Italien sperrt den Radprofi und ehemaligen T-Mobile-Profi Eddy Mazzoleni für zwei Jahre. Die Dopingaffäre lässt tief blicken und wirft auch auf andere Athleten des Landes ein schlechtes Licht.
Elisa Basso kam stets knapp bekleidet an die Strecke, die Blondine fieberte im luftigen Outfit mit Bruder Ivan. Der frühere Giro-Sieger ist dann aber bis Oktober 2008 gesperrt wegen seiner erwiesenen Kontakte zum spanischen Blutdoktor Eufemiano Fuentes, was Frau Basso aber nicht fernhielt von Ereignissen wie der Tour. Denn ihre Liebschaft Eddy Mazzoleni fuhr ja oft auch mit, und zwar, wie nun endgültig erwiesen scheint, in ähnlich manipuliertem Zustand wie der angehende Schwager: Mazzoleni, Dritter des Giro d'Italia 2007, ist wegen seiner Verwicklung in den Dopingskandal Oil for Drugs um den Sportarzt Carlo Santuccione vom italienischen Radsportverband zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden.
Bild vergrößern
Der italienische Radsportler Eddy Mazzoleni wurde wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt, (© Foto: dpa)
Anzeige
Dass Italien inzwischen hart durchgreift gegen seine Betrüger, ist bemerkenswert - und dem Chef der Anti-Dopingkommision des nationalen Olympia-Komitees (Coni) geschuldet: Ettore Torri, 76. Der Pensionär entpuppte sich zum Entsetzen gerade der Radszene nach Dienstantritt als Aufklärer, der sich sogar für ältere Akten interessierte. Die Polizei-Razzia "Oil for Drugs" geht auf das Jahr 2003 zurück, als nach dem Tod eines Amateurs allmählich ein mit wirklich allen Mitteln versorgtes Dopingsystem aufgedeckt wurde. Ein gutes Dutzend Radprofis, 77 Jugendfahrer, mehrere Leichtathleten, Ärzte und Sportchefs flogen auf. Die Schlüsselrolle spielte Santuccione - angeblich ein Vertrauter von Fuentes - der schon 1995 wegen Dopingvergehen zu fünf Jahren Verbandssperre verurteilt worden war, nun lebenslang außen vor ist und seine Zulassung verlor.
DiLuca sieht sich als Opfer "einer Hasskampagne"
Telefonmitschnitte und Videoaufnahmen des Arztes haben nun die Karriere von Mazzoleni, 34, beendet - Landsmann Danilo Di Luca, 32, aktueller Giro-Champion, kam dagegen mit einer dreimonatigen Sperre davon - in dieser Affäre. "Ich habe mit Danilo gesprochen, wegen Sonntag, ich habe 4000 Einheiten subkutan genommen (...) Kann es am Samstag Probleme geben?", lautete eines jener markanten Zitate Mazzolenis aus dem April 2004; wie Di Luca zählte er jahrelang zur illustren Patientenschar Santucciones. Einer von dessen Klienten, Radprofi Alessio Galletti, starb bei einem Rennen im Mai 2005 den plötzlichen Herztod.
Di Luca, der ProTour-Sieger von 2005, wurde mehrmals indirekt von dem Sportarzt belastet. Während einer Injektion sagte Santuccione zu einem Fahrer: "Tut das weh? Danilo tut es jedenfalls verdammt weh." Noch tiefer in den Morast des Radsports lässt allerdings jene Passage blicken, die ein Gespräch Di Lucas dokumentiert. In dem Telefonat berichtet der Profi von schlaflosen Nächten wegen der Kontrollen, vor allem ein Bluttest bei einem römischen Antidoping-Labor setzte ihm zu.
Wird andernorts nicht so radikal ermittelt wie in Italien?
Santuccione entgegnet, er sei über diese Kontrolle zwar nicht informiert, aber er solle sich keine Sorgen machen: "Wenn alle die Substanzen genommen haben und die Urinmenge gering ist, gibt es nichts zu befürchten!" Die Ermittler schließen daraus, dass der Arzt gewöhnlich über Tests informiert war. Zur erwähnten Kontrolle war laut Polizeiakte offenbar auch der Gerolsteiner-Fahrer Davide Rebellin geladen.
Mazzoleni, 2006 im mutmaßlich komplett gedopten T-Mobile-Tourkader und 2007 beim Skandalteam Astana, wird zuletzt kaum noch an den Fortbestand seiner Karriere geglaubt haben. Denn beim Giro 2007 waren ja bei ihm Werte festgestellt worden, die Epo-Doping nahelegen. DiLuca, der sich als "Opfer einer Hasskampagne" wähnt, fiel dagegen, wie der Corriere dello Sport meldete, damals mit "unnatürlich niedrigen Testosteron-Werten - wie bei einem Kleinkind" auf. Das Urteil steht noch aus, zur jüngsten Verhandlung erschien Di Luca gar nicht. Vermutlich ist er der Ansicht, die ehedem auch Mazzoleni mit mäßiger Überzeugungskraft ins Feld führte: Andernorts werde nicht so radikal ermittelt wie in Italien.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 10.04.2008)
Piratenpartei