Real Madrid Cristiano Ronaldo ist sich selbst der Größte

Cristiano Ronaldo (li.): Fühlt sich mal wieder missverstanden

(Foto: Getty Images)
Von Oliver Meiler

Wenn Fußballer ihre Contenance verlieren, öffnen sich manchmal tiefe Einblicke in die Herzen dieser übermäßig hochgelobten Heroen der Neuzeit, ganz frei von den üblichen Floskeln. Oft passiert das gleich im Anschluss an ein verlorenes Spiel, beim Platzinterview mit rauchendem Trikot und Grashalmen im Gesicht, wenn das Adrenalin noch pumpt. Seltener kommt es in der sogenannten Mixed Zone des Stadions vor, wo sich die Spieler geduscht den Reportern präsentieren, einer nach dem andern, fein gescheitelt und nicht selten dandyhaft lächelnd, mit dem Kulturbeutel eines französischen Modelabels unter dem Arm. Da sind sie normalerweise schon wieder im kontrollierten, langweiligen Modus.

Als sich Cristiano Ronaldo von Real Madrid nach dem Derby gegen Atlético Madrid in der Mixed Zone des Santiago Bernabéu zeigte, wurde bald klar, dass die Dusche diesmal nicht gereicht hatte für eine Kühlung des Gemüts. 0:1 hatte man verloren, war nach einer betrüblich sterilen Vorstellung ausgepfiffen worden von den eigenen Fans, wieder mal. Und er, CR7, hatte wieder nicht getroffen gegen einen großen Gegner, war wieder nicht entscheidend gewesen, als es zählte. Wie zuletzt so oft schon.

Die Meisterschaft ist damit wohl endgültig gelaufen, Reals Rückstand als Dritter auf den Tabellenführer Barça ist unerfreulich groß geworden. Und so setzte Cristiano Ronaldo zu einer langen Klagerede an, sieben Minuten insgesamt, die sich in manchen Madrider Ohren schon wie eine Abschiedsrede anhörte. Fair wäre natürlich, wenn hier nun die gesamte Tirade folgen würde. Doch einige Auszüge daraus sollten reichen.

"Mich ärgert es", sagte der Portugiese, "dass es immer heißt, Real Madrid sei schwächer geworden, weil Ronaldo schwächer geworden sei: Wenn alle auf meinem Niveau wären, dann würden wir wahrscheinlich an der Tabellenspitze stehen." Er wolle ja niemandem zu nahe treten und behaupten, dass die, die gespielt hätten im Derby, ihre Sache nicht gut gemacht hätten: "Danilo war für mich der Beste von uns allen." Und dann: "Doch ich möchte mit Pepe, Marcelo, Bale und Benzema spielen."

Ohne die Besten, von denen einige verletzt gefehlt hatten, sei es schwierig zu gewinnen. Und dann: "Ich sage ja nicht, dass Jesé, Lucas Vazquez und Kovacic nicht auf der Höhe sind, aber es gibt halt einen Grund, warum die Besten die Besten sind, und sie verhelfen dir zum Sieg." Benzema übrigens spielte sehr wohl, eine Stunde lang. Doch seine Darbietung war derart wirkungslos, dass sie nicht einmal seinem Sturmkollegen Ronaldo aufgefallen war.

Die Aufgabe des Anführers wäre es eigentlich, die Kleineren nicht noch kleiner zu machen.

Nun, ganz streng genommen hat Ronaldo natürlich recht: Die Besten sind die Besten, weil sie eben die Besten sind. Nur sollten die Besten nicht ständig sagen müssen, dass sie die Besten sind, sonst könnte man daran zweifeln. Vor allem aber: Sollte der Beste nicht die Größe haben, die Kleineren nicht noch kleiner zu machen?