Riesenslalom der Ski-WM Ligety krönt sich zum König von Schladming

Angriff des Österreichers Marcel Hirscher abgewehrt: Der Amerikaner Ted Ligety gewinnt vor 35.000 Zuschauern den Riesenslalom in Schladming und als erster Skifahrer seit 45 Jahren drei Goldmedaillen bei einer Weltmeisterschaft. Die Deutschen beklagen "verkorkste" Fahrten.

Von Thomas Hummel

Als Marcel Hirscher unten ankam, da wackelten im Ennstal die Berge. 35.000 Zuschauer im neuen Skistadion von Schladming veranstalteten einen Lärm, der in einem solchen Tal eigentlich TÜV-pflichtig sein müsste. Der Österreicher, auf dem alle Hoffnungen seines Landes lasteten, war als Dritter des ersten Riesenslalom-Durchgangs gestartet und legte trotz einer Verletzung im Rücken eine tolle Fahrt in den Schnee. Hirscher wurde am Ende aber nur Zweiter, da konnten die Leute schreien wie sie wollten.

Denn der König von Schladming, das steht bereits an diesem Freitag fest, ist kein Einheimischer. Der König der Ski-Weltmeisterschaften kommt aus Utah, ist 28 Jahre alt und heißt Ted Ligety. Nach einem bereits fulminanten ersten Lauf, in dem er die Weltelite des Riesenslaloms deklassiert hatte, fuhr er auch im zweiten Lauf zunächst noch schneller als sein großer Konkurrent Hirscher, nahm am Ende etwas das Tempo raus und lag im Ziel mehr als acht Zehntel Sekunden vor dem Österreicher auf Platz eins. Dritter wurde der Italiener Manfred Moelgg.

Es ist die dritte Goldmedaille für den Amerikaner nach dem Sieg im Super-G und der Super-Kombination. Ligety ist der erste Skifahrer seit Jean-Claude Killy 1968, der drei Goldmedaillen in einer Weltmeisterschaft gewinnt. "Darauf bin ich wirklich stolz. Meinen Namen unter den Großen des Sports zu finden, ist unglaublich", sagte Ligety anschließend im ZDF.

Die deutschen Techniker konnten sich den Wunsch auf eine Medaille nicht erfüllen. Fritz Dopfer kam als bester auf Rang sieben. Im ersten Lauf noch Fünftschnellster, wirkte seine zweite Fahrt ein wenig brav, er strahlte nicht die ganz große Dynamik aus. Felix Neureuther beklagte im ersten Lauf eine "von oben bis unten extrem verkorkste Fahrt" und kam nach einer Steigerung am Nachmittag noch auf Rang zehn. Auch Stefan Luitz, immerhin einmal Zweiter im Weltcup in dieser Saison, kämpfte schwer mit diesem eisigen, steilen Berg und schied bereits im ersten Durchgang aus.

Schon nach dem Vormittag war klar: Viel, sehr viel hätte schiefgehen müssen, damit Ted Ligety seine dritte Goldmedaille in Schladming nicht gewinnt. Vermutlich hätte ihn ein anderer Fahrer mit den Ski voraus von hinten umsensen müssen, so wie das Felix Neureuther passiert war im Mannschaftswettbewerb. Doch da im Riesenslalom alle Fahrer hintereinander und nicht zwei parallel die Piste hinabfahren, schied auch diese Möglichkeit aus.

1,3 Sekunden war Ligety am Vormittag schneller ins Ziel gefahren als der Rest der Welt. Für den Rest der Welt hieß das: Unten den Rückstand auf Ligety sehen, den Kopf schütteln, die Schultern heben. Hirscher erklärte zwischen den Läufen: "Er muss Fehler machen, gscheide Fehler machen, sonst haben wir keine Chance."

Der Österreicher twitterte nach Lauf eins ein Bild, wie er auf der Massagebank von einem Physiotherapeuten behandelt wurde. Das Ski-Land fürchtete um die Chancen ihres "Heilsbringers". Hirscher hatte sich im Abschlusstraining am Lendenwirbel verletzt und musste deshalb behandelt werden. "Wir haben eine Stunde behandelt, das war notwendig. Ich habe ein bisschen Kopfweh, das ist ärgerlich. Fit ausschauen tu ich nicht", sagte er im ORF.

Umso fitter sah Hirscher bei der zweiten Fahrt aus. Der nach ihm startende Abfahrts-Weltmeister Aksel Lund Svindal, im ersten Durchgang überraschend Zweiter, hielt dem Druck nicht stand und verlor vor allem im steilen und eisigen Zielhang viel Zeit, der Norweger fiel sogar auf Rang vier zurück, nur vier Hunderststel Sekunden hinter Manfred Moelgg. Der Italiener hatte sich zwar einen großen Fehler geleistet und wäre fast ausgeschieden, war aber danach im zweiten Lauf immer schneller geworden und errang noch die Bronzemedaille.

Und so blieb am Ende des Riesenslaloms der Jubel Österreichs über die Silbermedaille von Marcel Hirscher. Und die Huldigungen an den Souverän der WM, Ted Ligety. "Er fährt in anderen Sphären als wir, den muss man ausklammern. Ligety ist eine eigene Klasse", lobte Dopfer bereits nach dem ersten Lauf. Und Felix Neureuther pflichtete bei: "Am Ted führt kein Weg vorbei, das ist das Maß aller Dinge." Und Ligety selbst? Wie ist das möglich, drei Goldmedaillen in einer WM? "Ich hatte ein bisschen Glück hier und da. Aber das ist einfach das Größte."