Trotz einer verheerenden Bilanz droht dem Bund Deutscher Radfahrer eine weitere Amtszeit Rudolf Scharpings. Auch ein Gegenkandidat kann das wohl nicht verhindern.

Eine Stunde, sagt Dieter Berkmann, werde der Vortrag dauern, 30 Schaubilder umfasst die Präsentation vor den Landesfürsten. Am Ende heißt es dort: "Auf gute Partnerschaft!" Mit Visionen und ein wenig Euphorie hat er sich am Donnerstag im Wagen nach Leipzig begeben, wo an diesem Samstag die Präsidentenwahl des Bundes Deutscher Radfahrer stattfindet.

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BDR-Präsident Rudolf Scharping (links, hier bei einem Rennen 2007 mit Erik Zabel) bereitet sich auf eine weitere Amtszeit vor. (© Foto: Getty)

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Berkmann, 58, stellt sich zur Wahl, erstmals seit 60 Jahren hat sich demnach der Amtsinhaber mit einem Gegenkandidaten auseinander zu setzen. "Es ist zu erwarten, dass wir vielleicht doch eine Niederlage hinnehmen müssen", sagt Berkmann und ist dennoch guter Dinge. "Herr Scharping ist ja die letzten Tage aus der Deckung gekommen"; er deute das als Zeichen, "dass er uns ernst nimmt".

In der Tat ist das schon ein Erfolg, dass der frühere Kanzlerkandidat Rudolf Scharping plötzlich um sein Ehrenamt in der Problemzone des deutschen Sports kämpfen muss. Interviews gab er, der Ton dabei war teils ähnlich dezent-aufbrausend wie in internen Mails an die Landesfürsten. Berkmann, ein Orthopäde aus Miesbach und als Bahnfahrer Olympiateilnehmer 1976, verzichtet dennoch auf persönliche Angriffe auf Scharping. Er erwähnt nur eine "offensichtliche Strategie", mit der Landesverbände und Delegierte "unter Druck gesetzt" würden.

Scharping, 61, hat der Opposition "Klüngelei außerhalb aller Gremien in Hinterzimmern" (FR) vorgeworfen, was auf dem Hintergrund seiner Amtsführung recht amüsant klingt. Scharping steht ja auch deshalb in der Kritik von Verbänden oder Topathleten wie den Olympiasiegern Sabine Spitz und Robert Bartko, weil ihn etwa mit dem affärenerprobten Sportdirektor Burckhard Bremer ein klüngelhaft anmutender Treueschwur verbinde.

Noch immer steht ja trotz Bremers Dementi die Aussage des früheren Bundestrainers Peter Weibel gegen den altgedienten Sportchef im Raum, Bremer habe vom Blutdoping Patrik Sinkewitz' bei der WM 2000 gewusst. "Wenn ich so etwas nicht aufarbeite, brauche ich über das gesamte Thema Doping nicht zu richten", sagt Karl Link, 66, Vierer-Olympiasieger von 1964 und Vizekandidat in Berkmanns Gruppe.

Scharpings mangelhafte Aufräum- und Anti-Dopingarbeit, die sogar eine Prüfgruppe des Innenministeriums monierte, die handstreichartige Vertragsverlängerung mit Bremer noch vor Peking 2008 sowie der doch erstaunliche Gegenwind von Athletenseite - alle dies reichte eigentlich für ein Misstrauensvotum am Samstag. Doch Politprofi Scharping weiß trotz eines Hangs zu Fettnäpfchen, wie Mehrheiten zu formieren sind, und so verwunderte es nicht, als kürzlich beim bayerischen Verbandstag sein mittelfränkischer BDR-Vize Peter Streng frontal den BDR-Kandidaten Berkmann beim Heimspiel anging.

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