Die Fußballwelt ist sich weitgehend einig: Mag Rudi Völler mit seiner Kritik an der Kritik auch im Ton daneben gelegen haben, in der Sache hatte er Recht, meinen Kollegen, Weggefährten und auch der "Kaiser".

Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat Teamchef Rudi Völler trotz dessen verbalen Rundumschlags nach dem 0:0 im EM-Qualifikationsspiel in Island in Schutz genommen. "Ich habe dafür Verständnis, weil es langsam ein munteres Gesellschaftsspielchen geworden ist, gar nichts Gutes mehr an der Nationalmannschaft zu lassen", sagte er. Die DFB-Führung stehe aber hinter ihm.

Völler im ARD-Interview. (© Foto: dpa/ARD)

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Für Reiner Calmund, der Völler aus gemeinsamen Tagen bei Bayer Leverkusen kennt und sich selbst als väterlichen Freund betrachtet, ist der Ausraster jedenfalls keinesfalls überraschend: "Rudi ist wie eine Herdplatte verstellbar. Wenn ihm irgendwas gegen den Strich geht, kann er richtig durchdrehen. Das geht von Kontra, über aggressiv bis Volljähzorn. Dann kann auch mal ein Schreibtisch umkippen oder ein Glas zu Bruch gehen", berichtete der Bayer-Manager im Kölner Express.

Und auch für DFB-Trainer Michael Skibbe, Völlers engsten Mitarbeiter im Trainerstab, kommt der Ausbruch nicht von ungefähr: "Das ist Rudi Völler. Er ist impulsiv und kann Dinge dann auch genau ansprechen", meinte der Assistent im WDR-Fernsehen.

Schon vor der blamablen Nullnummer gegen Island wirkte Völler äußerlich angespannt wie lange nicht. Nach dem Spiel drohte er bei seiner Tirade gegen die Kritiker sogar mit Rücktritt, was er allerdings später wieder zurücknahm. Als wenigstens einigermaßen gesichert gilt derzeit wohl nur: Sollte die deutsche Mannschaft die EM-Qualifikation nicht schaffen, würde Völler wohl umgehend seinen Rücktritt erklären.

"Ich kann das nachempfinden, weil ich selber als Teamchef oft genug zurückgekeilt habe, wenn es eng wurde. Du reagierst wie eine Glucke, die ihre Jungen beschützen muss. Besonders, wenn du selber spürst, dass die Kritik im Kern berechtigt ist", schrieb Franz Beckenbauer in seiner Bild-Kolumne, obwohl der Weltmeister-Coach von 1990 selbst von seinem ehemaligen Schützling Völler für die überzogene Kritik an der Nationalmannschaft in den Medien gescholten wurde.

Ähnlich wie der "Kaiser" sieht es Ex-Bundestrainer Berti Vogts, als schottischer Teammanager am Mittwoch (20.45 Uhr/live in der ARD) in Dortmund nächster Gegner der Völler-Truppe in der EM-Qualifikation. "Ich habe volles Verständnis für Rudi Völler. Ich kenne das Gefühl, wenn man öffentlich als Depp hingestellt wird", sagte der ehemalige Cheftrainer des DFB im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC Berlin, konnte die Völler-Eruption nachvollziehen: "Ich kann den Rudi total verstehen, dass er die deutlichen Worte gewählt hat. Natürlich haben wir ein besseres Spiel von der deutschen Mannschaft erwartet, aber die Isländer sind keine Feierabend-Fußballer mehr. Wir müssen uns langsam verdeutlichen, dass die Kleinen aufgeholt haben."

Weltmeister Bernd Hölzenbein ergänzte: "Ich bin der Meinung, dass der Rudi ruhig mal was raushauen darf. Ich finde das nicht schlimm, sondern nur menschlich. Dieser Ausbruch macht ihn einfach noch sympathischer, obwohl das ja eigentlich kaum noch geht."

Lediglich Wolfgang Overath, als Aktiver der große Rivale von ARD-Experte Günter Netzer, dem Völler "Stand-Fußball" attestiert hatte, fand auch kritische Worte für den Teamchef. "Völler geht zu weit mit seiner Kritik an Netzer und Co. Es stimmt nicht, dass früher nur Stand-Fußball gespielt wurde. Da fühlt man sich persönlich angegriffen, das kann man nicht so stehen lassen", sagte Kölns Fußball-Ikone im Express.

(sueddeutsche.de/dpa/sid)

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