Hoffenheimes Trainer Ralf Rangnick über turbulente Wochen, den Wechsel auf dem Manager-Posten und die Lehren aus der Saison.
SZ: Herr Rangnick, was hat Sie nach den Turbulenzen der vergangenen Monate dazu bewogen, Ihren Trainer-Vertrag in Hoffenheim bis 2012 zu verlängern?
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Ralf Rangnick, Trainer der TSG Hoffenheim. (© Foto: Getty)
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Rangnick: Die Situation war so, dass ich die letzten vier Jahre reflektieren musste. Mein Herz hängt am Projekt Hoffenheim, und in den Gesprächen mit Dietmar Hopp (Mäzen, d. Red.) hat sich nach wie vor eine absolute Einigkeit in unseren Überzeugungen und Zielen ergeben.
SZ: Ein Knackpunkt war nach dem Rücktritt Jan Schindelmeisers die Besetzung des Manager-Postens. Wäre die angedachte, aber verworfene Verpflichtung Thomas von Heesens für Sie ein Rücktrittsgrund gewesen? Es hieß ja, Sie würden ein Teammanager-Modell anstreben, mit allen Hoheiten bei Ihnen. Haben Sie einen internen Machtkampf gewonnen?
Rangnick: Ein Magath-Modell war nie meine Absicht, sonst hätte ich Jan nicht 2006 ins Boot geholt. Und den Namen von Heesen haben Sie von mir nie gehört. Es gab Gedanken über externe und interne Lösungen. Herr Hopp und ich haben uns letztendlich auf eine starke interne Lösung verständigt. Und das ist gut so.
SZ: Diese Lösung heißt Ernst Tanner, früherer Jugendleiter von 1860 München, seit 2009 Leiter der Hoffenheimer Nachwuchs-Akademie. Er wird Sportmanager, aber nicht Ihr Vorgesetzter.
Rangnick: Ernst ist eine Idealbesetzung. Unter seiner Leitung machte 1860 die beste Jugendarbeit in Deutschland. Und bei uns steigt heuer endlich die U23 in die Regionalliga auf, die U19 steht in Berlin im Pokalfinale. Ernst wird Transfers abwickeln und stark ins Scouting eingebunden sein. Er als Manager, das passt genau zu unserem Vorhaben, wieder mehr auf junge Talente, wenn möglich gerne deutschsprachige, zu setzen.
SZ: Zurück zu den Wurzeln?
Rangnick: Ja. Wir müssen in jungen Spielern wieder etwas sehen, was andere Klubs noch nicht erkennen. Wir müssen wieder Jaissles, Becks, Comppers, Weis' und Gustavos entdecken. Das war unsere Stärke. Und es bringt auch nichts mehr, im Einzelfall zu erörtern, warum wir Müller, Badstuber, Holtby oder Subotic, die wir mal wollten, nicht bekommen haben.
SZ: Zuletzt misslangen Transfers aus fernen Ländern: Zuculini, Maicosuel, Wellington. Hat sich Hoffenheim in seiner Personalpolitik seit der Herbstmeisterschaft 2008 von überzogenen sportlichen Erwartungen treiben lassen?
Rangnick: Nein. Fakt ist aber, dass sich nach unserem raketenartigen Aufstieg die Erwartungen und Ziele verschoben hatten. Platz sieben am Ende der ersten Saison galt schon als Misserfolg, damit war automatisch klar, dass es plötzlich Platz eins bis fünf sein sollte. Ursprünglich wollten wir mal erstklassig sein, wenn Herr Hopp 70 wird - das war vor zwei Wochen. Es ist halt wie in der freien Wirtschaft: Man wird immer am Gewinn des letzten Quartals gemessen.
SZ: Diesmal wurde die TSG nur Elfter. Nehmen Sie jetzt für 2010/11 Abstand von internationalen Ambitionen?
Rangnick. Der Weg ist wieder das Ziel - wie im ersten Jahr nach dem Aufstieg.
SZ: Missglückte Transfers gelten als Grund der Trennung von Jan Schindelmeiser. Hinzu kamen die Dissonanzen zwischen Ihnen beiden - auch wegen Schindelmeisers Beförderung zum Geschäftsführer, der Ihnen vorgesetzt war.
Rangnick: Ganz klar gesagt: Wir wickelten jeden Transfer gemeinsam ab, selbstverständlich stehe ich da für alles gerade. Dass Jan und ich auch mal kontrovers diskutiert haben, erachte ich als normal. Menschlich gab es nie ein Problem. Und man vergisst: Spieler wie Ba, Obasi, Eduardo konnten 2007 in der zweiten Liga in Ruhe mit dem Team wachsen - das war eine einfachere Ausgangsposition als für jene, die später zu uns kamen.
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