Real-Stürmer Gareth Bale Sprinter unter der Lupe

Real Madrids Gareth Bale beim Hinspiel im Zweikampf mit Schalkes Dennis Aogo.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Seit sieben Spielen ist Real-Stürmer Gareth Bale an keinem Tor mehr beteiligt.
  • Der "Express aus Cardiff" sei gar nie richtig in Madrid angekommen, schreiben spanische Zeitungen.
  • Auf der rechten Außenbahn fühlt sich Bale nicht wohl, genau dort wird er eingesetzt.
  • Vor dem Rückspiel gegen Schalke 04 wird diskutiert, ob der Waliser überhaupt für den spanischen Fußball geeignet ist.
Von Oliver Meiler

Manchmal lohnt es sich, einem Fußballer genau zuzuhören beim Reden. Als Gareth Bale jüngst in einem Gespräch mit einem englischen Sportmagazin gefragt wurde, wie es denn so sei bei Real Madrid, da antwortete der Stürmer mit einer bedenkenswerten Metapher: "Wie unter einem Mikroskop ist das hier", sagte er.

Ein passendes Bild. Volk, Medien, Politik: In Spanien fokussieren alle auf diesen Sport. Zoomen die Figuren heran. Zerlegen, studieren, analysieren jede Bewegung, jeden Blick, jede Geste. Alles kommt unter die Lupe, wie im Labor eben. Und wenn das Forschungsobjekt die Erwartungen nicht erfüllt, dann urteilt die pseudowissenschaftliche Gemeinde, die da über dem Mikroskop hockt, recht unakademisch. Mit Geringschätzung, Pfiffen, Schmährufen gar. Man stellt sich das beengend vor, besonders in Madrid.

Etwa 100 Millionen Euro hat Real für die Verpflichtung bezahlt

Gareth Bale brennt gerade unter der Lupe, gut bezahlt und überexponiert. Der 25-jährige Waliser hat nun schon seit acht Spielen kein Tor geschossen. 720 erfolglose Minuten. Das ginge noch, wenn er dafür mit Pässen etliche Tore aufgelegt hätte, für Cristiano Ronaldo und Karim Benzema zum Beispiel, den Kollegen im Sturm. Doch seit sieben Spielen gelingt ihm auch kein Assist mehr.

Die Baisse Real Madrids, das am Wochenende die Tabellenführung in der Meisterschaft verlor und an diesem Dienstag in der Champions League gegen Schalke 04 etwas Goodwill zurückgewinnen möchte, trägt auch Bales kantige Gesichtszüge. Es ist, schreiben die Zeitungen, als sei der "Express aus Cardiff", wie man Bale auch gerne nennt, gar nie richtig in Madrid angekommen. Eineinhalb Jahre nach der Ankunft, wohl gemerkt.

Natürlich ist die Kritik überrissen, aber so ist das unter dem Mikroskop. Als Bale im Sommer 2013 vom Londoner Verein Tottenham Hotspur zu Real wechselte, gaben zwei Dinge viel zu reden: seine Transfersumme und seine Athletik. Beide galten als phänomenal. Bei den medizinischen Tests zeigte sich, dass Herz und Lunge auch für eine Weltkarriere als Sprinter oder Mittelstreckenläufer reichen würden. Bald erzählte man sich in Madrid, Bale sei einfach weitergelaufen, ohne sichtbare Anstrengung, als ihm die Ärzte bedeuteten, die Extremübung sei vorbei. In der Umkleide empfing man ihn als "Forrest Gump".

Etwa 100 Millionen Euro sollen die Madrilenen für die Verpflichtung von Bale bezahlt haben. Florentino Pérez, Reals Präsident, wollte den Spieler so sehr, dass er die Preistreiberei mit sich geschehen ließ, musste sich dann aber viel Kritik anhören. Bale, so fand man, verfüge nicht über die internationale Erfahrung, die das viele Geld rechtfertige: Mit Wales, seiner Nationalmannschaft, hat er die Welt des Fußballs nie zu bewegen vermocht und wird es wahrscheinlich auch in Zukunft nie tun; und Tottenham ist bei aller Tradition eben doch kein ganz großer Verein. Vor allem aber wunderte man sich darüber, dass Pérez ausgerechnet einen Spieler holte, dessen Profil sich schier perfekt mit jenem des Superstars im Team deckte, mit Cristiano Ronaldo. Beide stürmen ja vorzugsweise auf der linken Außenbahn, ihrem Habitat.