Red Bull Salzburg Tischtuch haben fertig

Ein Streit zwischen Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus über die taktische Ausrichtung der Mannschaft hat zur Entlassung des Deutschen in Salzburg geführt. sueddeutsche.de saß mit am Tisch.

Von Lars Spannagel

Ein italienisches Restaurant in Salzburg. Cheftrainer Giovanni Trapattoni und sein Assistent Lothar Matthäus haben sich getroffen, um ihre Arbeit bei Red Bull Salzburg für die nächste Saison zu planen. Kerzenlicht, Wein, Harmonie.

Giovanni Trapattoni

Der Maestro: Giovanni Trapattoni.

(Foto: Foto: dpa)

Trapattoni (lehnt sich über den Tisch nach vorne): Lothar, müssen wir sprechen über Mannschaft. Habe Gefühl: Vergessen die Profi, was sie sind.

Matthäus (blickt von der Speisekarte auf): Häh?

Trapattoni: Österreich. Dürfen nicht vergessen: Österreich kein Fußball. Bringen nichts Fußball zu spielen hier. Keine Spieler.

Matthäus: Aba Trabb, endspann Dich doch mal. Mir sind doch logga Meister worrn.

Trapattoni: Nix entspannen. Arbeiten müssen. Ich vorschlage: Nächste Saison. Fünferkette. Wir Mateschitz fragen. Mehr Verteidiger kaufen. Alte Verteidiger. Müsse Grätschen! (Trapattoni unterstreicht das letzte Wort mit einer säbelnden Geste, die Matthäus zurückzucken lässt).

Matthäus (beschwichtigend): Einen älderen Verteidiger als Domas Linke werden mir kaum finden. Und 25 Gegendore in 36 Saisonspielen sind doch wärrklich ned viel. Ich bin ja einer, der die Meinung hat, dass mir eher Stürmer brauchen. Dieser Red-Bull-Dybb zahlt doch für jeden, den mir wollen.

Trapattoni: Haben wir doch Zickler. Zickler reichen für Österreich. Verteidigung grätschen, Ball schießen vorne, Zickler laufen. Tor jedes Mal. Einfach.

Lothar: Der Zico ist doch schon 33. Mit der Schnelligkeit isses bald vorbei. Mir brauchen so an Loddar-Maddäus-Dybben. Einen, der alles kann, hinten wie vorne, einen der ...

Trapattoni (... unterbricht ihn): Lothar, wir kennen uns. Wie lange? 19 Jahre. Du bist gekommen zu Inter - guter Spieler, aber keine Ahnung von Fußball. Ich Dich beibringen alles, was ich weiß. Aber Du immer noch nicht verstehen.

Matthäus (verärgert): Also das muss sich ein Loddar Maddäus nun wärrklich ned gefallen lassen. Weißt Du eichentlich, wieviel Länderspiele ich hab? 150! Hundert-und-fünfzich!

Trapattoni: Natürlich wissen, Du sagen mehrmals jeden Tag. Aber Fußball einfaches Spiel. Keine Tor bekommen, nicht verlieren, basta.

Matthäus: Oder ein Dor mehr schießen, gewinnen.

Trapattoni (aufbrausend) : NEIN! Madonna di Campiglio! Du wollen immer spielen so. Ohne Plan, gehen nach vorne blind. (Trapattoni imitiert mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Händen die Bewegungen eines Bobfahrers vor dem Start, der in Gedanken die Strecke abfährt). Ist Fußball anders. Ist Fußball SO! (Trapattoni schlägt, so heftig er kann, mit der flachen Hand auf den Tisch).

Matthäus (sich in Rage redend): Jetzt reichts mir aba, Trabb. Du hast es doch mit Deinem Kaddenadscho nie weiter weg von Idalien als nach Schtuddgard geschafft. Schtuddgard! Ein Weldschtar wie Loddar Maddäus, der in Nju Jorgg gespielt hat, der Trainer in Brasilien war, Weldschportler des Jahres, ein Musterbrofi, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, ... was wollt ich nochmal sagen?

Trapattoni: Ein Co-Trainer ist ein Idiot! Große Mannschaft haben große Trainer. Glaubst Du müssen ... müssen machen ... machen in Platz ...

Matthäus: Trabb, dass wollt ich Dir schon immer mal sagen: Du faselst manchmal schlimmer als der Franz.

Trapattoni: Jetzt reicht. Zerschnitten sein mit Lothar, Tischtuch haben fertig.

Lothar: Ich geh zu Wolfsburg.

(beide ab).