Nach den Berliner Randalen fordert der Chef der Polizeigewerkschaft DPolG Spiele ohne Zuschauer und wettert auch gegen "Geld für Bastelstuben der Ultras". Der DFB nimmt die Stehplätze ins Visier.
Die Polizei fordert nach den Krawallen von Berlin "Geisterspiele" und das Ende der Stehplätze. "Diese Kurven, wo sich die Gewalt hochschaukelt, müssten gesperrt werden", sagte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Man ist fassungslos darüber, dass sowas in der Bundesliga möglich ist. Ich fordere mindestens einige Spiele ohne Zuschauer, damit diese Krawallmacher auch merken, dass sie ihrem Verein schaden."
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Polizei im Berliner Stadion. (© Foto: dpa)
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Der DPolG-Vorsitzende bezeichnete den Sicherheitsdienst von Hertha BSC Berlin bei den Ausschreitungen nach dem 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag als "personifizierte Überforderung" und forderte vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) drastische Maßnahmen.
"Wir brauchen endlich den namentlichen Ticketverkauf. Dieser muss in allen Stadien Standard werden", sagte Wendt. "Kombiniert mit einer vernünftigen Videoüberwachung" könne das Fortschritte bringen, unterstrich der Polizeigewerkschaftschef, der Verband und Liga erneut die "übliche Betroffenheits-Rhetorik" vorwarf: "Danach passiert eigentlich nichts. Ich erwarte aber, dass der DFB und die DFL ihre sozialpädagogischen Programme auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Da gibt es viel Aktionismus ohne Sinn, wenn Geld für die Bastelstuben der Ultras ausgegeben wird." Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) stecken pro Jahr rund 1,3 Millionen Euro in 47 sozialpolitische Fanprojekte.
Derzeit würden sich Störer und Gewalttäter auch in den Erstliga-Stadien kaum mehr von Strafen bedroht fühlen, nachdem es in den vergangenen Jahren Gewalt eher nur im unterklassigen Fußball gegeben habe. "Wenn man mit Eisenstangen auf Ordner, Polizisten oder Spieler zugeht, müsste man eigentlich damit rechnen, ein paar Jahre ins Gefängnis zu kommen. Aber sie wissen, dass dies nicht passiert", beklagte Wendt eine noch immer zu geringe Bestrafung von Randalierern im Fußball: "Das ist Sache der Justiz."
Die Unterstützung der Fan-Gruppierungen durch den DFB steht nach dem Chaos von Berlin tatsächlich auf dem Prüfstand. "Die Fans schneiden sich mit solchen unsinnigen Aktionen ins eigene Fleisch. Jetzt wird alles auf den Prüfstand gestellt, was wir in den letzten zwei bis drei Jahren vor allem mit den Fan-Gruppierungen erarbeitet haben. Wir wollen keine englischen oder amerikanischen Verhältnisse, aber die Diskussionen um die Stehplätze, vergünstigte Karten für Ultras oder Gästekontigente werden natürlich jetzt wieder richtig losgehen", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn dem SID.
Im Gegensatz zu der englischen Premier League hatten DFB und DFL in den vergangenen Jahren auf eine liberale Haltung gesetzt und den Fans einen Teil der Tribünen als Stehplätze überlassen. Nach den Vorkommnissen von Berlin stehen diese auf der Kippe. "Der internationale Druck ist bei dem Thema Stehplätze immens. Unbestritten ist auch, dass wir in den Stehplatzbereichen die meisten Probleme haben. Das müssen wir analysieren und gemeinsam mit Politik, Polizei, Vereinen und vernünftigen Fan-Gruppierungen die richtigen Maßnahmen treffen", sagte Spahn.
Nach Angaben von Hertha-Manager Michael Preetz hatte es schon vor der sportlich brisanten Partie gegen den Club konkrete Hinweise auf mögliche Krawalle gegeben. Deshalb sei der Sicherheitsdienst auch personell aufgestockt worden. "Man hätte die Personen aufgrund des Grabens im Olympiastadion auf Biegen und Brechen zurückhalten können, aber zum Schutz der Spieler und des Kabinentrakts hat man in Kauf genommen, dass sie auf den Platz laufen. Diese Chaoten haben ja auch zumindest keine Ordner angegriffen, es gab keine Schlägerei. Ziel waren wohl alleine Hertha-Symbole wie die Trainerbank. Da hat sich offenbar der ganze Frust wegen der sportlichen Situation in Berlin entladen", sagte Spahn.
Der DFB wartet derzeit auf die schriftlichen Stellungnahmen der Behörden und des Sicherheitsdienstes. Der DFB-Kontrollauschuss wird anschließend über ein Strafmaß für die ohnehin gebeutelten Berliner beraten. Stuttgarts Sportvorstand Horst Heldt nahm allerdings weniger den DFB, sondern vielmehr die Politik in die Pflicht. "Es ist nicht nur ein Problem der Bundesliga, wenn man sich Berichte aus der Kreisklasse oder anderen Ligen anschaut. Es ist ein Problem in vielen Bereichen der Gesellschaft. Wir haben es nicht nur im Fußball. Deshalb muss ein Zeichen aus der Politik kommen", sagte Heldt bei Sky 90.
Im Video: Geisterspiele für Hertha - Neue Vorwürfe gegen Amerell - Zündkerze Schuld
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(sid/dpa/hum)
Entspannter Vierbeiner
es bringt nix sondern ist purer Aktionismus. Aber natürlich völlig verhältnismässig, es gibt ja schon wieder Opfer nämlich eine Ersatzbank. Da müssten noch wesentlich drastischere Massnahmen her. Ich bin dafür alle Leute die im Stadion sehen vorsichtshalber 24 Std einzusperren bis geklärt ist, ob sie sich nichts zu schulden haben kommen lassen.
P.S. im sitzen kann man auch Sachen werfen, sollten sie mal ausprobieren Herr Wendt. Was machen wir dann? Müssen sich alle vor betreten des Stadions die Hände auf den Rücken binden lassen?
Ausserdem fordere ich Singverbot, da wird nämlich teilweise zur Lynchjustiz aufgerufen.
Es geht hier keinem um das Recht zu Randalieren. (welches nicht annähernd ein Menschenrecht sein kann)
Die Problematik ist wesentlich vielschichtiger als diese in den meisten Medien und vor allem seitens der Polizeigewerkschaft dargestellt wird.
Primär geht es den meisten Kommentatoren dieses Artikels doch darum, dass die im von Hr. Wendt geforderten Maßnahmen keinerlei Effekt haben dürften. Sondern eher dazu beitragen würden die Probleme zu kaschieren und aus der Öffentlichkeit heraus zu rücken.
Die Finanzierungsfrage ist eine gänzlich andere und mit Sicherheit auch diskussionswürdig. Allerdings dürfen m.E. die Dinge nicht zu sehr vermengt werden.
aber wir reden schon noch von fußball, oder? ich lese nur noch vom menschenrecht zu randalieren und von der steuerzahlerpflicht das überwiegend zu finanzieren.
Ich verstehe nicht, wie man nach diesem Vorfall einen Bezug zu den Stehplätzen herstellen kann, wo doch das Olympiastadion in Berlin das einzige deutsche Stadion mit ausschließlich Sitzplätzen ist.
Die Vereine sollen die Polizeieinsätze bezahlen, aber nur im und ums Stadion, denn da sind sie defakto die Veranstalter. Aber warum sollte ein Verein dafür verantwortlich sein, dass die Innenstadt oder der Bahnhof geschützt wird ? Und das auch noch mehrere Stunden lang.
Am Beispiel Dresden wird deutlich, dass auch für die Sicherheit ABSEITS des Stadions große Summen ausgegeben werden müssen. Aber moment mal : MUSS es denn wirklich soviel sein ? Und hat es nicht auch gewisse Nachteile ?
Also, wenn ich Krimineller wäre dann würde ich nach Dresden umziehen und nur an Tagen an dem Dynamo spielt aktiv sein, denn dann sind ja die Polizisten mit was anderem beschäftigt.
Auch z.B. die Drogendealer in Frankfurt freuen sich, wenn die Polizei meint, zum Spiel Frankfurt gegen Schalke, welches Definitiv kein sogennantes Risikospiel ist, eine 4 stellige Zahl Beamten einsetzten zu müssen.
Mir fällt auf, dass zwar oft geschrieben wird "Beim Spiel x gegen y wurden soundsoviel 100 Polizisten eingesetzt" aber ich habe noch NIE gelesen oder gehört "Es wurden xy-Tausend Euro für den Polizeieinsatz aufgewendet"
Warum Wohl ?? Weil dann nämlich die unbequeme Wahrheit ans Licht käme, wieviel Sicherheit kostet (auch im allgemeinen).
Dann könnte ja der Bürger eventuell bemerken, das das Ganze Geschrei nach mehr Sicherheit (auch z.B. in Bezug auf Terrorismus) absurd ist, weil defakto kein Geld da ist. Bei der Polizei wird natürlich auch gespart. Wie wärs denn dann mit einer "Sicherheitssteuer" - nein, denn dann wäre das Geschrei des Steuerzahlers auch groß.
Paging