Regionalliga Vier Aufsteiger aus fünf Ligen

Der TSV 1860 München führt derzeit die Tabelle der Regionalliga Süd an. Doch dürfte der Traditionsklub am Ende auch aufsteigen?

(Foto: Tobias Hase/dpa)
  • Auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag formulieren die Landesverbände einen gemeinsamen Antrag zur Regionalliga-Reform, doch der fällt komplex aus.
  • In einer Übergangszeit soll es aus fünf Regionalligen vier Aufsteiger geben.
  • Langfristig soll die Anzahl der Regionalligen reduziert werden.
Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Wochenlang haben sie diskutiert, und auf der Zielgerade kam es natürlich zu besonders vielen Treffen. Am Mittwochabend gab es ein Spitzengespräch, inklusive Reinhard Grindel, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bund (DFB), sowie den Vertretern der Landes- und Regionalverbände. Anderntags ging es in leicht veränderter Runde weiter. Und das alles, um vor dem außerordentlichen Bundestag am Freitag in Frankfurt noch einen irgendwie gearteten Kompromiss für den Tagesordnungspunkt vier hinzubekommen: die Reform der Regionalligen und deren Aufstiegsregelung. Und ganz am Ende kam tatsächlich noch ein gemeinsamer Antrag aller Landesverbände heraus, wenngleich der recht komplex ausfällt.

Demnach gibt es zunächst einmal eine Übergangslösung für zwei Jahre. In dieser Zeit soll es bei fünf Regionalligen (Bayern, Südwest, West, Nord, Nordost) bleiben und vier Aufsteiger in die dritte Liga geben. Der Südwest-Meister steigt in beiden Jahren direkt auf; die Meister aller anderen Staffeln kommen je einmal in den Genuss eines direkten Aufstiegs. In der Saison 2018/19 ist zunächst die Nordost-Staffel an der Reihe, danach wird ausgelost. Zugleich soll eine Kommission in diesen beiden Jahren eine Möglichkeit erarbeiten, die Zahl der Regionalligen auf vier zu reduzieren.

"Meister müssen aufsteigen" - im Kern befürworten das alle

Diesem Kompromiss waren heftige Debatten vorausgegangen, die durchaus Narben hinterlassen dürften im internen Verhältnis Fußballdeutschlands. Alle Beteiligten waren sich zwar einig, dass die seit 2012 geltende Regelung, nach der die fünf Staffel-Meister sowie der Zweite des Südwestens in drei Playoff-Partien insgesamt drei Aufsteiger in die dritte Liga ermitteln, eine schlechte Konstellation sei. Aber wie es konkret anders werden soll, darüber entbrannte eine scharfe Diskussion, in die viele regionale Interessen hineinspielten - und in der insbesondere aus dem Osten ungewöhnlich harte Worte in Richtung der DFB-Spitze um Grindel fielen.

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"Meister müssen aufsteigen", diesen Gedanken teilen im Grundsatz nicht nur die meisten Fußballfans, sondern auch viele beteiligte Funktionäre. Fünf Aufsteiger gehen allerdings nicht, weil sich dagegen die Drittligisten wehren, aus deren Klasse dann fünf Teams absteigen müssten. Maximal vier Regionalliga-Aufsteiger sind also drin, was zwangsläufig bedeutet, dass es nur noch vier Regionalligen geben dürfte. Doch es fand sich in wochenlangen Diskussionen kein Konsens, wie sich die fünf Staffeln in vier aufteilen ließen.

Die einen forderten, dass die Regionalligen West und Südwest erhalten bleiben und die Staffel Nordost, die das Territorium der früheren DDR-Bundesländer umfasst, aufgespalten werden soll. Die Landesverbände Thüringen und Sachsen würden zur Regionalliga Bayern kommen, alle anderen zur Regionalliga Nord. Doch solch ein Schritt war mit den Vertretern des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) nicht zu machen. Diese wollten ihre eigene Staffel behalten; wie sich der Rest die übrigen drei Ligen aufteilt, ist ihnen egal.

Die Nordostler argumentieren unter anderem mit Historie sowie dem Verweis darauf, dass sechs von 21 Landesverbänden des DFB in ihrem Regionalverband organisiert seien. Das Argument der anderen Seite lautet, dass in den Gebieten West und Südwest insgesamt viel mehr Männer-Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen und der Unterbau zu den Regionalligen entsprechend größer ist.

Diese Debatte ist nun nicht beendet, sondern nur unterbrochen. Denn für einen Übergang mag der DFB noch eine Lösung mit fünf Regionalliga-Staffeln gefunden haben. In zwei Jahren aber soll es nur noch vier geben.

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