Rasen-Probleme beim 1. FC Nürnberg Schimmel im Gras

Im Zweikampf zwischen Bayerns Jérôme Boateng (links) und dem Nürnberger Daniel Ginczek war am Wochenende zu sehen, dass der Rasen nicht im besten Zustand ist.

Der Club ist nicht mehr Herr im eigenen Hause. Nachdem sich am Wochenende gleich zwei Nürnberger Spieler schwer verletzt haben, will der Verein endlich einen neuen Rasen verlegen. Die Frage ist nur: Wer soll das bezahlen?

Von Christof Kneer

Die Visite von Dr. Verbeek erbrachte noch kein klares Krankheitsbild. "Irgendwie Bakterien im Rasen", diagnostizierte er am Samstagabend vage, aber genauer wollte sich der Nürnberger Trainer nicht festlegen. Was sofort die Frage aufwarf, woran der Rasen im Stadion wirklich leidet: Hat der Rasen sich einen Schnupfen eingefangen? Hat er's auf den Bronchien? Liegt ein Fall von Halmkatarrh vor?

Die korrekte Diagnose lautet: Der Rasen leidet an Schneeschimmel-Befall. "Das wissen wir aber nicht erst seit dem Bayern-Spiel", sagt Nürnbergs Sportchef Martin Bader. Der Rest der Republik hat aber erst das Spiel gegen den FC Bayern (0:2) und die versierte gärtnerische Expertise von Matthias Sammer ("katastrophal, unwürdig, Murks") gebraucht, um von diesem Krankheitsfall Kenntnis zu bekommen. Der 1. FC Nürnberg und sein Rasen, das war eine große Geschichte am Wochenende, aber sie hatte keinen folkloristischen Unterton.

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Von diesem Rasen humpelten die schwer am Knie verletzten Club-Profis Ginczek (Kreuzbandriss) und Chandler (Meniskuseinriss), und natürlich können die Verantwortlichen nicht offiziell sagen, dass an diesen Verletzungen der eigene Rasen schuld ist. Aber denken können sie's schon. Die Geschichte vom Club und seinem Rasen ist einerseits eine Fach- und Sachgeschichte, es geht um botanische Details; es ist aber auch eine Fußballgeschichte, in der es um einen traditionsreichen Verein geht, der nicht Herr im eigenen Hause ist.

Das Rasendrama in Kurzfassung: Im Januar 2013 waren die Winter Games im Nürnberger Stadion zu Gast, es wurde Eishockey gespielt, der Innenraum bekam eine schicke Eisfläche. Weil sich eine schicke Eisfläche aber nicht eignet, um darauf einen Rückrunden-Auftakt in der Sportart Fußball auszutragen, kam schnell ein neuer Rasen rein; und weil nicht mehr viel Zeit bis zum Rückrundenstart übrig war, wurde der Rasen "vielleicht etwas suboptimal verlegt", wie Bader sagt. So wurden - botanische Details - vor der Verlegung des neuen Rasens nur drei statt sechs Zentimeter abgetragen, was zu Verschlammung, Wachstumsstörungen, vielleicht auch zum Schimmelbefall führen kann. "Der Rasen hat ein Jahr gehalten", sagt Bader. Er meint: Das ist nicht sehr lang.

Wer soll das bezahlen?

Der Club konnte nichts davon verhindern, weder die Winter Games noch die eilige Installation einer womöglich suboptimalen Grünfläche. Der Club ist nur Mieter im Stadion, verantwortlich sind die Stadionbetreibergesellschaft und die Stadt Nürnberg. Es könnte dem Club nun also ergehen wie einem Wohnungsmieter, der Schimmel im Bad entdeckt und den Eigentümer bittet, die Kacheln auszuwechseln; die Eigentümer verweisen dann gerne auf amateurhaftes Wohnverhalten und schicken mit der Post eine Broschüre "fachgerechtes Lüften".

Der Club wird jetzt einen neuen Rasen verlegen, zum nächsten Heimspiel wird er im Stadion liegen. Die Frage ist nur, wer das bezahlt. Er versuche, "mit der Betreibergesellschaft einen Kompromiss zu finden", sagt Bader; er will sie überzeugen, dass sie nicht nur ein Lüftungsheft vorbeischickt, sondern sich an den Kosten beteiligt. Lange vor Sammers Rasenruckrede hat Bader Vorkehrungen getroffen und Angebote eingeholt, aber jene tiefe sechsstellige Summe, um die es geht, würde er gern mit dem Vermieter teilen. "Das hört sich bei den Gesamtetats von Erstligisten nicht hoch an, aber jede nicht geplante Ausgabe schmerzt", sagt er.

Im Sommer 2015 läuft der Vertrag der Betreibergesellschaft aus, Bader will dann versuchen, selbst Herr im Hause zu werden, "gemeinsam mit der Stadt". Es wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Selbständigkeit, der zweite wäre ein neues Stadion. Das Stadion ist alt, es besitzt noch ein Bewässerungssystem, das nicht auf Winter programmiert ist, die Rohre sind gefroren, die Zisternen leer; der Tipp des freundlichen Gartenexperten Sammer ("bewässern!") war demnach leider nicht umsetzbar. Wann - und ob - das neue Stadion kommt, ist offen. Aber eine Machbarkeitsstudie hat Bader längst in Auftrag gegeben.

Ohne riskante Investitionen

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