Ein Kommentar von Christopher Keil

Vernünftig wäre ein Ausstieg aus der umfangreichen Tour-de-France-Übertragung schon vor Jahren gewesen. Doch die ARD wollte lieber vom Radsportboom profitieren.

Die neun Intendanten der ARD haben beschlossen, auf eine Live-Berichterstattung von der Tour der France zu verzichten. Das ist keine mutige Entscheidung - die Glaubwürdigkeit des Radsports ist durch Doping längst zerstört worden. Nun müssen die Juristen prüfen, ob ARD und ZDF aus dem bestehenden Vertrag mit den Organisatoren der Tour zurücktreten können. Es ist aber eine gute Entscheidung, denn selten genug rechtfertigt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine aus der Gebührenfinanzierung abgeleitete besondere Stellung in der Gesellschaft, indem er auf die Qualität seiner Angebote achtet.

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Bilder, die es im nächsten Jahr nicht geben wird: ARD und ZDF live bei derTour. (© Foto: dpa)

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Vernünftig wäre ein Ausstieg aus der umfangreichen Tour-de-France-Übertragung schon vor Jahren gewesen. Doch die ARD wollte lieber vom Radsportboom profitieren. Sie kaufte sich als Sponsor beim damals besten deutschen Rennstall ein (Team Telekom), sie erkaufte sich Exklusivität beim damals besten deutschen Profi (Jan Ullrich). Doch die Erkenntnisse über ein flächendeckendes Dopingsystem im Radsport haben die Intendanten von ARD und ZDF bereits 2007 bewogen, die laufende Live-Berichterstattung über die Tour de France abzuschalten.

Seither hat sich wenig verändert, erst kürzlich wurde einer der neuen, angeblich fairen und medizinisch sauberen deutschen Radprofis nachträglich des Wettkampfbetrugs überführt, sein deutscher Rennstall aufgelöst. Deshalb war es kein Risiko mehr, die Tour de France fallenzulassen, eher eine Verpflichtung, sich endlich loszusagen. Die Frage ist, ob den Intendanten klar ist, dass sie nun künftig über alle Sportveranstaltungen nach ähnlichen Kriterien richten müssen, Olympia inklusive.

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(SZ vom 17.10.2008)