Die Bremer sind lange Zeit ein ebenbürtiger Gegner für Real Madrid und verlieren dennoch 1:2

"Real Madrid muss schön und erfolgreich spielen. Das ist der Auftrag", sagt Bernd Schuster, der neue Trainer der Madrilenen. Werder Bremen muss schauen, dass es erst mal halbwegs über die Runden kommt ohne Stammkräfte wie Frings, Borowski, Fritz oder Klasnic in der Gruppenphase der Champions League. Am Dienstag gelang das einigermaßen passabel, aber noch nicht gut genug: Bremen unterlag in Madrid zum Auftakt der Europacupsaison 1:2.

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Nicht glänzend, aber effektiv: Raul (r.) hat eine der ersten Chancen für real genutzt und feiert mit den Mitspielern Nistelrooy (l.) und Sneijder. (© Foto: AP)

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Wenigstens ist der Bundesligist vom Ausfall einer weiteren Führungskraft verschont geblieben, der am Abend vor dem Spiel nach der Landung in Madrid befürchtet worden war: Da hatte Per Mertesacker über heftige Übelkeit geklagt und war ärztlicher Obhut übergeben worden, er erholte sich aber über Nacht und konnte gegen Real antreten. An der Erquicklichkeit seines Schlafes ergaben sich allerdings leichte Zweifel bei seinem Rückpass in der 5. Minute, der ums Haar zu einer perfekten Vorlage für den Gegner geworden wäre. Da hatte Werder noch mal Glück und ebenso bei einem Freistoß zwei Minuten später (verursacht von Pasanen per Bodycheck an Higuain). Mertesacker hatte aber schon auch seine hellwachen Momente in dieser Auseinandersetzung, zum Beispiel als er mit allergrößter Kühle eine prima Chance van Nistelrooys vereitelte (38.).

Man wusste genug voneinander: Bernd Schuster (der in der Anfangsformation überraschend auf seinen Starspieler Robinho verzichtete, ihn erst ab der 69. Minute mitspielen ließ), dass Diego der Kopf der Bremer Mannschaft ist, ,,den müssen wir bremsen, den kann man nicht frei rumlaufen lassen.'' Der kam auch erst mal selten dazu, frei rumzulaufen auf dem Spielfeld des Bernabéu-Stadions. Dessen Aufgabe ist schwer genug, da er ziemlich alleine für die kreative Ausgestaltung von Werders Spiel zuständig ist. Thomas Schaaf wiederum wusste vom Gegner: ,,Real hat eine bemerkenswerte Offensive. Wenn man die gewähren lässt, wird es schwierig.''

Man kann die Combo um die Herren Raúl, Guti, Sneijder, van Nistelrooy aber auch nicht ständig unter Kontrolle halten. Für van Nistelrooy ergaben sich die ersten Torgelegenheiten des Spiels: Einmal per Direktschuss von draußen (28.), einmal aus der Nahdistanz (33.). Viel effektiver hatte er aber als Vorbereiter gearbeitet, der den Ball von links ins Angriffszentrum hebelte. Raúl kam angerauscht, kam zu einem präzisen Kopfball, Torwart Tim Wiese war ohne Chance, und Real führte 1:0 (16.).

Man müsse den Gegner auch mal ,,in Not bringen'', unter Druck setzen, hatte Diego gefordert, ,,wichtig ist, dass wir mutig sind'', pflichtete Werders Manager Klaus Allofs bei. Auch selber mal was wagen, obwohl nicht in Bestbesetzung: So was wird zuweilen belohnt, und am Dienstagabend stellte sich der Lohn bereits 93 Sekunden nach dem Rückschlag ein. Reals Torwart Iker Casillas verschätzte sich bei einer Flanke von Dusko Tosic, Nationalspieler Christoph Metzelder wirkte einigermaßen hölzern, kam jedenfalls zu spät, um Boubacar Sanogo an Annahme und Verwertung der Vorlage zu hindern, und fürs erste herrschte wieder Gleichstand zwischen den Kontrahenten.

Mutig bleiben, sich nicht zu weit, zu sehr in die Defensive drücken lassen, lautete weiter die Forderung von Manager Klaus Allofs. Sein Personal befolgte diese Direktive so gut wie möglich. Sein Rezept lautete: ,,Entscheidend ist, dass wir den Gegner auch mal in Not bringen.'' Bernd Schuster hat zusehends energischer gestikuliert, denn einen direkten Ausbund an attraktivem Fußball bot seine Mannschaft nicht mehr, hatte diesen Teil des Auftrags glatt verfehlt.

Werder war weitgehend gleichwertig, kam nach knapp einer Stunde Spielzeit sogar zur bis dahin besten Möglichkeit nach der Pause. Natürlich durch Diego, der den Ball bis in den Strafraum transportierte und um drei Kontrahenten herum auch noch einen Abnehmer fand. Doch Vranjes traf das Spielgerät nur unvollkommen. Wiese war stark unterbeschäftigt, aber auf dem Posten, als ihn Rául per Heber überraschen wollte (68.). Womöglich zeigte Schusters gestischer Einsatz späte Wirkung, denn von nun an legten die Madrilenen ihre aufreizende Lethargie ab, beraubten die Bremer fast jeder Möglichkeit zu Entfaltung und Befreiung und düpierten sie mit einem ihrer typischen Treffer, gedankenschnell eingeleitet und vollzogen, nur andersherum als beim ersten Tor - so wie es eigentlich vorgesehen ist: Diesmal passte Raúl, und van Nistelrooy war Vollstrecker des 2:1 (74.).

Werders Ziel sei es, ,,so viele Punkte wie möglich zu holen, und in Madrid wollen wir damit anfangen'' hatte Diego angekündigt. Der Plan ging nicht auf.

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(SZ vom 19.9.2007)