Referendum Hamburger lehnen Olympia-Bewerbung ab

Bürgermeister Olaf Scholz, Koalitionspartnerin Katharina Fegebank von den Grünen und DOSB-Präsident Alfons Hörmann stellen sich nach der Niederlage der Presse.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Herbe Niederlage für Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz: Die Bürger der Hansestadt haben sich in einem Referendum mit knapper Mehrheit gegen eine Olympia-Bewerbung für 2024 ausgesprochen.
  • Damit ist die Bewerbung gescheitert, auch wenn die Kieler mit deutlicher Mehrheit für olympische Segelwettbewerbe vor ihrer Küste gestimmt haben.
  • Zum zweiten Mal scheitert damit eine deutsche Olympiabewerbung bei einer Volksbefragung.

Enttäuschung bei Bürgermeister Scholz

Hamburg wird sich nicht um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 bewerben. Das sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Sonntag im Rathaus der Hansestadt. Er räumte damit die Niederlage der Olympia-Befürworter beim Referendum ein. "Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte Scholz.

Für Scholz ist die Absage ein unerwarteter Tiefschlag. Er hatte Olympia als wichtigstes Projekt der Legislaturperiode ausgegeben. Die Stadtentwicklung sollte bis 2024 auf einen Stand gebracht werden, der normalerweise 20 bis 30 Jahre in Anspruch genommen hätte.

51,6 Prozent der Hamburger wollen das größte Multisport-Ereignis der Welt nicht in ihrer Stadt sehen. Das teilte das Statistikamt Nord nach Auszählung aller 650 106 gültigen Stimmen mit.

Zwei Drittel in Kiel für olympische Segelwettbewerbe

Im geplanten Segelstandort Kiel gab es dagegen eine klare Mehrheit pro Olympia von knapp 66 Prozent.

In Hamburg wurde der Abend für die Befürworter dagegen immer mehr zum Zitterspiel. Gegner und Befürworter lieferten sich lange ein knappes Rennen. Das ZDF hatte mit einer Prognose die Auszählung eingeleitet, die 56 Prozent Zustimmung ausgemacht haben wollte. Ein Fehlurteil. Tatsächlich lagen mit der Auszählung der ersten Wahllokale die Gegner knapp vorn. Das verfestigte sich auf einen Vorsprung von etwa vier Prozentpunkten. "Wir haben einen Stimmungswandel in der Stadt bemerkt", sagte Florian Kasiske aus dem jubelnden Lager der Initiative NOlympia. "Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist."

Größte Bedenken hatten in der Hansestadt zuletzt wegen der ungeklärten Finanzierung geherrscht. Der Bund sträubte sich selbst wenige Tage vor Referendumsschluss, den von Hamburg errechneten Anteil in Höhe von 6,2 Milliarden Euro zu übernehmen. "Es geht um viel Geld. Und da werden wir uns am Ende schon einigen", versuchte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu beruhigen. Das gelang ihm offensichtlich nicht. Insgesamt sollten die Spiele 11,2 Milliarden Euro kosten. Maximal 1,2 Milliarden hätte Hamburg übernommen. Als Erlöse wurden 3,8 Milliarden Euro erwartet.

In München fiel die Bewerbung für 2022 ebenfalls durch

Damit erlebte Deutschland seine zweite olympische Pleite binnen zwei Jahren. 2013 hatten München und Umgebung in einer Volksbefragung gegen Winterspiele 2022 votiert.

Um die Sommerspiele 2024 bewerben sich nun noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles. Dort wird die Bevölkerung jeweils nicht gefragt. Die Entscheidung fällt das IOC 2017 in Lima (Peru).