Rechtsstreit beim TSV 1860 München "Ich erreiche ihn nicht"

1860-Präsident Gerhard Mayrhofer wehrt sich gegen die Vorwürfe.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Bei den "Löwen" sorgt die Causa Kirmaier für aufgeregtes Theater. Zu einer außergerichtlichen Einigung zwischen dem Kläger und dem Verein wird es wohl nicht kommen, denn es herrscht Funkstille. Präsident Gerhard Mayrhofer verteidigt seine Wahl.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Vorab noch einmal die Fakten, sind sie doch gleichermaßen fürchterlich kompliziert und wunderbar abstrus. Im vergangenen Frühjahr hatte ein Präsidentschaftskandidat des TSV 1860 München zu einer Delegiertenversammlung geladen, auf der er ins Amt gewählt werden wollte. Der Kandidat Hep Monatzeder wurde aber nicht gewählt, er wurde von den Delegierten "abgewatscht", wie er selber sagte, weswegen er sich fortan als "Watschnbaum" bezeichnete.

Während derselben Sitzung beschlossen die Delegierten allerdings ihre eigene Abschaffung - und eine neue Satzung, die fortan anstelle von Delegiertenversammlungen nur noch Mitgliederversammlungen vorsah. Der Präsidentenkandidat lud erneut, diesmal sogar nachdem er abgewatscht worden war, zu einer Mitgliederversammlung, auf der mit großer Mehrheit das Präsidium um Gerhard Mayrhofer gewählt wurde.

Und nun soll dieses nicht rechtmäßig im Amt sein, obwohl es schon seit fast einem Jahr amtiert. Weil Kandidat Monatzeder weder zur Delegiertenversammlung, noch zur Mitgliederversammlung hätte laden dürfen.

In der Falle

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So sehen es jedenfalls Kläger Helmut Kirmaier, dessen Anwalt Heinz Veauthier - und bislang auch die zuständige Richterin Christina Weitnauer, die den nächsten Gerichtstermin am 6. Juni angesetzt hat. Es könnte bereits die letzte Sitzung sein, die Richterin ein Urteil fällen.

Und eine außergerichtliche Einigung der Parteien wird immer unwahrscheinlicher. Denn Kläger und Beklagte reden nicht miteinander. "Mit uns telefoniert Herr Kirmaier leider nicht. Ich würde gerne mit ihm sprechen, aber ich erreiche ihn nicht", sagt Mayrhofer. Kein Wunder, denn offenbar ist Schweigen Teil der Strategie von Anwalt Veauthier.

Am 23. Mai schrieb Veauthier einen Brief an Guido Kambli, einen der Anwälte des Vereins. Das Schreiben liegt der SZ vor. Derzeit könne er "keinen Besprechungstermin mit Ihnen vereinbaren", heißt es darin, "auch mein Mandant wollte erst in der übernächsten Woche mit der Sache befasst werden".

Veauthier sagt in dem Schreiben einem Treffen zu - am 3. Juni, drei Tage vor dem Gerichtstermin. Allerdings wird es dann kaum zu einer Aussprache zwischen Kläger und Präsidium kommen, denn Veauthier schreibt: Das "Verfahrensergebnis" sei "eher Sache des Aufsichtsrats", der deshalb mit am Tisch sitzen soll.

Denn: "Ihre Mandanten, die bei diesen Verhandlungen primär doch nur an sich und erst an zweiter Stelle an den Verein denken, sind dann, wenn es um den Verein geht, doch eher weniger gefragt." Die Formulierung legt nahe, dass zumindest Veauthier kein Interesse zu haben scheint, das Präsidium im Amt zu halten.

Andernfalls würde er diesem kaum vorwerfen, nur an sich selbst zu denken. Zuletzt hatten 1860-Geschäftsführer Markus Rejek und Vize Heinz Schmidt bestätigt, irgendjemand erhebe den Vorwurf der Bereicherung. Dabei ist der eigentlich nicht Gegenstand des Prozesses. Geht es Veauthier also um etwas anderes als die Wiederherstellung formal korrekter Zustände?

Helmut Kirmaier, 1860-Mitglied seit Ewigkeiten, hat jedenfalls mehrfach versichert, nur die Satzung (egal ob alte oder neue) sei ihm wichtig. In seiner Argumentation geht er so weit, dass er glaubt, mit Vereinsanwalt Kambli gar nicht sprechen zu dürfen. Er sagt: "Mit welchem Recht vertritt Herr Kambli überhaupt 1860? Er ist beauftragt von einem Präsidium, das gar nicht existiert."