Anwalt Lehner vermutet Schikanen der UCI gegen seine Kronzeugen-Klienten Jaksche und Sinkewitz.
Michael Lehner brütet zu Jahresanfang über einem Beschwerdebrief an UCI-Präsident Patrick McQuaid. Der Anwalt der deutschen Radprofis und Doping-Kronzeugen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz will den Boss des Velo-Verbandes um Aufklärung bitten, ob die UCI Druck auf die ProTour-Rennställe ausübt, dass diese von einer Verpflichtung der beiden deutschen Fahrer absehen. "Ich habe Dinge gehört, die schwer zu verstehen sind", sagt Lehner, der selbst mit der Suche nach neuen Arbeitgebern für seine Klienten befasst ist. "Es kann nicht sein, dass da im Hintergrund womöglich Repressalien ausgeübt werden."
Unter Verdacht: das Team T-Mobile (© Foto: dpa)
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Bei seinen Fühlungsnahmen mit ProTour-Ställen, so Lehner, sei ihm bereits signalisiert worden: Von UCI-Seite würden diskret Schikanen aufgezeigt, mit denen Teams zu rechnen hätten, die einen der Deutschen aufnehmen. Ein Szenekenner, der - wie üblich im mafiösen Radgewerbe - lieber nicht genannt sein will, sagt, die Rede sei von gehäuft auftretenden Blutkontrollen bei einem "verräterischen" Team bis zur Zuweisung schlechter Hotels bei Rennen wie der Tour. Lehner selbst will sogar schon Direkteres gehört haben: "Dass einem Teamleiter bedeutet wurde: Passt auf eure Lizenz auf."
Das hilft erklären, warum Jaksche und Sinkewitz bisher keinerlei öffentliche Zustimmung für ihre Bekenntnisse aus der Radszene erhalten haben und nur auf verschlossene Türen stoßen. Lehner fügt einen weiteren Sachverhalt hinzu: Die UCI hatte sogar Einspruch beim Weltsportgerichtshof Cas gegen die vom österreichischen Radsportgericht verhängte und aufgrund der Zeugenaussage verkürzte Sperre Jaksches (der eine österreichische Fahrerlizenz besitzt) eingelegt. Dabei habe sie "alle Fristen versäumt" (Lehner). Der Vorgang ruht, inhaltlich sei er entlarvend: Die UCI zweifle die Zuständigkeit des österreichischen Sportgerichts an - nachdem sie selbst den Austria-Verband zu Beginn der spanischen Doping-Operation "Puerto" aufgefordert habe, gegen Jaksche zu ermitteln. Der Heidelberger Anwalt rechnet mit einem erneuten Einspruch der UCI beim Cas, falls das österreichische Gericht eine weitere Verkürzung der Sperre Jaksches auf Basis des überarbeiteten Wada-Codes verfügt.
Erst vor Wochen hat die Weltantidoping-Agentur Wada unterm brausenden Beifall der Sportverbände die Kronzeugen-Regelung auf bis zu sechs Monate reduziert, um größtmögliche Anreize für Insider-Offenbarungen zu schaffen. Die Hilflosigkeit des Sports bei Dopingfällen ist dramatisch, größere Pharma-Affären verdanken sich den Ermittlungen staatlicher Organe. Am Fall des Radsports wird deutlich, dass Geständnisse aus dem Inneren einer Drogenbranche unerwünscht sind und massive Gegenbewegungen provozieren. Vornherum applaudieren, hintenrum boykottieren? Lehner glaubt, dass die Ächtung für Jaksche und Sinkewitz "ein Signal an alle ist: Achtung, auspacken zahlt sich nicht aus!" Eine stark verkürzte Sperre hilft einem Kronzeugen ja nichts, wenn ihn kein Rennstall mehr anstellt.
Dabei hätte es der im Herbst ausgestiegene Sponsor Telekom begrüßt, wenn Jaksche ins T-Mobile-Team integriert worden wäre. Die Equipe des Bob Stapleton aber heuerte lieber den Intimus des Branchen-Gurus Lance Armstrong an, Georg Hincapie, und erhob Michael Rogers zum Kapitän. Der Australier fuhr die letzten Jahre Seite an Seite mit Sinkewitz.
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luftraum: nach meiner Meinung geht es um das Ende des Leistungssportes oder um faire Wettkampfbedingungen. Und da nicht damit zu rechnen ist, dass das Dopen im Geheimen in den Griff zu kriegen ist und den Verantwortlichen auch der Wille dazu fehlt, bleiben eben nur die zwei Möglichkeiten: "Ende des Leistungssportes oder kontrolliertes Doping für alle." Ich persönlich bin für das Ende des Leistungssportes. Was werden aber die Medien zu einem Ende der Opympiaden, der Weltmeisterschaften sagen? Ich selber lasse mich jedenfalls nicht mehr verar.....! Ich werde nicht mehr vor der Glotze sitzen und mich bei jeder guten Leistung fragen: "Ist die (der) gedopt?" Meine Entscheidung steht!
man sollte die Pharmakonzerne, die Dopingmittel an Sportler abgeben so dermassen verdonnern, so dass sie ihren Laden gleich wieder zu machen können.
Meine Meinung ist, dass die Pharmaindustrie zu viel Geld mit Doping verdient, deswegen wird sich auch nicht ändern!!
Wenn es die Mittel zur Leistungssteigerung gar nicht gebe, dann könnte man auch nicht betrügen!!!
Also Druck auf die Pharmaindustrie und doping verschwindet, denn so lange die Mittel hergestellt werden so lange wird auch noch gedopt werden!!
Und das die UCI den Finger drauf hat wer fahren darf und wer nicht, dass war auch klar den es gibt genug Leute die schon angedeutet haben, dass die UCI eigentlich ihren eigen Renn(doping)serie gegründet hat.
Ist eh nur eine grobe Heuchelei!
Wo wird den nicht betrogen??? Wenn man sich die Politiker anschaut, dann darf einen eigentlich gar nichts wundern!!!
Seas
Naja. Besonders sinnvoll wäre so eine Dopingfreigabe unter ärztlicher Begleitung aber nun wirklich auch nicht. Klingt das nicht wie die Freigabe von Ladendiebstahl unter Begleitung von Wirtschaftsprüfern - nur weil das Delikt mit den gängigen Methoden nicht beherrschbar ist?
luftraum: Es gibt gar keine Hinweise, dass in Zukunft nicht gedopt wird. Das Dopen wird im Gegenteil mit Sicherheit immer weiter gehen. Deshalb gibt es - will man den Radsport (und den gesamten Leistungssport) überhaupt noch retten - nur die Möglichkeit einer Generalamnestie und eine Zusassung des Dopen unter ärztlicher Aufsicht. Alles andere ist blauäugig! Es gibt aber keine Hinweise, dass man gewillt ist, dem Problem wirklich ehrlich in´s Auge zu sehen. Und "deshalb" ist der Radsport (und bald auch der gesamte Leistungssport) tot!
Welche Hinweise gibt es denn, dass in Zukunft weniger gedopt werden würde, als in der Vergangenheit? Gibt es denn keinen Ladendiebstahl mehr, seit es Ladendetektive und Überwachungskameras gibt? Gibt es denn keine Korruption mehr, weil sich die "Süddeutsche" darüber entrüstet? Doping wird seit 80 Jahren immer wieder angegangen, diskutiert und verboten - veranlasst jeweils von Todes- und Betrugsfällen durch Doping. Geändert hat sich nichts. Wie auch: Wir sind Menschen.
Sinkewitz und Jaksche werden nicht geächtet, sie sind nur eben im Moment als aktive Protagonisten der Showveranstaltung "Sport" kein Geld wert - im Moment sind sie eher Protagonisten der Showveranstaltung "Dopingverfolgung".
Gegen gute "Show" habe ich übrigens grundsätzlich nichts einzuwenden. Davon lebt nicht nur die Süddeutsche. "Show" bedeutet aber auch zwingend Illusion und Zuspitzung. Letzteres führt allerdings gar zu leicht in die Perversion.
Paging