RB Leipzig Die Mama hat's gewusst

Volley abgestaubt: Abwehrspieler Dayot Upamecano erzielt im 30. Einsatz für Leipzig sein erstes Bundesliga-Tor – das 1:0 gegen Augsburg.

(Foto: Robert Michael/AFP)

Innenverteidiger Dayot Upamecano feiert sein erstes Tor für Leipzig - und wird anschließend von Trainer Hasenhüttl geneckt.

Von Javier Cáceres

Der erste Weg nach seinem ersten Tor führte den Leipziger Innenverteidiger Dayot Upamecano, 19, zur Bank. Der französische Nachwuchsnationalspieler wusste, bei wem er sich bedanken wollte, und der Mann, der ihn auf dem Rasen nur allzu gerne umarmte, war von seinem Sitz in die Höhe geschnellt: Babcar N'Diaye, der sich bei RB als Spielerbetreuer vor allem um die frankophonen Spieler kümmert und ihnen auch mal gut zuredet.

"Er hatte mir vor dem Spiel gesagt, dass ich ein Tor schießen würde", verriet Upamecano nach dem Leipziger 2:0 am Freitag gegen den FC Augsburg. Den Treffer widmete er der Frau, die ihm am meisten bedeutet: "Das ist für meine Mama!" Auch sie habe ihm immer wieder gesagt, dass der Tag kommen würde, an dem ihm ein Tor gelingen werde.

In 29 Spielen hat Upamecano versucht, die Prophezeiung seiner Mutter wahr werden zu lassen, nun gelang es ihm in einer Partie, die mit zunehmender Dauer einseitig wurde. Yussuf Poulsen hatte per Seitfallzieher aufs Tor geschossen, Augsburgs Torwart Hitz hatte den Ball nur abklatschen können - und Upamecano schoss volley ein. Es war sein erstes Tor als Erstliga-Profi überhaupt, bei RB Salzburg hatte er keinen Treffer erzielen können, nur bei dessen Zulieferverein Liefering traf er mal.

Die stabilisierte Defensive hat für RB auch in Neapel Priorität

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl freute sich für den Franzosen, der trotz seiner Jugend mit großer Umsicht in der Abwehr agiert. Einen kleinen Seitenhieb aber wollte sich der Österreicher nicht verkneifen: "Ich sage immer: Er kann unglaublich viel. Nur nicht Tore schießen", sagte Hasenhüttl, nur halb im Spaß.

Innenverteidiger, so Hasenhüttl, messe er auch an ihrer Torgefährlichkeit, da sei bei Upamecano "nicht so viel zu sehen gewesen" in der Vergangenheit: "Ich bin da kritisch." Andererseits ist es Upamecanos Hauptaufgabe, das eigene Tor zu sichern. Und er hatte einen großen Anteil daran, dass Leipzig zum zweiten Mal nacheinander zu Null spielte - nach einer Serie von acht Partien, in denen der Tabellenzweite der vergangenen Saison immer Gegentore hinnehmen musste. Das lag gegen Augsburg auch an einer etwas veränderten taktischen Ausrichtung: "So tief haben wir in einem Heimspiel noch nie gestanden", betonte Hasenhüttl. Vor allem im Dezember war Leipzig für Konter und Tore aus Standardsituationen anfällig gewesen. "Wir haben viel gemacht in den letzen Wochen, damit wir den Laden hinten dicht bekommen", erklärte der Trainer. Gegen Augsburg wirkte es, als sei die Operation gelungen. Die Augsburger kamen kaum in die Lage, durchdachte Angriffe aufzubauen oder Chancen zu erspielen; je länger die Uhr voranschritt, desto stabiler standen die Gastgeber. Durch einen abgefälschten Freistoß des künftigen Liverpoolers Naby Keita fiel das 2:0 (70.).

"Wir haben das vermissen lassen, was uns die letzten Wochen stark gemacht hat. Das war nicht unser bestes Spiel, und daher geht die Niederlage absolut in Ordnung", sagte Augsburgs Kapitän Daniel Baier, der bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, dies aber stoisch ertrug, sich nicht versteckte, stetig den Ball forderte. Der Grund für die Pfiffe: In Leipzig hatte man noch nicht vergessen, dass Baier beim 1:0-Hinspielsieg Hasenhüttl mit einer obszönen Geste beleidigt hatte.

Was nun die Niederlage für die Ambitionen der immer noch gut platzierten Augsburger auf einen Startplatz in der Europa League bedeutet? "Da denken wir nicht drüber nach. Wir wollen nächstes Jahr wieder Bundesliga spielen. Da arbeiten wir weiter dran", sagte Trainer Manuel Baum. Für Leipzig hingegen ist Europa nicht Zukunft, sondern Gegenwart. An diesem Donnerstag reisen die Leipziger zum Europa-League-Duell mit dem SSC Neapel nach Italien. Dort soll auch Nationalstürmer Timo Werner treffen, der so verbissen um ein eigenes Tor kämpfte, als sei er nicht seit drei, sondern - wie Upamecano - seit 29 Spielen ohne Tor. Dass Werner haderte, registrierte Hasenhüttl mit Zufriedenheit: "Das ist das alte Stürmerleid: Wenn man kein Tor macht, ist man nicht zufrieden."

Doch für die kommenden Partien sei die Abwehr gefragt - speziell in Neapel. 90 Minuten ohne Gegentor am Vesuv wären eine gute Basis fürs Weiterkommen. "Der Schlüssel zum Erfolg wird sein, dass wir defensiv unsere Kompaktheit behalten", sagte Hasenhüttl: "Dass wir vorne immer unsere Tore machen können, wissen wir."