Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara hat den Sprintern ein Schnippchen geschlagen. Der Schweizer Radprofi aus dem CSC-Team sicherte sich am Samstag nach der Marathon-Distanz von 298 Kilometern seinen ersten Erfolg beim prestigeträchtigen Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo.

Cancellara hatte sich 1800 Meter vor dem Ziel von einer Spitzengruppe abgesetzt und sich aus den Fängen der Sprinter, die sich uneinig waren, befreit. Zu Cancellaras prominentesten Opfern zählten neben den Topfavoriten Alessandro Petacchi (Italien) und Vorjahressieger Oscar Freire (Spanien) auch Erik Zabel, der das Rennen viermal gewonnen hatte. Die drei hatten bei der 99. Austragung der "Primavera" mit der Entscheidung nichts zu tun.

Fabian Cancellara mit einer Trophäe, die Erik Zabel bereits viermal gewonnen hatte. (© Foto: AP)

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Cancellara, der die Mailand-San Remo-Vorbereitung Tirreno-Adriatico gewonnen hatte, verwies den Italiener Filippo Pozzato mit vier Sekunden Rückstand auf Platz zwei, Dritter wurde der Belgier Philippe Gilbert vor Davide Rebellin vom Team Gerolsteiner. "Gegen diesen Cancellara war in dieser Konstellation heute nichts zu machen", sagte Rebellin.

Wie immer bei diesem Rennen hatte sich schon früh eine Spitzengruppe gebildet. Vier Fahrer hatten zeitweise über 16 Minuten Vorsprung. Aber als es für die insgesamt 199 Starter vor den letzten drei kleinen Anstiegen vor San Remo langsam zur Sache ging, war die Flucht der Ausreißer beendet. Beim Anstieg auf die Cipressa war das Feld wieder zusammen.

Das Finale, das von einer Attacke des Doppel-Weltmeisters Paolo Bettini (Italien) eingeleitet wurde, begann 24 Kilometer vor dem Ziel. Er erhielt bald Unterstützung vom Gerolsteiner-Kapitän Rebellin und weiteren drei Fahrern. Aber der Vorsprung der fünf Führenden hielt nur bis zum Fuß des Poggio, der letzten Erhebung neun Kilometer vor dem Ziel. Nach der Abfahrt vom Poggio sah alles nach einem Massensprint einer größeren Gruppe aus. Aber dann spielte Cancellara seinen Trumpf - dem tempoharten, zweifachen Zeitfahr-Weltmeister konnte keiner folgen.

Zabel - Sieger in San Remo 1997, 98, 2000 und 2001 - stand zum 16. und wahrscheinlich letzten Mal am Start. Nur der italienische Campione Gino Bartali (17 Teilnahmen) war dem seit 1907 gefahrenen Rennen treuer. Zabels Rückkehr zu seinem Lieblingsrennen ("Das ist für mich wie Weihnachten für Kinder") ist nicht wahrscheinlich, weil sein Vertrag am Saisonende ausläuft. Lange bevor die Freiburger Doping-Untersuchungs-Kommission am Donnerstag letztendlich Zabels Version seiner Fernseh-Beichte vom Mai 2007 bestätigte, hatte der gebürtige Berliner bei der Milram-Team-Präsentation zu Jahresbeginn sein Karriere-Ende angekündigt.

Auch für seinen enttäuschenden Team-Kollegen Petacchi könnte es das letzte Mailand-San Remo gewesen sein. Am 2. April muss sich der 34-jährige Sprinter dem Internationalen Gerichtshof CAS in letzter Instanz stellen. Ihm droht eine Zwei-Jahres-Sperre wegen Dopings. Für diesen Fall hat Petacchi vor dem Start der diesjährigen "Primavera" am Freitag in Mailand bereits seinen Rücktritt prognostiziert.

Der Zabel-Kollege war beim vergangenen Giro mit erhöhten Kortison-Werten getestet worden. Da er ein Attest vorlegen konnte, war dem Allergiker die Benutzung des Medikaments gestattet. Allerdings hatte er die erlaubten Grenzwerte überschritten. Trotzdem sprach ihn der nationale Radsport-Verband frei, das Olympische Komitee CONI rief den CAS an und forderte ein Fahrverbot von 24 Monaten.

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(dpa/dop)