RB gegen Schalke Leipzig kämpft um Keita

Geherzt: Naby Keita nach seinem Tor.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Beim 3:1-Sieg der Leipziger gegen Schalke erzielt Naby Keita das 1:0 und ist einer der Aktivposten der Mannschaft.
  • Der FC Liverpool möchte den Mittelfeldspieler aber schon gerne in diesem Januar verpflichten.
  • Ralf Rangnick sagt, es gebe kein Angebot für einen Spieler von RB Leipzig.
Von Javier Cáceres, Leipzig

Am Samstag stand ein Spieler in der Startelf der Leipziger, der dem örtlichen Bundesligisten in der Vergangenheit große Dienste geleistet hat, seit einigen Tagen aber unter latentem Sabotage-Verdacht steht: der Mittelfeldspieler Naby Keita aus Guinea. Schon seit Monaten steht fest, dass er Leipzig verlassen wird, sein Anschlussvertrag beim FC Liverpool wurde noch vor Beginn der Saison unterschrieben. Ursprünglich sollte Keita im Sommer nach Nordengland wechseln, für eine Ablösesumme von 70 Millionen Euro. Seit einigen Tagen jedoch gilt als verbürgt, dass der FC Liverpool den Deal liebend gern in diesem Januar vollziehen würde, gegen Zahlung einer Zusatzgebühr im zweistelligen Millionenbereich.

Am Samstag, gegen den FC Schalke 04, war rasch klar: Keita will sich nichts zuschulden kommen lassen. Er war von Beginn an einer der Aktivposten der Leipziger Mannschaft. Am Ende trug er sich beim 3:1-Sieg gegen die Gelsenkirchener in die Torschützenliste ein - und legte damit den Grundstein dafür, dass Leipzig eine Serie von fünf Pflichtspielen ohne Sieg beenden und in der Tabelle am Hinrunden-Zweiten Schalke vorbeiziehen konnte. "Der Sieg für RB war hochverdient, weil wir den Gegner stark gemacht haben", gab Schalkes Trainer Domenico Tedesco unumwunden zu. "Wir haben uns sehr viele, zu viele Ballverluste erlaubt. Wir hatten einen ganz klaren Plan, an den wir uns nur in den seltensten Fällen gehalten haben."

Schalkes Naldo ist an allen vier Toren beteiligt - dreimal gegen das eigene Team

Das Kuriose an Leipzigs Erfolg: Keita begutachtete die entscheidenden Treffer von der Ersatzbank. Kurz nachdem der gelb-rot-gefährdete 22-Jährige ausgewechselt worden war (67.), legten seine Kollegen nach: Timo Werner, der während der Woche wegen einer Erkältung flachlag, vollendete zunächst einen traumhaften Angriff (69.), und danach legte der Schalke-Schreck für Bruma auf (71.). Es war der Schlusspunkt, die erste Liga-Niederlage der Gäste seit Ende September (1:2 in Hoffenheim).

Den Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 hatte Schalkes brasilianischer Abwehrchef Naldo besorgt (55.), der gleichwohl die tragische Figur der Partie war, denn er war auch an den drei Leipziger Toren beteiligt.

Das war schon beim 1:0 zu sehen. Denn genau genommen müsste man die kleinliche Diskussion führen, ob das Tor wirklich Keita zugeschrieben werden durfte. Sein Schuss aus der zweiten Reihe wurde von Naldo entscheidend abgefälscht, gegen den Lauf von Tormann Fährmann, der schon längst auf dem Weg in die rechte Ecke seines Tores war. Zu den kuriosen Begebenheiten des Treffers Keitas zählte, dass die Freude über seinen dritten Saisontreffer nicht so recht aus ihm herauswollte. Dafür aber nahm ihm das gesamte Leipziger Team in seine Mitte - ganz so, als wollte die Mannschaft dokumentieren, dass all die Tintenströme, die unter der Woche vergossen wurden und davon kündeten, dass die Leipziger die Extratouren des Guineers satt hatten, dementiert gehörten.

Fährmann pariert einen schwach getreten Elfmeter

Keitas Treffer durchbrach eine von Monotonie geprägte Partie. Sowohl die Leipziger wie auch die Schalker waren darum bemüht, den Gegner ins Verderben zu locken, beiden Mannschaften war zudem gemeinsam, dass sie die Pläne des jeweiligen Gegners vorab identifiziert hatten. Bei den Leipzigern kam erschwerend hinzu, dass sie ohne ihren verletzten schwedischen Spielmacher Emil Forsberg (Bauchmuskelverletzung) antreten mussten, so dass ihnen eine Spur Kreativität im Mittelfeld abging. Auch deshalb wirkten die Schalker mitunter konkreter in ihren Absichten, sie hatten auch die besseren Chancen. Stürmer Guido Burgstaller fand zwei Mal in Leipzigs Torwart Peter Gulacsi seinen Meister (8./28.); Alessandro Schöpf verzog aus der Distanz.

Erst danach kam Leipzig zu besseren Torgelegenheiten. Marcel Sabitzer prüfte Schalkes Torwart Ralf Fährmann (35.), anschließend kam der im Dezember heftig kritisierte Stürmer Jean-Kévin Augustin nach einem Foul von Benjamin Stambouli im Strafraum zu Fall. Augustin aber setzte den Elfmeter so schlecht an, dass Fährmann kaum Mühe hatte, den Ball abzuwehren. Die Scharte wetzte Keita aus - mit seinem Tor zum 1:0-Halbzeitstand.

Nach der Pause sorgte dann der Schalker Daniel Caligiuri mit einem Pfostentreffer für den ersten Aufreger - allerdings traf er bei dem Versuch, einen Freistoß von Sabitzer abzuwehren, das Gestänge des eigenen Tores. Doch just in der Phase, da die Leipziger erstmals so wirkten, das Spiel dominieren zu können, erzielten die Schalker den Ausgleich. Naldo traf nach bewährter Manier: Er köpfte, unerklärlich unbewacht, einen Freistoß von der rechten Seite ins Netz.

Sabitzers Zuckerlupfer kippt das Spiel

Danach wurde das Spiel intensiver und schneller, weil beide Mannschaften augenscheinlich darum bemüht waren, einen Sieg einzufahren. Ein sträflicher Fehlpass von Naldo brachte Leipzig auf die Siegerstraße: Der Brasilianer verlor im eigenen Halbfeld den Ball und war nicht mehr rechtzeitig zur Stelle, als Timo Werner am Fünfmeterraum von Laimer bedient wurde, den Sabitzer mit einem Zuckerlupfer eingesetzt hatte (69.). Zwei Minuten später sorgte Bruma mit einem Rechtsschuss für das entscheidende 3:1, natürlich nicht, ohne dass Naldo ein Bein im Spiel hatte. "Wir haben heute nicht gut reagiert, wenn wir den Ball verloren haben", sagte Naldo später.

Die Freude auf der Leipziger Bank, auf der sich Keita dick gegen die winterliche Kälte schützte, wäre wohl noch größer geworden, wenn diverse Chancen in der Schlussphase konsequenter genutzt worden wären - vor allem als Timo Werner und Bruma bei ihrer Dreifach-Chance (80.) aus kurzer Distanz das Tor nicht trafen.

Ein paar Meter weiter oben saß Sportdirektor Ralf Rangnick - der vor der Partie bei Sky betont hatte, dass "für keinen der Spieler, die heute für uns auf dem Platz stehen oder auf der Bank sitzen, von irgendeinem Verein eine Anfrage oder ein Angebot" vorliege. "Wenn ein Verein einen Spieler will, der einen Vertrag hat, müssen drei Parteien einig sein. Es gibt überhaupt noch keinen Sachverhalt, der in diese Richtung geht", fügte Rangnick hinzu. Aber das könnte, ja dürfte sich sehr bald ändern. Kommenden Samstag wird Keita auf keinen Fall für Leipzig in Freiburg auflaufen - er versäumt die Partie wegen seiner fünften gelben Karte.


Quelle: Opta Sportdaten

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