Reaktionen auf elektronischen Tor-Entscheid "Kosten werden die Vereine übernehmen müssen"

DFB und DFL begrüßen zwar die Einführung von Torkamera und Chip im Ball, warnen jedoch vor einer verfrühten Umsetzung. Klub-Vertreter fürchten gar, dass die Vereine auf den Kosten sitzenbleiben - Uli Hoeneß fordert eine Beschränkung auf die oberen Ligen. Nur die Schiedsrichter jubeln: Weil endlich Druck von ihnen genommen wird.

Stimmen zur Torlinien-Technologie

Jahrelang wurde diskutiert, ob Technologie Einzug in den Weltfußball erhalten soll oder nicht. Nun hat sich die Fifa durchgerungen, den elektrischen Tor-Beweis schrittweise einzuführen. Nicht alle sind uneingeschränkt glücklich damit: DFB und DFL warnen vor einer verfrühten Umsetzung, Hannover-96-Präsident Martin Kind befürchtet gar, die Klubs müssten letztlich die Kosten selbst tragen. Alle Reaktionen Im Überblick.

"Schnellschüsse in der Umsetzung darf es nicht geben": DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

(Foto: dpa)

[] Joseph Blatter, Fifa-Präsident: "Es ist ein absolut historischer Tag, für den Fußball und alle Fans. Es gibt keine Pflicht, aber für uns war es ein Muss. Der Fußball wird sein menschliches Gesicht behalten. Da kann ich meinen Freund Michel Platini beruhigen. Außerhalb der Tortechnologie braucht man die Kameras beim Fußball nur für die TV-Bilder."

[] Jérôme Valcke, Fifa-Generalsekretär: "Es ist der Anfang eines neuen Zeitalters im Fußball. Es wurde jahrelang diskutiert. Nun haben wir eine klare Richtlinie. Wir haben die Garantie, dass die Techniken tauglich sind."

[] Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident: "Aus Sicht des DFB ist es ein Schritt in die richtige Richtung, aber Schnellschüsse in der Umsetzung darf es nicht geben. Zur neuen Saison ist eine Einführung absolut unmöglich. Es ist der richtige Weg, den Einsatz der Technik zunächst auf die großen Fifa-Turniere zu konzentrieren."

[] Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern: "Wenn das funktioniert, bin ich dafür. Es ist die einzige technische Neuerung, die ich akzeptiere. Ich bin total gegen technische Hilfsmittel bei Abseits- oder Elfmeterentscheidungen. Ich würde die Technik nur in der Bundesliga oder Champions League einsetzen. Eine Einführung in der C-Klasse halte ich für schwachsinnig."

[] Jupp Heynckes, Trainer des FC Bayern: "Das ist eine gute Entscheidung und sie war längst fällig. Ich hoffe, dass dem Profi-Fußball künftig so manche Fehlentscheidung erspart bleibt. Ganz wichtig ist auch, dass unsere Schiedsrichter eine Hilfe bekommen und ihre schwierige Aufgabe damit etwas erleichtert wird."

[] Reinhard Rauball, DFL-Präsident: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, der längst überfällig war. Eine Einführung in der Bundesliga zur neuen Saison halte ich aber für absolut ausgeschlossen. Ich kann mir das frühestens zur Saison 2013/2014 vorstellen. Und man muss sehen, was das für die unteren Ligen bedeutet. Denn in Wimbledon ist es ja auch so, dass die Hawkeye-Technologie auch nur auf den Plätzen 1 und 2 genutzt wird. Wenn man auf Platz drei spielt, hat man keine Chance, die Entscheidungen zu korrigieren."

[] Martin Kind, Präsident von Hannover 96: "Die Anschaffungskosten werden letztlich die Vereine übernehmen müssen. Alles andere halte ich für unrealistisch."

[] Horst Held, Sportdirektor von Schalke 04: "Die Schiedsrichter sind doch die Ärmsten in einer solchen Situation. Heutzutage gibt es Fernsehen und eine Zeitlupe. Der Zuschauer am Fernsehen kann innerhalb kürzester Zeit erkennen: Tor oder nicht Tor. Nur die fünf Schiedsrichter haben nicht die Möglichkeit. Wie will der Herr Platini der Ukraine das im Nachgang erklären? Pech gehabt? Das ist nicht mehr zu akzeptieren."

[] Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund: "Wenn ein Spieler ein Tor schießt, finde ich es ganz praktisch, wenn es dann auch gilt."

[] Herbert Fandel, deutscher Schiedsrichter-Chef: "Ich finde die Entscheidung prima. Das wird einen enormen Druck von den Schiedsrichtern nehmen. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass die technische Hilfe bei der Entscheidung über ein Tor ein Gewinn für den Fußball ist."

[] Hellmut Krug, Berater der Deutschen Fußball Liga (DFL): "Wir sind als Schiedsrichter alle sehr froh über die Entscheidung. Es kann ja nicht sein, dass mehr Tore fallen als gegeben werden oder Tore gegeben werden, die keine sind. Vor allem wird mit der Technik ein großer Druck von den Schiedsrichtern und den Assistenten genommen, weil Entscheidungen Tor oder nicht Tor mit menschlichem Auge manchmal nicht zu treffen sind."

[] Knut Kircher, Bundesliga-Referee: "Der Druck auf die Schiedsrichter ist unmenschlich hoch. Wenn es also eine Technik gibt, die helfen kann, dann soll man sie auch einsetzen."