungen weiß.

Von Carsten Eberts

Michael Vesper hatte eine unangenehme Aufgabe zu bewältigen, man sah es ihm an. Früh am Morgen zur Londoner Zeit hatten die deutschen Ruderer zu einer Pressekonferenz geladen, zu der auch der Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft erschien. Erst am Vorabend waren Berichte aufgekommen, wonach die deutsche Ruderin Nadja Drygalla in Verbindung zur rechten Szene stehe. Drygalla, 23, die zuvor im Achter gerudert war, hatte das olympische Dorf daraufhin noch in der Nacht verlassen.

Nun musste DOSB-Generaldirektor Vesper also die Fragen der Journalisten beantworten, unangenehme waren dabei. Wie es denn sein könne, dass ein Mitglied der deutschen Olympiamannschaft offenbar Kontakt zu Neonazis habe. Und dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) davon offenbar bislang nichts gewusst habe.

Vesper berichtete zunächst von den hektischen Stunden, die sich in den Räumlichkeiten der deutschen Mannschaft im olympischen Dorf zugetragen hatten. Noch am Abend habe er eilig das Gespräch mit Drygalla gesucht, dies habe etwa anderthalb Stunden gedauert. Darin habe Vesper die Athletin befragt, ob dies alles stimme, was ihr vorgeworfen wurde: Dass ihr Freund in Rostock bekennendes Mitglied der rechtsextremen NPD ist. Und dass Drygalla, die zuletzt noch in London im Einsatz war, sich davon nicht eindeutig distanziert.

Zunächst wurde Vesper energisch. Eine deutsche Olympionikin mit rechtsradikalen Tendenzen - diesen Eindruck wollte er zerstreuen. "Wenn wir nur den leisesten Hinweis darauf hätten, dass ein Mitglied unserer Mannschaft fremdenfeindlich wäre, wäre diese Person nicht Mitglied unserer Mannschaft", sagte Vesper. Noch am Abend habe Drygalla trotzdem angeboten, das deutsche Olympiateam aus freien Stücken zu verlassen. Um weitere Unruhe vom Team fernzuhalten. Vesper erklärte, er habe diesen Schritt ausdrücklich begrüßt.

Doch Unruhe war natürlich längst entstanden. Die antirassistische Initiative "Kombinat Fortschritt" hatte auf ihrer Internetseite berichtet, Drygallas Freund sei der Kopf der Kameradschaft "Nationale Sozialisten Rostock", außerdem im Landtagswahlkampf für die NPD in Mecklenburg-Vorpommern angetreten. Auch schreibe er regelmäßig für ein NPD-nahes Internetportal.

Drygalla nahm in der Öffentlichkeit keine Stellung zu den Vorwürfen. Sie reiste wortlos ab. Geklärt werden muss jedoch, weshalb die Informationen über Drygallas Privatleben erst jetzt das deutsche Olympiateam erreichen. Warum waren die Details zumindest dem Ruderverband nicht bereits vor Olympia bekannt? Und warum wurde Drygalla erst nach ihrem wichtigen Wettkampf mit dem deutschen Achter zur Abreise gedrängt?

Vesper betonte mehrfach ausdrücklich, er selbst habe von diesem Sachverhalt nichts gewusst. Erst am Donnerstag, nach dem Internetbericht und Nachfragen von Journalisten, hätten ihn die Vorwürfe erreicht. Der DOSB sei schließlich bekannt dafür, dass rechtsnationale Tendenzen hier keinerlei Platz hätten. Vesper räumte jedoch ein, dass dieses Thema "schon vor einigen Monaten möglicherweise im Gespräch war". Waren die Informationen im Ruderverband schon länger bekannt?

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