SZ: Und jetzt kommen Sie wegen Enkes Kahnbeinbruch ins Nationaltor.

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Adler: Ja, deshalb denke ich nicht so weit voraus. Ich denke nur in Etappen: jetzt erst mal Wales, dann vielleicht England - und dann sehen wir weiter.

SZ: Was sagen Sie zu den Gerüchten, Sie seien verletzungsanfällig?

Adler: Das weise ich klar zurück. Es gibt das normale Berufsrisiko, und mit meiner Schulterverletzung bin ich gerade mal drei Wochen ausgefallen. Das ist weniger als bei einem Muskelfaserriss.

SZ: In Deutschland sind Torhüter eben von besonderem Interesse. Ist Ihnen als junger Spund überhaupt bewusst, dass Deutschland ein Torwartland ist? Wissen Sie, wer Toni Schumacher war?

Adler: Natürlich, unter dem habe ich in meiner Leverkusener Anfangszeit sogar mal trainiert. Aber als Sportler kenne ich ihn und die anderen natürlich nur aus Zusammenschnitten.

SZ: Aber Fernsehen ist wichtig für Torhüter, oder?

Adler: Absolut. Schon als kleiner Steppke hab ich am Fernseher versucht, die Spiele aus Torwartsicht zu sehen. Ich hab immer geschaut: Wo stehen die Torhüter bei Eckbällen oder seitlichen Freistößen, wer rollt sich wie ab, und manches hab ich dann im Training nachgemacht. Gerade am Anfang, als ich noch keinen Torwarttrainer hatte, war das Fernsehen wichtig für mich. Man übernimmt das eine oder andere, später bringen einem die Torwarttrainer was bei, und so baut man sich richtiggehend seinen eigenen Stil zusammen.

SZ: Bei wem haben Sie sich am meisten abgeschaut?

Adler: Eindeutig bei Peter Schmeichel.

SZ: Das sagt auch Oliver Kahn, und der ist eine Generation älter als Sie.

Adler: Schmeichel hat mir am meisten imponiert. Ich habe immer genau hingeschaut: Wann kommt er raus? Wie fängt er die Bälle ab? Seine Präsenz und Dominanz in der Strafraumbeherrschung war unglaublich.

SZ: Ansonsten orientieren Sie sich dank Ihres jungen Alters wohl eher an der eigenen Generation.

Adler: Ich beobachte die Szene natürlich genau. Es gibt ja so viele gute Torhüter, bei denen man sich was abschauen kann. Von Pepe Reina zum Beispiel die Abschlagtechnik: Wie er die Bälle spielt und zum Mann bringt! Ich beobachte auch Petr Cechs Spiel oder die Gelassenheit von Gianluigi Buffon. Und bei Jens Lehmann ist immer noch beeindruckend zu sehen, wie er das Spiel einleitet und schnell macht. Sowas probiert man dann auch mal im Training, und so entwickelt man sich immer weiter.

SZ: Was man sich bei Ihnen schon jetzt abschauen kann: diese Ruhe! Woher nehmen Sie die?

Adler: Jeder Torwart hat seine eigene Art, ein Spiel zu spielen, bei mir ist das so: Ich bin von der ersten Sekunde an fokussiert auf den Ball. Ich versuche, den Ball in jeder Sekunde des Spiels zu verfolgen, auch wenn der Ball ganz woanders ist. Immer auf Ballhöhe sein, niemals abschalten, das ist wichtig. Auf Topniveau kann sich durch einen einzigen langen Ball die Spielsituation komplett verändern, und wenn man nicht hochkonzentriert ist, steht man plötzlich falsch. Ich versuche auch, ein, zwei Situationen vorauszudenken: Wenn ein Stürmer mit dem Rücken zu mir steht, geh' ich ein, zwei Schritte raus. Wenn der lange Ball kommt, muss der Stürmer sich erst drehen. Aber ich bin schon da.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Adler Torwart wurde, wer sein größter Förderer war und wen er als Vorbild sieht.

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