Rassismusvorwürfe gegen 1860-Fans "Es war ein Scheißgefühl"

Ingolstadt-Profi Danny da Costa beklagt rassistische Rufe von 1860-Fans, der TSV entschuldigt sich daraufhin. Einer der Provokateure wurde identifiziert und soll Stadionverbot erhalten - offenbar handelt es sich um einen Familienvater, der mit Frau und Kind im Stadion war.

Von Andreas Glas

Irgendwann in der zweiten Halbzeit kam die Durchsage. Stadionsprecher Stefan Schneider forderte die Fans des TSV 1860 München zu "Fairness und Respekt" auf - und in der Arena schauten sich die Leute fragend an. Kaum jemand hatte mitbekommen, was andere Löwen-Anhänger immer und immer wieder gerufen hatten. Der Adressat der Rufe allerdings schon: "Immer, wenn ein Ball in meine Nähe kam, gab es Affenlaute. Das war natürlich ein Scheißgefühl", sagte Danny da Costa am Montag dem Sport-Informations-Dienst.

Da Costa ist Spieler des FC Ingolstadt, er ist in Deutschland geboren, er ist deutscher Jugend-Nationalspieler - und er ist dunkelhäutig. Genau damit hatten einige Zuschauer offenbar ein so großes Problem, dass sie "meinten, bei Einwürfen oder Ballkontakten Sachen wie 'Nigger' oder 'Schwarzes Schwein' in meine Richtung rufen zu müssen", berichtet da Costa.

Am Tag nach der Zweitliga-Partie zwischen 1860 München und dem FC Ingolstadt (1:0) meldet der TSV 1860, dass ein Zuschauer mithilfe der Stadionordner identifiziert werden konnte. Der Verein entschuldigte sich bei da Costa, der Klub habe "das Verhalten zur Anzeige gebracht", sagte Geschäftsführer Robert Schäfer. Zwar legt der 20-jährige da Costa Wert darauf, dass ihn "nicht viele, tatsächlich einige wenige" Zuschauer beleidigt hätten. Trotzdem rückt der Vorfall in den Blickpunkt, was gerne verdrängt wird: Rassismus ist Stadien nicht nur präsent, er ist allgegenwärtig.

Respekt auf Facebook

Beim Fall da Costa geht es nicht um Ultras, Hooligans oder eine organisierte rechtsradikale Fangruppe, wie sie beim TSV 1860 seit Jahren im Block 132 steht. Es geht um "latenten Rassismus, das hirnlose Rausplappern", wie es Ulla Hoppen vom Projekt "Löwen-Fans gegen Rechts" nennt. Glaubt man dem Kommentar eines Facebook-Nutzers, handelt es sich beim Anstifter der Schmährufe gegen da Costa um einen Familienvater, der mit Frau und Tochter auf der Gegentribüne gesessen sei, zwischen ganz normalen Fans.

Ebenfalls auf Facebook hatte sich Ingolstadter Spieler Ralph Gunesch heftig über die Pöbeleien gegen seinen Mannschaftskollegen da Costa beschwert. "Einen dunkelhäutigen Gegenspieler permanent als 'Scheiß N***r' , 'Zurück in den Busch' zu beschimpfen und mit Affenlauten zu begleiten zeigt nur, dass Euer IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes liegt. Schließt euch zu Hause ein und labert mit dem rassistischen Müll euren Wandteppich voll, aber verschont uns alle mit dem Gedankengut", forderte Gunesch.

Viele Facebook-User zollten Gunesch Respekt für seine Worte. "Wenn doch mal alle so klare Worte finden würden", schreibt Helga Numberger, Miri Mehrhoff kommentiert: "Großartiges Statement", und Arif Ulusoy schreibt: "Dieses Land braucht noch mehr solche mutigen Sportler mit Rückgrat". Bereits am frühen Montagnachmittag hatte Guneschs Facebook-Kommentar fast 7000 Likes.

Applaus für solides Handwerk

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Auch Ulla Hoppen findet es "gut, dass ein Spieler Zivilcourage zeigt und seiner Empörung Luft macht. Dazu gehört Mut." Dieser Mut hat einigen Löwen-Fans offenbar gefehlt. Lange Zeit, so schien es, schritt keiner der danebensitzenden Zuschauer ein und hinderte die Pöbler daran, da Costa weiter zu provozieren. "Als es mir zu viel wurde und zu nahe ging, bin ich zu Schiedsrichter Florian Meyer gegangen und habe ihn darauf hingewiesen", berichtet da Costa. Erst als der Schiedsrichter daraufhin die Stadiondurchsage veranlasste, war es offenbar ruhiger geworden.

"Wenn jemand in so einer Art und Weise beschimpft wird, geht das gar nicht", sagte ein wütender FCI-Trainer Marco Kurz nach dem Spiel. "Personen mit solchem Gedankengut sind keine Löwenfans. Wir wollen sie weder bei uns im Verein noch bei uns im Stadion haben" sagte 1860-Geschäftsführer Schäfer und kündigte an, ein Stadionverbot gegen den identifizierten Zuschauer auszusprechen. Mit einer Strafe muss aber auch der TSV 1860 rechnen. Schiedsrichter Meyer hat die Vorkommnisse im Spielberichtsbogen vermerkt, die DFL prüft Konsequenzen für den Verein.