Ronaldos Wechsel Das Heulen bei Real Madrid

Wer soll Cristiano Ronaldo bei Real Madrid ersetzen?

(Foto: AFP)
  • Madrid trauert dem zu Juventus Turin gewechselten Cristiano Ronaldo hinterher und fürchtet eine titellose Zeit.
  • Als Nachfolge-Kandidaten gehandelt werden Neymar, Kylian Mbappé, Harry Kane und Eden Hazard.
  • Auch eine interne Lösung gilt als denkbar.
Von Javier Cáceres

Am Mittwoch brachten sich die Witwen und Klageweiber in Position, die Cristiano Ronaldo, 33, in Madrid zurückgelassen hat. Und sie vergossen mehr Tränen, schluchzten heftiger, als sie es je getan haben.

"Er geht von uns", schrieb etwa Tomás Roncero, Kolumnist der Zeitung As, "der Albtraum in Vollendung" sei nun Realität, er halte nur schwerlich die Tränen zurück, während er seine Trauer zu Papier bringe. Und Marca fragte sich, wie sehr wohl Real Madrid bereuen wird, den Mann an Juventus Turin verkauft zu haben, der 451 Tore für Real Madrid schoss, die Vorherrschaft des FC Barcelona von Pep Guardiola beerdigte, 16 Titel gewann, darunter vier Mal die Champions League. Denn es grassiert die Furcht. Nachdem Real Mitte der 60er Jahre Alfredo Di Stéfano rauswarf, mit dem man die ersten fünf Henkeltöpfe gewonnen hatte, holte Spaniens Rekordmeister in den 34 Folgejahren nur noch einen (1966). Droht nun wieder eine Dürre?

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Derlei lässt sich nicht verlässlich sagen, wohl aber dies: Es gibt auf dem ganzen Fußballmarkt zurzeit kaum einen Spieler, der wie Ronaldo 40, 50 Tore im Jahr garantiert. "Was tun?" lautet die Frage, die nun auf Madrid lastet, was auch daran liegt, dass bei Real Madrid nicht erst seit Dienstag, als Ronaldos Wechsel nach Italien bestätigt wurde, die Erde bebt wie nie zuvor. Obwohl am Mittwoch erst 46 Tage vergangen waren, seit Real seinen dreizehnten Champions-League-Titel gewann.

Neymar? Mbappé? Kompliziert würde ein Transfer so oder so

Was bisher geschah: Der aus diversen Gründen schmollende Ronaldo deutete nach dem Finalsieg von Kiew gegen den FC Liverpool seinen Abschied an ("Es war sehr schön, bei Real gespielt zu haben"); Trainer Zinédine Zidane trat zurück; Vereinschef Florentino Pérez verpflichtete Spaniens Nationaltrainer Julen Lopetegui, der vom Verband wegen Illoyalität umgehend - zwei Tage vor dem WM-Auftaktspiel der Spanier - entlassen wurde. Und nun also ist Ronaldos Abschied tatsächlich perfekt, weil das seit Jahren angespannte Verhältnis zu Pérez so zerrüttet war, dass die Schmeicheleien, die zwischen Klub und Stürmer per Kommuniqué ausgetauscht wurden, heuchlerisch wirkten.

Verschlimmert hatte sich das Verhältnis zuletzt, weil Klubchef Pérez auf offener Bühne um den Brasilianer Neymar Jr., 26, von Paris St. Germain warb. "Jeder weiß, dass ich ihn verpflichten wollte", sagte er vor Monaten, "bei Real Madrid hätte er größere Chancen, Weltfußballer zu werden." Ronaldo, der so etwas ist wie das fußballerische Äquivalent zur Königin aus Grimms Märchen Schneewittchen ("Spieglein, Spieglein an der Wand. . ."), bekam einen Eifersuchtsanfall. Zumal Neymar und Messi auch doppelt so viel Geld verdienten wie er - fast 50 Millionen Euro netto.

Auch deshalb richten sich nun bei der Frage, wie es bei Real weitergeht, die Augen auf den Brasilianer. Neymar gilt als schillernde Figur und noch am ehesten als der Profi, der das Vakuum auffüllen könnte, das durch Ronaldos Abschied an der Marketingfront entstanden ist. Er garantiert den Abverkauf von Trikots, sorgt für attraktive Sponsorenverträge. Aber: Neymar ist erst 2017 für 222 Millionen Euro nach Paris gewechselt, sein Vertrag (bis 2022) enthält keine Ausstiegsklausel, und PSG gehört dem Fürstentum Katar, das eher zu viel als zu wenig Geld hat.

Das verkompliziert auch die mögliche Verpflichtung des Spielers, der in (nicht repräsentativen) Online-Umfragen der Madrider Sportzeitungen in der Gunst der Real-Fans weit vor Neymar liegt: von Kylian Mbappé, der mit seinen 19 Jahren schon mit Ronaldo (dem Brasilianer) und dem jungen Pelé verglichen wird. Nach der WM wäre es womöglich einfacher, Neymar als Mbappé zu holen, zumal sich die beiden angeblich nicht verstehen. Aber: Dafür müsste der Brasilianer bei PSG schon offen rebellieren. Ob Neymar nach der enttäuschenden WM, die ihn viel Ansehen kostete, so weit gehen wollen würde, ist offen.