Lance Armstrong kehrt zurück - und anstatt Ablehnung zu empfangen, legt sich ihm das Peloton schon wieder zu Füßen. Zivilcourage ist in diesem Metier nicht gefragt.
Radprofi Linus Gerdemann ist 25, kommende Saison möchte er, bei seiner zweiten Teilnahme, die Tour de France mal forsch auf Gesamtwertung fahren. Gerdemann hat ja vorige Woche die Deutschland-Tour gewonnen und sich währenddessen dafür eingesetzt, man möge doch dem Radsport eine Chance geben. Vieles habe sich zum Besseren entwickelt, hat Gerdemann gesagt.
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Lance Armstrong kehrt zurück - und ist überall willkommen. (© Foto: dpa)
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Vier Tage später erklärt ein gewisser Lance Armstrong seinen Vorruhestand für beendet. Sie werden also alle neben dem jungen Deutschen am Start stehen: Armstrong, dann 37, der stets etwas cleverer gewesen ist; vor allem cleverer als die Kontrolleure. Außerdem Ivan Basso, der enttarnte Fuentes-Kunde, und Alberto Contador, der gleichfalls enttarnte, aber nicht belangte Klient des spanischen Blutdoktors. Womöglich findet sich ja noch irgendwo ein Tour-Plätzchen für Tyler Hamilton, Oscar Sevilla oder Santiago Botero.
Die Strippenzieher sind vernetzt
Auch sie wurden trotz jener Blutdienste, die sie bei Fuentes in Anspruch nahmen, bis heute nicht zur Verantwortung gezogen. Die drei fahren übrigens gerade munter bei der Großbritannien-Rundfahrt mit. Und mal ehrlich, könnte nicht Jan Ullrich ausnahmsweise seine Hobbys (Kinder, Weinkeller) Hobbys sein lassen und 2009 tapfer Platz zwei in Frankreich anstreben? Wo er doch "niemals jemanden betrogen" habe und sowieso "rehabilitiert" sei, wie kürzlich im Privatfernsehen der Hobby-Interviewer Boris Becker mit denkwürdiger Ahnungslosigkeit behauptete?
Doch, doch, sie sollen ruhig alle fahren. Die Quoten des Fernsehens werden bestimmt ausnahmsweise in die Höhe schnellen. Und nur darum geht es ja heute in diesem Sport: um das Geschäft. Die Strippenzieher sind längst wieder vernetzt wie zu besten Zeiten. Auch die Tour, wo sie im Juli noch vom Neuanfang faselten, weil sie allmählich doch um ihren Ruf fürchteten. Vielleicht fährt Armstrong mit 37 Jahren nicht mehr hochgedopt durch ihre Alpen und Pyrenäen. Doch so lange der Radsport nicht bereit ist, mit aller Konsequenz einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit zu ziehen, ist seine Glaubwürdigkeit so groß wie Boris Beckers Reputation als Journalist.
Anstatt den Mister aus Texas mit jener Ablehnung zu empfangen, die er verdient, legt sich ihm das Peloton schon wieder ergeben zu Füßen. Aber Zivilcourage, das lehrt die jüngere wie die ältere Vergangenheit, ist in diesem Metier nicht gefragt. Armstrong ist überall willkommen. Weil sehr vieles beim Alten geblieben ist.
(SZ vom 11.09.2008)
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Wer hat denn für den Bericht Zeilenhonorar bekommen?
Wer macht den Armstrong denn wieder interessant?
DER SCHREIBER !
Sollte man diese " Kameraden" nicht einfach totschweigen?
Ob Armstron gedopt hat oder nicht ist noch nicht zweifelsfrei bewiesen. Und wenn ich davon ausgehe, dass die Franzosen den Eiffelturm hergegeben hätten um ihn dranzukriegen, sehe die Chancen eher für ihn.
Sei dem wie auch immer, ich finde die Art und Weise, wie er und die anderen im Radsport mit Spott beworfen werden, halte ich nicht für Fair. Nichtzuletzt dessen eingedenkt, dass alle Leistungsportler dopen. Manche mehr, manche weniger. Sie dopen ja sogar ihre Tiere. Was mich aber richtig erbost ist, dass die selbsternannten "Gerechten" nie Doping im Fussball anprangern. Denn, wie es bereits bewiesen (stand ja auch in der SZ) ist Fussball die Sportart, wo die Frage zu Doping nicht gestellt wird - denn es ist die Normalität. Aber das zu erwähnen, ja gar Kritik, geht vermutlich mit den Vorgaben nicht konform. Oder ist halt unpopulär. Ohne jemandem Nahe treten zu wollen, so ein Artikel hätte mich in der Bildzeitung nicht überrascht... in der SZ schon.
Verachtung verdient der, der lügt und betrügt. Und zu diesen gehört Armstrong zweifelsfrei.
es ist von ablehnung die rede nicht von verachtung. abgelehnt wird die tatsache (!), dass armstrong ins peloton zurückkehren möchte. schriebe herr burkert von verachtung, bezöge sich dies auf die person (!) armstrong. tatsache vs. person, macht doch einen gewissen unterschied.
es geht doch um nichts weiter, als dass mit dem comeback armstrongs der oft propagierte neuanfang im radsport (mal wieder) konterkariert wird.
das war auch mein erster gedanke, als ich mir den artikel durchlas: üble nachrede. es wurde zwar juristisch nicht bewiesen, dass armstrong gedopt war, kann aber kaum noch ernsthaft bezweifelt werden. es ist meiner meinung nach legitim, dies als journalist auch so zu formulieren. deshalb würde ich herrn burkert nicht gleich einen platz zwischen 1 und 8 der lemmy'schen regel zuweisen.
aber ich gebe ihnen recht: sein fleiß, sein wille, seine schier unglaubliche mentale stärke und natürlich sein erfolg machen armstrong tatsächlich zu einer der größten figuren der sportgeschichte. aber ein beigeschmack bleibt natürlich.
rokna hat recht, das dopingproblem betrifft nicht ausschließlich den radsport. oder wie ist zu erklären, dass die deutschen leichathleten in peking nur eine bronzemedaile gewannen (der dlv-präsident hat offen ausgesprochen, dass mit sauberen athleten international einfach nichts zu holen ist)?
Paging