SZ: Von der Tribüne aus sieht das aus, als würden Sie komplett in sich ruhen.

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Adler: Das ist Konzentrationsarbeit. Ich analysiere das Spiel in jeder Sekunde.

SZ: Wann haben Sie entschieden, Torwart zu werden?

Adler: Das hab ich gar nicht entschieden. Als ich sechs war, hat mich irgendeiner ins Tor gestellt, weil ich ein bisschen größer war als die anderen. Ich wollte nicht ins Tor, ich wollte Tore schießen. Aber ich habe bald gemerkt, dass ich ganz gut im Tor bin, und dann hat's natürlich Spaß gemacht. Von da an hab ich das Tor nicht mehr verlassen.

SZ: Sie haben nie im Feld gespielt? Woher kommen dann Ihre fußballerischen Fähigkeiten?

Adler: Mein großes Plus war, dass ich auf der Sportschule in Leipzig war. Wir hatten vier bis fünf Stunden Sport pro Woche, Profilsport nannte sich das, da durften die Schwimmer schwimmen, die Judokas Judo machen, und ich haben eben Fußball gespielt. Da wurde großer Wert drauf gelegt, dass ich auch im Feld spiele, da wurde Beidfüßigkeit geübt, Ballannahme und Ballmitnahme...

SZ: Was Sie bis heute beherrschen.

Adler: Ja, aber ich war damals im Feld viel besser. Ich bin zwar immer noch beidfüßig und habe eine gute Schlagtechnik, um das Spiel einleiten zu können. Aber spielerisch war ich viel besser.

SZ: Wie weit hätten Sie's bringen können als Feldspieler?

Adler: Das kann ich nicht sagen.

SZ: Verbandsliga, Oberliga, Regionalliga?

Adler: Irgendwas in dem Bereich.

SZ: Als Sie mit 15 von Leipzig nach Leverkusen gingen, soll Leverkusens Torwarttrainer Rüdiger Vollborn gesagt haben, er habe den neuen Nationaltorwart gesehen. Hat er Ihnen das auch gesagt?

Adler: Ich glaube, er hat das zu seiner Frau gesagt.

SZ: Ihnen nicht?

Adler: Irgendwann hat er's mir mal gesagt, aber nicht gleich am Anfang. Doch ich tue mich immer schwer mit solchen Lobeshymnen, ich kann so was immer gar nicht glauben.

SZ: Es heißt, die Zeit bei Vollborns im Dachgeschoss habe Sie sehr geprägt.

Adler: Normalerweise kommen junge Spieler bei Bayer zu Gastfamilien, aber in meinem Fall war damals keine mehr frei. Dann hat der Rüdiger zu den Bayer-Leuten gesagt: Baut ihr mir das Dachgeschoss aus, dann nehm ich den Jungen. Das war optimal für mich: Ich war von zu Hause verwöhnt und noch recht unselbständig, als ich nach Leverkusen kam. Im Internat hätte ich mich schwer getan. Bei den Vollborns dagegen war es wie in einer großen Familie: Ich musste nicht einkaufen, nicht Wäsche waschen...

SZ: Und unter der Dachschräge hing ein Peter-Schmeichel-Poster.

Adler: Ein Poster nicht, aber ein Original-Trikot. Peter Schmeichel hat damals bei Sporting Lissabon gespielt, und als die mal in Leverkusen waren, ist Rüdiger Vollborn mit mir hingegangen und hat mir ein Trikot und Handschuhe besorgt. Ich durfte sogar kurz mit ihm reden! Das Trikot habe ich heute noch.

SZ: In einem Interview hat Vollborn vor kurzem gesagt, Sie hätten manchmal Ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

Adler: Schule war für mich immer sehr wichtig. Ich bin ein Typ, der bei allem, was er anfängt, extrem ehrgeizig ist. Wenn ich was mache, dann will ich es zu 100 Prozent machen. Ich habe die Schule keineswegs nebenher gemacht. Wenn ich eine Vier bekommen habe, hat mich das gewurmt, und auch eine Drei ist ja nichts Halbes und nichts Ganzes. Lauwarme Sachen mag ich nicht. Es war mir sehr wichtig, trotz Fußball und Jugendnationalmannschaften das Abitur zu machen, auch wenn's eine stressige Zeit war.

SZ: Aber die Hausaufgaben!

Adler: Klar hab ich die manchmal nicht gemacht, aber wenn ich sie gemacht hatte, habe ich mich oft freiwillig gemeldet. Es ist dann nicht so aufgefallen, wenn ich sie mal vergessen hatte. Ich muss sagen, das habe ich sehr geschickt gemacht.

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(SZ vom 14.10.2008/JBe)