Von Thomas Kistner

Anwalt Lehner vermutet Schikanen der UCI gegen seine Kronzeugen-Klienten Jaksche und Sinkewitz.

Michael Lehner brütet zu Jahresanfang über einem Beschwerdebrief an UCI-Präsident Patrick McQuaid. Der Anwalt der deutschen Radprofis und Doping-Kronzeugen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz will den Boss des Velo-Verbandes um Aufklärung bitten, ob die UCI Druck auf die ProTour-Rennställe ausübt, dass diese von einer Verpflichtung der beiden deutschen Fahrer absehen. "Ich habe Dinge gehört, die schwer zu verstehen sind", sagt Lehner, der selbst mit der Suche nach neuen Arbeitgebern für seine Klienten befasst ist. "Es kann nicht sein, dass da im Hintergrund womöglich Repressalien ausgeübt werden."

T-Mobile Radsport doping

Unter Verdacht: das Team T-Mobile (© Foto: dpa)

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Bei seinen Fühlungsnahmen mit ProTour-Ställen, so Lehner, sei ihm bereits signalisiert worden: Von UCI-Seite würden diskret Schikanen aufgezeigt, mit denen Teams zu rechnen hätten, die einen der Deutschen aufnehmen. Ein Szenekenner, der - wie üblich im mafiösen Radgewerbe - lieber nicht genannt sein will, sagt, die Rede sei von gehäuft auftretenden Blutkontrollen bei einem "verräterischen" Team bis zur Zuweisung schlechter Hotels bei Rennen wie der Tour. Lehner selbst will sogar schon Direkteres gehört haben: "Dass einem Teamleiter bedeutet wurde: Passt auf eure Lizenz auf."

Das hilft erklären, warum Jaksche und Sinkewitz bisher keinerlei öffentliche Zustimmung für ihre Bekenntnisse aus der Radszene erhalten haben und nur auf verschlossene Türen stoßen. Lehner fügt einen weiteren Sachverhalt hinzu: Die UCI hatte sogar Einspruch beim Weltsportgerichtshof Cas gegen die vom österreichischen Radsportgericht verhängte und aufgrund der Zeugenaussage verkürzte Sperre Jaksches (der eine österreichische Fahrerlizenz besitzt) eingelegt. Dabei habe sie "alle Fristen versäumt" (Lehner). Der Vorgang ruht, inhaltlich sei er entlarvend: Die UCI zweifle die Zuständigkeit des österreichischen Sportgerichts an - nachdem sie selbst den Austria-Verband zu Beginn der spanischen Doping-Operation "Puerto" aufgefordert habe, gegen Jaksche zu ermitteln. Der Heidelberger Anwalt rechnet mit einem erneuten Einspruch der UCI beim Cas, falls das österreichische Gericht eine weitere Verkürzung der Sperre Jaksches auf Basis des überarbeiteten Wada-Codes verfügt.

Erst vor Wochen hat die Weltantidoping-Agentur Wada unterm brausenden Beifall der Sportverbände die Kronzeugen-Regelung auf bis zu sechs Monate reduziert, um größtmögliche Anreize für Insider-Offenbarungen zu schaffen. Die Hilflosigkeit des Sports bei Dopingfällen ist dramatisch, größere Pharma-Affären verdanken sich den Ermittlungen staatlicher Organe. Am Fall des Radsports wird deutlich, dass Geständnisse aus dem Inneren einer Drogenbranche unerwünscht sind und massive Gegenbewegungen provozieren. Vornherum applaudieren, hintenrum boykottieren? Lehner glaubt, dass die Ächtung für Jaksche und Sinkewitz "ein Signal an alle ist: Achtung, auspacken zahlt sich nicht aus!" Eine stark verkürzte Sperre hilft einem Kronzeugen ja nichts, wenn ihn kein Rennstall mehr anstellt.

Dabei hätte es der im Herbst ausgestiegene Sponsor Telekom begrüßt, wenn Jaksche ins T-Mobile-Team integriert worden wäre. Die Equipe des Bob Stapleton aber heuerte lieber den Intimus des Branchen-Gurus Lance Armstrong an, Georg Hincapie, und erhob Michael Rogers zum Kapitän. Der Australier fuhr die letzten Jahre Seite an Seite mit Sinkewitz.

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