Bernd Schuster hat das Pokalfinale verloren. Trotzdem soll er am Montag zum Real-Trainer ernannt werden.
Die letzte Frage blieb unbeantwortet im Presseraum des Estadio Santiago Bernabéu stehen. "Bernd, sehen Sie Ihre Zukunft noch in Getafe?", hatte ein Journalist Schuster hinterhergerufen. Doch da hatte sich der bekanntlich von Real Madrid umgarnte Trainer des soeben im Pokalfinale unterlegenen Getafe CF bereits aufgerichtet und den Stuhl nach hinten geschoben. Sein Blick verriet, dass er die Erkundigung noch wahrgenommen hatte; sein durch nichts aufzuhaltender Aufbruch in die Madrider Nacht wiederum, dass er nicht gewillt war, seine berufliche Perspektive zu diskutieren. Nicht hier, nicht jetzt, so angefüllt wie er noch war von der 0:1-Niederlage gegen den FC Sevilla.
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Auch als er, am Sonntag um kurz vor vier Uhr morgens, im Kreise seiner Familienangehörigen im Restaurant Asador Donostiarra im Norden Madrids eintraf, um mit seiner Mannschaft ein verspätetes Mahl einzunehmen, ließen sein in sich gekehrter Gestus, seine Niedergeschlagenheit, seine Müdigkeit nur einen Schluss zu: dass ihm der Sinn nicht nach Auskünften stand. So sagte Getafes Präsident Angel Torres denn auch am Sonntagmittag: "Es gibt keinen neuen Stand." Real solle endlich klären, was es eigentlich wolle, dann werde man alles sacken lassen und dann mal sehen, was denn so werde aus Getafe und seinem verehrten Bernardo.
Vermutlich klärt sich das bereits am Montagabend, dann tagt in Madrid das Präsidium Reals unter Vorsitz von Ramón Calderón. Zu den heikelsten Tagesordnungspunkten dürfte die Frage zählen, wer die wenig vergnügliche Aufgabe übernimmt, den seit Tagen grollenden Trainer Fabio Capello davon zu unterrichten, dass er trotz laufenden Vertrags und frisch gewonnener Meisterschaft wieder gehen darf. Sogar Pedja Mijatovic soll jetzt von Capello abgerückt sein, bis vor wenigen Tagen galt der um Macht und Einfluss ringende Sportdirektor als letzte Stütze des Italieners.
Angeblich wird Mijatovic - mehr pro forma und zur Gesichtswahrung - dem Präsidium die Verpflichtung des Dänen Michael Laudrup vorschlagen, in dessen Werdegang Parallelen zu Schuster zu finden sind: Ähnlich wie der Augsburger, so verließ auch der Däne zu seiner aktiven Zeit den FC Barcelona, um als Überläufer das Spiel bei Real Madrid zu machen, und wie der Deutsche gilt auch Laudrup als Verfechter eines offensiven Fußballs, den der Anhang bei Real Madrid so gerne sieht. Präsident Calderón jedoch hat sich, wie Eingeweihte wissen, schon lange auf Bernd Schuster festgelegt.
Dass ihm der erste Titel als Trainer versagt geblieben war, nagte sichtlich an Schuster. Was ist schon eine Finalteilnahme nebst Uefa-Cup-Qualifikation mit Getafe, verglichen mit dem Königspokal? Natürlich konnte Schuster nicht daran vorbei, den Schiedsrichter zu beschuldigen, dessen Leistung wirklich bodenlos gewesen war: "Nun verstehe ich, warum Sevillas Präsident vor ein paar Tagen gesagt hatte, man würde das Finale so oder so gewinnen ...", fauchte Schuster. Der ursprünglich vorgesehene Referee, Eduardo Iturralde Gonzalez, war wenige Tage vor dem Finale auf Betreiben von Sevilla abgesetzt worden, und der neue, Julian Rodríguez Santiago, hatte vor der Pause einen klaren Elfmeter für Getafe übersehen. Dass aber der nicht gegebene Elfmeter ein gewichtiger, aber eben doch nur ein Faktor war, wusste auch Schuster. Spielentscheidend waren die "vielen kleinen Details" namens Qualität, die Sevilla nicht nur dem bescheidenen Getafe, sondern so mancher Elf des Kontinents voraus hat.
Der Pokalsieg ist für Sevilla der vierte Titel in 13 Monaten
Gleich zu Beginn der Partie war dies zum Tragen gekommen, exemplarisch gebündelt in einer Zeitspanne von kaum mehr als 200 Sekunden. Als Getafes Stürmer Dani Güiza einsam auf Sevillas Torwart Palop (7.) zustürzte, zitterten ihm die Knie so sehr, dass der Keeper ihm den Ball vom Fuß pflückte. Drei Minuten später führte Sevillas (später wegen Tätlichkeit vom Platz gestellter) Stürmer Kanouté vor, wie man es macht. An der Mittellinie entwendete er Abwehrspieler Pulido den Ball, stand ebenfalls allein vorm gegnerischen Torwart - und traf.
Für Sevilla war dieser Treffer nicht nur gleichbedeutend mit dem vierten Pokalsieg der Klubgeschichte, sondern auch mit der vierten Trophäe der letzten 13 Monate: 2006 gewannen sie den Uefa-Cup gegen Middlesbrough und den Supercup gegen den FC Barcelona; 2007 verteidigten sie den Uefa-Cup gegen Espanyol und holten nun auch den Pokal beim Bourbonenkönig Juan Carlos auf der Ehrentribüne ab.
"Dies ist eins der besten Teams der Geschichte des spanischen Fußballs", erklärte José María del Nido, und aus dem Munde des großspurigen Präsidenten des FC Sevilla war das eine eher nüchterne Schwärmerei. Denn der hält sich allen Ernstes für den zweitwichtigsten Menschen nach dem Papst.
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