RB Leipzig in der Champions League "Vor allem gegen die Atmosphäre verloren"

Auch die Ohrenstöpsel halfen nichts: Timo Werner musste in Istanbul nach 32 Minuten ausgewechselt werden - wegen Atemproblemen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)
Von Javier Cáceres

Am Mittwochvormittag war die Leipziger Champions-League-Expedition wieder auf dem Weg zurück in die Heimat, mit einer bitteren Erfahrung sowie einem Rätsel im Gepäck. Die bittere Erfahrung war der 0:2-Niederlage bei Besiktas Istanbul geschuldet; "wir haben brutales Lehrgeld bezahlt", stöhnte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl. Das Rätsel wiederum kreiste um Timo Werner, 21. Am Mittwochnachmittag, nach Ankunft im Trainingszentrum in Leipzig, sollte der Nationalmannschaftsstürmer von den RB-Ärzten in Ruhe durchleuchtet werden, denn in Istanbul hatte er sich nach lediglich 32 Minuten auswechseln lassen müssen.

Noch während der Partie war der reichlich vage Begriff "Kreislaufprobleme" kolportiert worden; RB-Sprecher Benjamin Ippoliti präzisierte am Mittwoch, dass Werner "Schwierigkeiten hatte, zu atmen". Das sprach gegen eine Spekulation, die vor allem in englischen Medien um sich griff: dass die Auswechslung im Zusammenhang mit dem Radau im Stadion stand.

Anlass dafür boten ebenso kuriose wie weitgehend beispiellose Bilder, die am Rande der Partie entstanden. Zu sehen war, dass sich Timo Werner vor seiner Auswechslung Ohrstöpsel hatte reichen lassen, die er wenig später wegwarf. Zudem zirkulierte im Internet ein offenkundig von einem Fan aufgenommenes Video, das den Gedanken nahelegt, Werner sei regelrecht verzweifelt gewesen, als er das Pfeifkonzert von den Rängen hörte. Er hielt sich die Hände an den Kopf, senkte selbigen und wirkte insgesamt nervöser als eine Gans zur Adventszeit. Ob das mit seinen Atemproblemen in Zusammenhang stand, vermochte Ralph Hasenhüttl nicht zu sagen, "ich bin kein Arzt".

Hasenhüttl geht mit sich, aber auch mit Naby Keita hart ins Gericht

In jedem Fall war Timo Werner bis zum Istanbul-Ausflug der einzige RB-Profi, der in allen Saisonspielen mitgewirkt hatte. Stress durch Überlastung? Hypersensibilität durch Anspannung? Wer weiß. Außer Frage stand jedenfalls, dass die Kakofonie von den Rängen tatsächlich bestialisch war. Die Anhänger von Besiktas bestätigten ihren Ruf, zu einem akustischen Inferno fähig zu sein. Vor einigen Jahren fabrizierten sie einen Geräuschpegel von 141 Dezibel, der Eingang fand in das Guinnessbuch der Rekorde. Und das war im alten Stadion, das nicht geschlossen überdacht ist wie die aktuelle Arena.

Auch vor diesem Hintergrund räumte Hasenhüttl zweierlei ein: dass sein Team "vor allem gegen die Atmosphäre verloren" habe, und dass diese "für den einen oder anderen zu viel" war. Gerade einmal drei Spieler aus dem Kader hatten vor der Saison schon einmal Champions-League-Spiele bestreiten können: Emil Forsberg, Kevin Kampl und Jean-Kévin Augustin. Der Abend von Istanbul sei überaus lehrreich gewesen, sagte Hasenhüttl.

Er wisse nun, auf wen er sich in solchen Momenten verlassen könne, "wer steht trotzdem seinen Mann und ist bereit, sich dagegen zu wehren, was da auf dem Feld abgeht". Hasenhüttl ging mit sich, aber auch mit Naby Keita hart ins Gericht, der in Istanbul nicht nur enttäuschte, sondern sich auch rasch eine gelbe Karte einhandelte und Glück hatte, nicht früh vom Platz geflogen zu sein. "Naby war nicht gut, er war nicht da. Dementsprechend war es kein guter Zug, ihn hier zu bringen", erklärte der Coach nach dem 0:2, das durch die überaus einfach herausgespielten Tore des früheren Hoffenheimers Ryan Babel (11.

) und des Brasilianers Talisca (43.) zustande kam. Erst nach Beginn der zweiten Halbzeit lösten sich die Beklemmungen der Leipziger. Sie kamen zu Chancen, wurden aber in ihrem Spielfluss jäh unterbrochen. Nach einer Stunde war es in der Hölle von Istanbul nicht nur laut, sondern auch noch finster: Das Flutlicht setzte aus. "In der Phase, in der wir den Gegner unter Druck hatten, fällt das Licht aus. Ein Schelm, der Böses dabei denkt ...", sagte Hasenhüttl laut Nachrichtenagentur dpa. Nun steht Leipzig schon nach den ersten beiden Champions-League-Spielen der Klubhistorie unter Druck. Entweder RB punktet gegen Porto, oder der Auftritt in der Champions League ist nach der Vorrunde vorbei. "Wir wissen, woran es fehlt, wir werden daran arbeiten und anders zurückkommen", sagte Hasenhüttl.

Das große Kribbeln beim FC Bayern

Der FC Bayern steht gegen Paris Saint-Germain vor einer Partie, die Stimmungsaufheller oder Stimmungskiller werden dürfte. Trainer Ancelotti gibt sich nüchtern - und wirkt dennoch angespannt. Von Saskia Aleythe mehr...