Razzia beim Fußballbund DFB-Größen droht Millionen-Zahlung

Ihm drohen Millionenzahlungen: Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger nach einem Pressegespräch in Diez am 3. November 2015.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerbetrugs gegen den DFB. Zahlen müssten die Verantwortlichen - darunter Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger.

Von Johannes Aumüller, Hans Leyendecker und Klaus Ott

Nach der Steuerrazzia am Dienstag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht der größte Sportverband der Welt vor einer Zerreißprobe. Auf heutige und auf ehemalige hohe Funktionäre des DFB können Millionenforderungen durch den eigenen Verband zukommen. Außerdem drohen dem früheren Präsidenten Theo Zwanziger, seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach und dem langjährigen Schatzmeister und Generalsekretär Horst R. Schmidt Strafen durch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen Steuerhinterziehung in einem "besonders schweren Fall".

Mehr als 50 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte haben am Dienstag die DFB-Zentrale in Frankfurt sowie die Wohnungen von Zwanziger und Niersbach durchsucht. Der Fall, um dessen Aufklärung sich auch der DFB selbst bemüht, kreist um eine Millionen-Schieberei vor der WM 2006 in Deutschland. Das von Franz Beckenbauer zusammen mit Niersbach, Schmidt und Zwanziger geleitete Organisationskomitee (OK) der WM hatte im April 2005 unter Angabe eines falschen Zwecks 6,7 Millionen Euro an den Weltverband Fifa überwiesen.

Die 6,7 Milionen wurden unter falschem Titel überwiesen

Das Geld war offiziell als Zuschuss für eine später abgesagte Auftaktgala der WM gedacht. Tatsächlich diente es dazu, ein Darlehen, das der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem WM-OK heimlich gewährt hatte, über den Umweg Fifa zurückzuzahlen. Das hat der DFB inzwischen zugegeben. Nach Angaben des DFB sollen die Dreyfus-Millionen im Jahr 2002 an die Fifa geflossen und eine Art Gebühr des OK für einen Finanzzuschuss des Weltverbands in Höhe von 170 Millionen Euro für die WM 2006 gewesen sein.

Nach heutigem Stand hatte das OK mit dem von Dreyfus vorgestreckten Millionenbetrag damals vermutlich eine schwarze Kasse der Fifa gefüllt. Dreyfus verlangte später sein Geld zurück. Die daraufhin 2005 unter einem falschen Titel an die Fifa überwiesenen 6,7 Millionen Euro sind dann vom OK nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu Unrecht als Betriebsausgabe beim Fiskus geltend gemacht worden. Dadurch wären zugunsten des DFB Körperschafts- und Gewerbesteuern in erheblicher Höhe verkürzt worden.

Der DFB würde vermutlich die Verantwortlichen in Regress nehmen

In Verbandskreisen werden nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro für möglich gehalten, plus Zinsen seit 2006. Das ergäbe insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Sollte der DFB diesen Betrag nachzahlen müssen, dann käme der Verband wahrscheinlich nicht umhin, die damaligen Verantwortlichen in Regress zu nehmen. Das wären in erster Linie Zwanziger und Schmidt. Sie hatten die Millionenzahlung an die Fifa freigegeben.

Über die Rückforderung des Dreyfus-Darlehens sollen laut Schmidt auch Niersbach und Beckenbauer im Bilde gewesen sein. Was sie von der konkreten Rückzahlung wussten, ist unklar. Beckenbauer hat den Vorgang aus dem Jahr 2002 bereits als "Fehler" bezeichnet. Dafür trage er als OK-Präsident die Verantwortung. Gegen Beckenbauer wird nicht ermittelt. Er, Niersbach und der DFB äußerten sich auf SZ-Anfragen nicht.

"Nicht Beschuldigter des Verfahrens"

Der Deutsche Fußball-Bund kündigt nach der Razzia in Frankfurt volle Unterstützung für die Steuerfahnder an. Für Niersbach, Zwanziger und Schmidt vom WM-OK 2006 könnte es eng werden. mehr...