Reiten Wie kam die verbotene Substanz ins Pferd?

Rätselhafter Befund: Die Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski (hier bei Olympia 2016 in Rio) kann sich nicht erklären, wie bei der diesjährigen EM eine verbotene Substanz in ihr Pferd Samourai du Thot gelangte.

(Foto: Adrees Latif/Reuters)
  • Die deutschen Reiter verlieren ihre EM-Silbermedaillen wegen einer verbotenen Medikation.
  • Niemand im Team kann sich die den Fall von Julia Krajweskis Pferd Samourai du Thot erklären.
  • Es bleibt ein ungeheuerlicher Verdacht: Es könnte Manipulation gewesen sein.
Von Gabriele Pochhammer

Es fällt schwer, Julia Krajewski nicht zu glauben. Die 29 Jahre alte Vielseitigkeitsreiterin sagt, sie habe nicht die leiseste Ahnung, wie die im Wettkampf verbotene Substanz Firocoxib in den Körper ihres Pferdes Samourai du Thot gelangen konnte. Aber sicher ist, dass die Substanz drin war. Das beweisen drei positive Proben: Die A- und die B-Probe, genommen bei der EM der Vielseitigkeitsreiter in Strzegom/Polen im August, sowie eine weitere bei einer Trainingskontrolle der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) drei Tage nach Rückkehr des Pferdes in Warendorf.

Die Medikation war nicht im Behandlungsbuch verzeichnet, wie es bei den Pferden der Kaderreiter vorgeschrieben ist. Egal, was bei weiteren Nachforschungen herauskommt, ob eigenes Verschulden der Reiterin, Schlamperei oder Fremdverschulden: Die EM-Silbermedaille - gewonnen hinter Großbritannien, aber vor Schweden - für das deutsche Team ist weg. Krajewski selbst hat ihre Teamkameraden Ingrid Klimke (Münster), Michael Jung (Horb) und Bettina Hoy (Rheine) angerufen und ihnen die Nachricht überbracht. "Natürlich waren sie geschockt" sagt Krajewski, "aber keiner hat mir Vorwürfe gemacht."

Das Mittel ist schmerzstillend und fiebersenkend

Firocoxib wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Wenn es für Pferde eingesetzt wird, dann heißt es Equioxx; in stärkerer Dosierung für Hunde ist es unter dem Namen Previcox bekannt. Da das Mittel eine lange Nachweiszeit hat, etwa 30 Tage, wird es bei Sportpferden selten gegeben, eher bei Freizeitpferden. Fertigfutterprodukten darf es nicht beigemischt werden, auch in der Natur kommt es nicht vor. Firocoxib gilt nicht als Doping, sondern als "kontrollierte Medikation": Es darf im Training verwendet werden, aber nicht im Wettkampf.

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Julia Krajewski hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder versucht sie vor dem Tribunal der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), ihre Unschuld zu beweisen und auf Freispruch zu plädieren, oder sie akzeptiert eine administrative Strafe von 1500 Schweizer Franken plus 2000 Franken Verfahrenskosten. In dem Fall wird keine Wettkampfsperre verhängt. Riskanter wäre ein Gang zum FEI-Tribunal, dann könnten am Ende auch sechs Monate Sperre stehen, wenn Krajewski den positiven Befund nicht plausibel erklären kann. "Und da habe ich ganz schlechte Karten", gibt sie zu.

Jens Adolphsen, Vorsitzender des Vielseitigkeitsausschusses und langjähriger Justitiar der FN, rät der Reiterin, die administrative Strafe zu akzeptieren. Auf jeden Fall muss sich Krajewski vor dem Exekutivausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) verantworten, der für Kaderreiter und Trainer zuständig ist. Krajewski gehört nicht nur dem Championatskader an, sondern ist auch Bundestrainerin für Ponyreiter.

Die Spurensuche gestalte sich "hochschwierig", so der Sportchef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Dennis Peiler. Eine routinemäßig genommene Probe vor der Abreise nach Polen war negativ, "aufgrund der Konzentration können wir sagen, dass die Substanz am Wettkampf-Wochenende in Polen ins Pferd gelangt sein muss". Teamtierarzt Carsten Rohde versichert, dass kein Pferd des Teams von ihm Equioxx bekommt und er demzufolge das Mittel gar nicht im Gepäck gehabt habe. Eine Verwechslung mit dem erlaubten Magenmittel Gastrogard - die Packungen sehen sich ähnlich - schließt er aus. Auch Krajewskis Haustierarzt hat es nach eigenen Aussagen nicht angewendet.