Reinhard Rauball im Interview "An Populismus hat man sich ja gewöhnt"

Reinhard Rauball, 67, seit vielen Jahren Präsident von Borussia Dortmund und seit 2007 Ligapräsident.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Muss die DFL sich an Polizeikosten für Bundesliga-Partien beteiligen? Ligapräsident Reinhard Rauball weist die Bremer Idee im SZ-Gespräch scharf zurück - und spricht von Stammtischparolen.

Von Freddie Röckenhaus

Als der Hamburger SV am 1. März in Bremen spielte, war das für den SV Werder ein guter Tag. Die Bremer gewannen 1:0, holten sich drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib und schafften den am Ende auch souveräner als die Hamburger. Für die Bremer Stadtkasse war es allerdings kein guter Tag, sagt jedenfalls der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer. Bis zu 300 000 Euro hätte es die Bremer Stadtkasse mehr gekostet als ein normales Fußballspiel, weil sich Hamburger und Bremer eben besonders unsympathisch sind und das Spiel deswegen als "Risikospiel" eingestuft wurde. Mehr Polizisten, mehr Kosten.

"Meinungshoheit über manchem Stammtisch"

Die will SPD-Mann Mäurer jetzt an die DFL weitergeben. Reinhard Rauball ist Präsident des Zusammenschlusses der 36 Profivereine, der seit 2001 die Bundesliga und die 2. Bundesliga veranstaltet. In der Süddeutschen Zeitung (Freitagsausgabe) sagt er zu Mäurer: "Selbst wenn man mit solchen Thesen die Meinungshoheit über manchem Stammtisch gewinnt: Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ist immer die Aufgabe und das Monopol des Staates." Der Präsident von Borussia Dortmund, der auch mal für die SPD kurzzeitig Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen war, hält die Forderungen von Mäurer für juristisch nicht durchsetzbar: "Wenn wir an den Aufgaben der Polizei herumbasteln wollen, dann wird das ein ordnungspolitischer Bruch und ein Verfassungsbruch."

Die Argumentation Mäurers, es sei absolut legitim für Leistungen des Staates Gebühren zu erheben, das sei bei Abwasser und Müllabfuhr nicht anders, kann er nicht nachvollziehen. Bei der Müllabfuhr gäbe es zwar eine konkrete Leistung, aber bei dem, "was dem Senator in Bremen vorschwebt, geht es aber darum, dass eine Gebührenpflicht für die Gefahrenabwehr eingeführt wüde." Das sei unvereinbar mit Verfassungsartikeln. Zumal seien weder der Ligaverband noch die Vereine die Urheber der Gewalt, die werde "von den Tätern geplant und ausgeführt, ohne dass die Vereine dies wollen oder beteiligt sind", sagt der 67-Jährige.

"Es scheint einer Majestätsbeleidigung gleichzukommen"

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In den Stadien würden die Vereine für Sicherheit sorgen, zudem würden sie viel Geld in Fanprojekte und die Prävention von Gewalt ausgeben. Die Steuereinnahmen durch sportbezogene Branchen würden bei 14,6 Milliarden Euro liegen. Wenn die Vereine nun auch für die Sicherheit im öffentlichen Raum verantwortlich sein sollen, könne man das auf jedes beliebige Thema anwenden: "Jeder kann dann für alles Mögliche zur Kasse gebeten werden."

Alle Rechtsmittel ausschöpfen

Rauball kündigte an, im Falle einer Forderung des Landes Bremen alle Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen. Auch die Verlegung des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Gibraltar habe Rauball beantragt. "Es kann nicht sein, dass wir Bremen etwas Gutes mit so einem Länderspiel tun, bei dem viel Geld in die Stadt fließt. Und im Gegenzug werden wir mit unberechtigten Forderungen konfrontiert", sagt der DFL-Präsident.

Unabhängig von der rechtlichen Lage sieht Rauball den Fußball auch nicht in einer moralischen Verantwortung, auch wenn die DFL vor Kurzem über die Fernsehrechte 2,5 Milliarden Euro für vier Jahre eingenommen hat. Die DFL gebe 96 Prozent der Einnahmen an die Vereine weiter. "Entweder hat man das in Bremen nicht verstanden oder man sagt absichtlich nicht die ganze Wahrheit." Auch, weil der Senat zunächst den Verein Werder Bremen ebenfalls zur Kasse beten wollte und ihn dann wieder strich behauptet Rauball: "An Populismus hat man sich ja gewöhnt, aber Populismus gepaart mit unvollständigen Fakten ist schon hart."

Das vollständige Interview mit Mäurer lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung und in der SZ-Digital-App auf iPhone, iPad, Android und Windows 8.