Rechtsextremismus im Fußball Das hartnäckige Nazi-Problem auf der BVB-Südtribüne

Auf einem guten Weg: Die Dortmunder Fans auf der berühmt-berüchtigten Südtribüne, von der zuletzt viele Impulse und Aktionen gegen rechts kamen.

(Foto: imago/Annegret Hilse)

Borussia Dortmund hat einiges getan, um rechte Fans draußen zu halten. Doch die Szene ist wandlungsfähig.

Von Christoph Ruf

Manchmal ist es interessant, sich mit Menschen über Fußball zu unterhalten, die mit einem Kenntnisstand zufrieden sind, den sie nicht jedes Wochenende aktualisieren müssen. Der Hamburger SV gilt diesen Menschen als gefallener, der FC Bayern als unbezwingbarer Riese. Und beim Stichwort Borussia Dortmund kommt erstaunlich oft die Feststellung, dass das doch wohl "die mit den rechten Fans" seien.

Das hat natürlich so noch nie gestimmt, auch nicht zu Beginn des Jahrzehnts. Als die Schlagzeilen über die politischen Aktivitäten vieler BVB-Fans sich überschlugen, waren die Rechten nur ein verschwindend kleiner Teil der riesigen Südtribüne. Doch Tausende andere sahen dort keinen Grund, sich ihnen entgegenzustellen. Oder sie hatten schlicht Angst davor.

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Immer wieder berichteten nicht-rechte Dortmunder Fans, dass sie im Alltag verprügelt wurden. Bei einem Spiel in Donezk Anfang 2013 wurden zwei Fanbetreuer von rechten Fans auf der Toilette zusammengeschlagen. Und immer wieder machten rechte Fußballfans gemeinsame Sache mit den Nazi-Kadern, die noch heute im Stadtteil Dorstfeld ihre WGs haben und in dem von ihnen selbst genannten "Nazi-Kiez" Andersdenkende terrorisieren.

Der BVB änderte seine Strategie

Doch anstatt das Offensichtliche einzugestehen und wirksame Gegenmaßnahmen anzukündigen, ließ Borussia jahrelang immer wieder verlautbaren, die Journalisten und Fans hätten wohl Probleme mit ihrer Wahrnehmung. "Es sind keine Bestrebungen von Nazis im Gange, im Fußball Fuß zu fassen", ließ die Pressestelle noch Ende 2010 ausrichten. Erst als ein Fan 2012 mitten auf der Südtribüne mit einem Transparent "Solidarität" mit der gerade vom Bundesinnenminister verbotenen Kameradschaft "Nationaler Widerstand Dorstfeld" forderte, änderte der BVB seine Medienstrategie.

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Doch durch die jahrelange Vogel-Strauß-Taktik der Vereinsführung hat sich das Image von der braunen Kurve so sehr verselbständigt, dass Hans-Joachim Watzke mittlerweile im Wochentakt Medienanfragen beantworten muss. Und längst zeichnet er ein realistisches Bild von der Gemengelage in der Fanszene. Ohne zu übertreiben, aber auch ohne zu verharmlosen.