Rekordspiel im Tischtennis 6000 Menschen um eine Platte

Timo Boll: Viel Publikum in Hamburg

(Foto: dpa)
  • Das Bundesligaspiel zwischen Borussia Düsseldorf und dem TTC Fulda-Malberzell in Hamburg soll am Freitag mindestens 5000 Zuschauer anlocken.
  • Der Deutsche Tischtennis Bund möchte mit dem Zuschauerrekord für den Profisport Tischtennis werben.
Von Carsten Eberts

Sie haben sich einen netten Slogan ausgedacht: "Hamburg tischt auf". Was nach einer großen Kochshow im Vorabendprogramm eines Privatsenders klingt, soll am Freitagabend einen sportlichen Rekord bringen: Mindestens 5000, vielleicht sogar 6000 Zuschauer werden zu einem Tischtennis-Bundesligaspiel nach Hamburg kommen. Es wird ein Novum, noch nie kamen in Deutschland mehr.

Rekordspiele gab es zuletzt im Handball oder Eishockey. Nun ist Tischtennis an der Reihe. In der Hamburger O2-World, wo sonst die Handballer des HSV Handball oder die Eishockeyspieler der Freezers auflaufen, treffen Borussia Düsseldorf und der TTC Fulda-Malberzell aufeinander, der Rekordmeister gegen den Vizemeister. Ziel ist es, die bisherige, acht Jahre alte Bestmarke von 4500 Zuschauer zu knacken. Das Vorhaben dürfte locker gelingen, genügend Tickets wurden verkauft. Der Düsseldorfer Timo Boll wird dabei sein, der Weltranglisten-Neunte. Auch Patrick Franziska und Christian Süß. Insgesamt fünf Nationalspieler aus den beiden besten Teams des Landes, und das vor dieser Kulisse.

"Das ist für uns wie Weihnachten", sagt Andreas Preuß, der Düsseldorfer Manager. Eine normale Partie in der Bundesliga, wo der Zuschauerschnitt bei knapp über 400 Zuschauern liegt, ist nichts dagegen. Zwar kennt Timo Boll die ganz großen Hallen von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, nicht jedoch aus der heimischen Liga. Vor mehr als 5000 Leuten in Hamburg zu spielen, ist auch für ihn eine große Nummer. "Schöner als vor 300 Leuten in einer Grundschulhalle", sagt Boll.

Für das deutsche Tischtennis ist es ein wichtiger Schritt, schließlich handelt es sich um eine Sportart, die unter einem chronischen Aufmerksamkeitsdefizit leidet. An Zuschauerzahlen wie im Eishockey, Basketball oder Volleyball kommen Tischtennisvereine nie heran, dabei ist die Basis sehr breit. Fast 10.000 Tischtennisvereine mit 670.000 Mitgliedern gibt es in Deutschland, jeden Tag spielen Tausende Kinder an den Platten in den Schulhöfen. Fast jeder hat schon mal einen Schläger in der Hand gehabt, der Masse bekannt ist jedoch nur ein Spieler: Timo Boll, der Weltranglistenerster war. Der Mann, der es mit den Chinesen aufnimmt.

Ein nachhaltiger Schub wäre wichtig

Die Organisation für das Rekordspiel hat der lokale Regionalligist vom SC Poppenbüttel in die Hand genommen. Der Zuspruch war groß, sogar überregional bekannte Fußballer wie Nicolai Müller vom Hamburger SV machten plötzlich Werbung. Viele Tischtennis-Sympathisanten wollten helfen, das Rekordspiel zu realisieren. "Der Sport bekommt eine Aufmerksamkeit, die er sonst nicht gewohnt ist", sagt Initiator Sebastian Conrad über das Rekordspiel. Vor zwei Jahren waren die Düsseldorfer bereits in Poppenbüttel zu Gast, in der Halle des dortigen Regionalligisten. Der Testlauf gelang, das Spiel gegen Bremen war schnell ausverkauft. Also haben sie es diesmal gewagt, in die große O2-World umzuziehen.

Auch beim Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) hoffen sie, durch das Rekordspiel zeigen zu können, dass Tischtennis auch in den großen Hallen funktioniert. Es ist ein Schritt in Richtung der Eventisierung einer Sportart, die hier bislang klare Defitize hat. Einzig die Düsseldorfer um den Chinesen-Schreck Boll haben eine gewisse Zugwirkung: Sie gelten als FC Bayern des Tischtennis-Sports, haben in den vergangenen sieben Jahren sechs Meistertitel eingeheimst. Sie tragen ihre Heimspiele gerne in fremden Städten aus, auch dort, wo die Zuschauer sonst keine Bundesligaspiele zu sehen bekommen. Wie in Hamburg, einer Stadt ohne Erstligisten.

Der Rekord wird für einige Tage eine schöne Nachricht sein. Doch das eigentliche Ziel ist es, den Kindern aus der Turnhalle oder vom Pausenhof zu zeigen, dass ihr Sport etwas bewegen kann. Dass es sich lohnen kann, ein Tischtennisspiel zu besuchen - ein nachhaltiger Schub, das ist es, worum es geht. Rund um die Bundesliga-Partie findet ein Breitensport-Event statt, mit Show und Musik, auch sozial Benachteiligte und Kinder mit einer Behinderung werden dabei sein. "Das wird der Tag des deutschen Tischtennis", glaubt Sebastian Conrad. Für eine kleine Sportart haben sie tatsächlich ordentlich aufgetischt.