Zum fünften Mal nimmt der Profifußball teil am Gedenktag zur Befreiung des KZ Auschwitz - es sollte mehr sein als ein Pflichttermin für symbolische Gesten.
Gerald Asamoah sagt, er sei beim Pokalspiel der Schalker in Jena rassistisch beleidigt worden. Auf dem Platz und auf dem Weg zum Bus seien wieder jene Affenlaute zu hören gewesen, die den gebürtigen Ghanaer schon häufiger tief in seiner Seele verletzt haben. Bei Hertha BSC suchen sie in ihrem Gefolge gerade nach einigen Chaoten, die bei einem Testspiel der Berliner gegen den senegalesischen Stürmer von Babelsberg 03, Babacar N'Diaye, pöbelten.
Die Fans von Werder Bremen zeigen, was sie von Rassismus halten. (© Foto: Imago)
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Hertha hatte sich am Mittwoch in einem Brief beim Regionalligisten entschuldigt und will gegen den Rädelsführer die maximale Vereinsstrafe verhängen, ein dreijähriges Stadionverbot. Und wenige Tage ist es erst her, dass Tennis Borussia Berlin, ein Verein mit jüdischen Wurzeln, darüber Klage führte, beim Hallenturnier der Berliner Regional- und Oberligisten aus dem Fanblock des 1.FC Union antisemitisch beleidigt worden zu sein.
Gerald Asamoah kennt den Zwiespalt, der sich ergibt, wenn er auf solche Pöbeleien hinweist. Einerseits wolle er das Thema nicht zu hoch hängen, "um diesen Leuten keine Öffentlichkeit zu bieten", andererseits "tut es natürlich immer wieder weh". Gerade deshalb ist es wichtig, dass Asamoah seinen Schmerz in Worte fasst, dass er erzählt, wenn er sich verletzt fühlt.
Denn nur über die öffentliche Klage wird diese Debatte präziser, erzählt der deutsche Nationalspieler doch auch, wie oft er in der Bundesliga schon bei Energie Cottbus zu Gast war, ohne dass er dort Beleidigendes zu hören bekam. Was auch eine wichtige Botschaft ist, wurden doch die jüngsten Auswüchse wieder aus Berlin und aus dem Osten gemeldet, wo der Fußball in den mittleren und unteren Spielklassen häufiger als anderswo als Vehikel für rassistische und/oder gewaltsame Aktionen benutzt wird.
Natürlich sind im Westen ähnliche Vorkommnisse aktenkundig, Gründe gibt es jedenfalls genug, um nun die 36 Erst- und Zweitligisten geschlossen hinter der Aktion "Tag gegen das Vergessen" zu versammeln. Zum fünften Mal nimmt der deutsche Profifußball zum Rückrundenstart am Wochende teil an jenem Gedenktag (27.Januar), der an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945 erinnert. Dieser Tag sollte der Fußballgemeinde mehr sein als ein Pflichttermin für symbolische Gesten. Er sollte ihr Mut machen, couragiert all die kleinen Tore zu schließen, durch die der Geist von gestern ins Stadion weht. Auch, damit sich dort kein Sturm entwickeln kann.
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(SZ vom 30.01.2009/jüsc)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Typisch Sozialistenmanier alter Schule! Schämt Euch!
Natürlich ist es nicht der Rede Wert, wenn einzelne besoffene mal irgendeinen Müll von sich geben (habe ich leider ja auch schon gemacht, allerdings eher in Richtung Ordnungshüter).
Problematisch wird es für mich, wenn der Lawineneffekt einsetzt und eine ganze Kurve rassisstischen Quark brüllt oder den Schiri als (verniedlicht, sonst greift der Zensurfilter) "Hebräerferkel" tituliert.
Und hier sollte nicht nur der Stadionsprecher einschreiten, finde ich. Das mindeste ist, daß ein Fan, auch wenn er mitten im Block steht, einfach nicht mitmacht. Und um dafür ein Bewusstsein zu bilden sind solche Aktionen schon wichtig.
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hat Rassismus weder im Profifußball noch sonst irgendwo etwas verloren.
Andererseits muss man nicht jede Äußerung in einem emotionalen Kontext - wie einem Fußballspiel, wo mancher auch noch angetrunken ist - als echten Rassismus ansehen. Es ist doch so, man versucht etwas zu finden, womit man meint, den Gegner treffen zu können.
Bei Oliver Kahn - groß, blond, blauaäugig - war es die vermeintliche Dummheit, deshalb die Bananen und die Affenschreie. Bei Franck Ribery - ebenfalls ein Weißer - sind es die Narben. Jeder Italiener in der Bundesliga wurde mit Sicherheit schon mit einem Pastagericht verglichen und musste sich vorwerfen lassen, beim kleinsten Windhauch umzufallen. Deutsche Fußballspieler im Ausland werden immer wieder mit Nazivorwürfen konfrontiert usw.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von denen, die bei einem Auftritt von Asamoah Affengeräusche von sich geben, ihm zujubeln (oder zugejubelt haben), wenn er für Deutschland gespielt hat, gerade weil er sich mit seinem sonnigen Wesen und seinem unermüdlichen Einsatz extrem viele Sympathien erspielt.
Einsatz gegen Rassismus ist gut und richtig. Aber wer versucht, die Emotionen aus einem Fußballspiel zu nehmen, wird den Reiz zerstören. Und zu den Emotionen gehört eben auch, dass im Eifer des Gefechts die politische Korrektheit vergessen wird. Das sollte man nicht unnötig dramatisieren, bei uns laufen wenigstens keine Spieler auf dem Platz, die gewisse Grüße zeigen (Beispiel Di Canio).
Lieber Gerald,
auch wenn Du es wahrscheinlich nicht lesen wirst, will ich hiermit meine Solidarität ausdrücken. Ich finde es vorbildlich, wie Du Dich gegen das Geschwür des Rassismus einsetzt. Die Welt braucht überall Menschen wie Dich, lass Dich nicht unterkriegen, mach weiter so!
Paging