Rekordtransfer Raheem Sterling An der Grenze zum Absurden

Spielt nun in Manchester: Raheem Sterling

(Foto: AFP)
  • Ein verhaltensauffälliges Kind wird zum teuersten Fußballer des Landes: Raheem Sterling wechselt für 63 Millionen Euro zu Manchester City.
  • Selbst im neoliberalen Fußball-England wird das mit Sorge aufgenommen.
Von Raphael Honigstein, London

Es ist zunächst mal die Geschichte des (Einwanderer-)Traums: aus einer Sozialwohnung im Schatten des Wembley-Stadions und einer Sonderschule für verhaltensauffällige Kinder zum Profi, zum Nationalspieler - und zum teuersten Fußballer der Geschichte Englands. Knapp 63 Millionen Euro hat Manchester City, Klub von Abu-Dhabi-Patron Scheich Mansour an den FC Liverpool für Raheem Sterling überwiesen; inklusive Boni-Zahlungen beläuft sich der Kaufpreis auf knapp 70 Millionen. Viel Geld für einen Zwanzigjährigen, der in der vergangenen Saison eher gehobenes Mittelmaß (elf Tore) als Weltklasse verkörperte, der allerdings über zwei Dinge verfügt, die in der geldgefluteten Premier League begehrt sind: einen britischen Pass und ein enorm hohes Lauftempo. "Er ist ein junger Spieler mit herausragenden Fähigkeiten", sagte City-Trainer Manuel Pellegrini bei der Vorstellung des Zugangs: "Ich bin sicher, dass die Fans sich unheimlich freuen, ihn bald in Aktion für ihr Team zu sehen."

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Sterling, geboren in Kingston (Jamaika), sprach artig von seiner Absicht, "viele Titel" mit den Hellblauen zu gewinnen und dankte auch Ex-Trainer Brendan Rodgers dafür, ihm bei Liverpool eine Chance in der ersten Elf gegeben zu haben. Die Reds hatten ihn 2010 als 15-Jährigen für 700 000 Euro von den Queens Park Rangers aus London an die Mersey geholt.

Die Größeren fressen die Kleinen, um danach von den noch Größeren gefressen zu werden - so ist das, nicht nur auf der Insel. Aber die unangenehmen Begleitumstände des Transfers sowie die nah an die Grenze des Absurden reichenden Zahlen - Sterling verdient künftig 13 Millionen Euro im Jahr, was etwa dem Salär der Weltmeister Lahm in München und Schweinsteiger bei Manchester United entspricht - sind selbst im neoliberalen Fußball-England mit Sorge aufgenommen worden: "Das eisige Geschnatter der Verachtung, dass Raheem Sterling auf seinem Weg von Liverpool nach Manchester begleitete, läutet ein neues Zeitalter der Instabilität ein," formulierte der Daily Telegraph blumig, "50-Millionen-Pfund-Transfers fegen sämtliche Ordnung weg."

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Sterling hatte im April Liverpools Angebot einer Gehaltsverdreifachung auf gut sieben Millionen abgelehnt und in einem vom Verein nicht-autorisierten Fernsehinterview (BBC) versichert, es gehe ihm keineswegs ums Geld. Kurz darauf tauchten in Boulevard-Blättern Privataufnahmen auf, die ihm beim Inhalieren von Lachgas zeigten. Rodgers erklärte ihn für unverkäuflich, worauf Sterling (auf Rat seines streitbaren Beraters) die Teilnahme an der Asien-Tour des Klubs boykottierte und "wegen Krankheit" zwei Tage Training verpasste. Das Verhältnis mit Rodgers sei keinesfalls so gut, wie der Trainer behaupte, wurde von Sterlings Seite kolportiert.

Auch der FC Bayern hatte ein Auge auf den schnellen Flügelstürmer geworfen, nach einem Vorab-Gespräch mit Berater Ward die Bemühungen jedoch eingestellt. In England ist man nun gespannt, ob sich Sterling im Kreis der ausländischen Granden bei City so entwickelt, dass er dem horrenden Preis gerecht werden kann. Es muss keineswegs so kommen. Erfolg und finanzielle Entlohnung haben sich in der beliebtesten TV-Liga der Welt schon lange im gegenseitigen Einvernehmen voneinander abgekoppelt.