Reaktion auf Rassismus Dani Alves beißt zu

Jubel an einem traurigen Tag: Barcelonas Dani Alves (hinten) herzt Mitspieler Javier Mascherano.

(Foto: dpa)

Barcelona trauert um den verstorbenen Trainer Vilanova und muss nebenbei um die Meisterschaft kämpfen. Im Spiel gegen Villarreal wird Dani Alves mit einer Banane beworfen. Seine Reaktion auf den Rassismus: gewitzt, wie es die Fußballwelt noch nicht gesehen hat.

Von Thomas Hummel

Gerardo "Tata" Martino, der aktuelle Trainer des FC Barcelona, hatte nach dieser Partie wenig Lust auf eine Spielanalyse. "Es ist eine traurige Woche für Barcelona und die Fußballwelt. Heute über Fußball zu sprechen, ist fehl am Platz. Ich möchte der Familie von Tito eine Umarmung schicken."

Das erste Spiel nach dem Tod von Francesc "Tito" Vilanova, Vorgänger von Martino und als Assistent von Pep Guardiola Begründer der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des FC Barcelona fand in Villarreal statt und begann natürlich mit einer Schweigeminute. Selbst die Spieler des gegnerischen Club de Fútbol trugen ein Hemd mit der katalanischen Aufschrift "Per sempre Tito" - für immer Tito.

Vilanova war am Freitagabend im Alter von 45 Jahren nach einem Krebsleiden gestorben. Barcelona trauerte. Allein am Samstag kondolierten 21 000 Menschen an einem spontan errichteten Altar im Stadion Camp Nou, darunter die gesamte Mannschaft des FC Barcelona. Auf allen Fußballplätzen in Katalonien, auch in den untersten Ligen, gab es eine Schweigeminute, La Vanguardia, die größte Zeitung der Stadt, widmete ihren Leitartikel, der sonst nur politische und wirtschaftliche Belange behandelt, dem "Modell Tito Vilanova". Geehrt wurde da nicht nur der frühere Fußballer und Trainer, sondern auch der Arbeiter, der Kämpfer, der Katalane.

Das Spiel in der Primera División in der Kleinstadt Villarreal geriet vor diesem Hintergrund zu einem schwierigen Unterfangen für Verein und Spieler. Doch der Fußball veranschaulichte darin auch seine unbändige Kraft, im Hier und Jetzt neue Geschichten zu schreiben. Wird angepfiffen, spielt das Leben, es geht eben weiter, immer weiter.

Barcelona lag während der zweiten Halbzeit 0:2 zurück, die letzte kleine Chance auf die Meisterschaft schien dahin. Doch dann schossen die Gastgeber zwei Eigentore und Lionel Messi erzielte sieben Minuten vor Schluss das 3:2 - Gruß in den Himmel inklusive.

Noch mehr hallte eine Szene in der 76. Minute nach. Es gab Eckball für Barcelona, Dani Alves schritt zur Ausführung, da warf ein Zuschauer nach alter rassistischer Sitte eine Banane in Richtung des dunkelhäutigen Brasilianers. Der Rechtsverteidiger hob die Banane auf, schälte sie, biss ab und trat mit vollem Mund den Ball in den Strafraum.

Eine solch gewitzte Reaktion auf den Unsinn der Rassisten im Stadion hat die Fußballwelt noch nicht gesehen. "Ich spiele jetzt seit elf Jahren in Spanien, und seit elf Jahren ist es immer das Gleiche. Wir werden es nicht ändern, daher muss man Witze darüber machen. Man kann über diese zurückgebliebenen Leute nur lachen", sagte Dani Alves. Auf Twitter schrieb er: "Mein Vater sagte immer: Sohn, iss Bananen, das verhindert Krämpfe, wie haben sie es nur erraten? Hahaha." Mitspieler Neymar zeigte sich mit seinem Sohn und dem Hashtag #somostodosmacacos (wir sind alle Affen). Der Klub aus Villarreal entschuldigte sich umgehend für seinen "Fan".