Rennserie Formel E - Hipster des Rennsports

Wo die Formel 1 nie war: Das vorletzte Saisonrennen der Formel E findet in New York City statt.

(Foto: AP)

Grün, leise, nachhaltig und der prominenteste Fan heißt auch noch Leonardo DiCaprio. Am Wochenende startet die Formel E in ihre dritte Saison - aber passen Autorennen und Umweltschutz zusammen?

Von Dominik Fürst

In Hongkong startet an diesem Sonntag eine der größten Rennserien der Welt in ihre dritte Saison. Training, Qualifying und Rennen finden an einem einzigen Tag statt. Dutzende Male werden die Autos über die Rennschleife am Victoria Hafen brettern, es wird gedrängelt, überholt und auf die Pedale gedrückt. Doch die Menschen, die in der Nähe wohnen, werden davon trotzdem kaum etwas mitbekommen. Eine Anzeige wegen Lärmbelästigung müssen die Veranstalter nicht fürchten, denn es handelt sich um die Formel E, die erste Rennserie mit Elektroautos, und die kommt ohne Lärm aus.

Während die Formel 1 seit Jahren rätselt, wie sie spannend bleiben kann und warum die Zuschauer unter 30 Jahren immer weniger werden, sind die Hipster der Formel E schon ein paar Schritte weiter und erfüllen mit ihrem Konzept bemerkenswert viele Erwartungen des jungen, ökobewussten Sportfans. Umweltfreundlich, sparsam und nachhaltig will die Rennserie sein, nicht nur im Vergleich zur großen, motorenheulenden Schwester.

Mehr als 160 Städte sollen sich für die Austragung der Rennen interessieren

"Diese Autos machen nur ein bisschen Sound", hat Alejandro Agag vor Kurzem gesagt. Der Spanier ist der Bernie Ecclestone der Formel E, ihr Planer und Promoter. "Aber wenn du bei einem Rennen bist, ist es aufregend. Es klingt nach Science Fiction." Agag ist wesentlich jünger und spanischer als Ecclestone und hat auch noch die coolere Frisur. Früher war er Politiker und saß für die spanischen Konservativen im Europaparlament, bis ihm das zu langweilig wurde und er auf zwei neue Hobbys umstieg: Wirtschaft und Sport.

Vettel macht eine schlechte Figur

Nach dem Unfall in Malaysia steht fest: Sebastian Vettel kann 2016 nicht mehr Weltmeister werden - in der Ferrari-Heimat werden ihm aber nicht nur die Resultate vorgeworfen. Von René Hofmann mehr ...

2014 debütierte schließlich die Formel E, Agags Baby, in der die Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden und bis zu 230 km/h schnell fahren. Viele Fahrernamen sind geläufig: Nelson Piquet jr. und Nicolas Prost sind die Söhne von Motorsport-Ikonen, Nick Heidfeld geht als ehemaliger Formel-1-Pilot an den Start.

Sie beginnen ihre dritte Saison nun in Hongkong, danach geht es über Marrakesch, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Monaco, Paris, Berlin, Brüssel und New York zum Finale in Montreal. Für die meisten Rennen werden Straßen gesperrt und Stadtbezirke abgeriegelt, was zwar die Anwohner nerven dürfte, aber bei den Behörden offenbar keine Probleme verursacht: Mehr als 160 Städte weltweit sollen sich für die Austragung interessieren.

Die Formel E ist urban, grün und sie ist, drittens, interaktiv. Während der Rennen können die Fans über verschiedene Kanäle (bald womöglich nur noch über Social Media) für ihren Favoriten abstimmen. Die drei beliebtesten Fahrer erhalten dann eine elektrische Leistungsspritze, den Fanboost, und machen im besten Fall dadurch ein paar Plätze gut. Sie sitzen zu diesem Zeitpunkt schon im zweiten Fahrzeug, denn zur Mitte der Rennen werden die Autos getauscht - die Batterien halten noch nicht so lange durch, sollen aber 2018 stark genug sein, um den Fahrzeugtausch zu erübrigen. Ein Hoch auf den technischen Fortschritt.