Armstrong stellt seinen Tour-Start nun doch in Frage. Das Team Gerolsteiner zieht sich nach Kohls positivem Dopingtest zurück. Nach Angaben der Kontrolleure soll der Österreicher der letzte Doping-Fall der Tour sein.

Der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong will wohl doch nicht bei der Frankreich-Rundfahrt 2009 starten. "Es gibt die Möglichkeit, dass der Giro meine einzige dreiwöchige Rundfahrt sein wird. Momentan habe ich Zweifel wegen der Tour", sagte der US-Radprofi dem Internetdienst der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport.

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Auslöser für den sofortigen Gerolsteiner-Rückzug war Bernhard Kohls positive Dopingprobe. (© Foto: dpa)

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Als Grund nannte der 37-jährige Texaner, der im kommenden Jahr nach dreijähriger Abstinenz ein Comeback plant, befürchtete Querelen in Frankreich. "Jeder kennt die Wichtigkeit des Rennens", meinte Armstrong, "aber die Probleme, die ich mit Organisatoren, Journalisten und Fans habe, könnten meine Mission stören, die Aufmerksamkeit der Welt auf den Kampf gegen Krebs zu lenken." Der früher unter Hodenkrebs leidende Armstrong hatte am Montag verkündet, im kommenden Mai erstmals den Giro d'Italia zu fahren. Zuvor hatte Armstrong bereits vollmundig den Start bei der Tour de France angekündigt.

Derweil zog sich das Team Gerolsteiner nach dem Dopingfall des Österreichers Bernhard Kohl mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurück. Hintergrund für den Beschluss ist der selbst auferlegte Ethikcode der Team-Vereinigung MPCC, auch "Klub der Anständigen" genannt.

Laut internem Reglement greift nach dem zweiten Dopingfall automatisch der Selbstsanktionierungs-Mechanismus. Demnach muss sich ein Rennstall automatisch für acht Tage aus dem Geschehen zurückziehen. Da das Team Gerolsteiner nach der Lombardei-Rundfahrt am Samstag ohnehin kein Rennen mehr bestreiten wird, ist der Rückzug gleichbedeutend mit dem Ende des Teams, das für die kommende Saison keinen neuen Sponsor gefunden hat.

Wenn sich Kohls positiver Test in der B-Probe bestätigt, wäre dies die Tour mit den meisten überführten Doping-Fälle in der Geschichte des Radsports: Gleich sieben Radprofis wurden erwischt, sechs davon mit Epo oder dessen Nachfolgeprodukt Cera erwischt.

Weitere Fälle muss die Radsport-Welt vorerst nicht befürchten, berichtet die französische Tageszeitung L'Equipe. Die Kontrollen der 14 verdächtigen Fahrer sind demnach abgeschlossen. Neben Kohl, dessen Teamkollegen Stefan Schumacher und dem Italiener Leonardo Piepoli habe es bei den Nachuntersuchungen keine weiteren positiven Proben gegeben.

Dennoch war das von der französischen Antidoping-Agentur (AFLD) neu entwickelte Testverfahren ein voller Erfolg. Weitergehende Analysen soll es aber nicht geben. "Alle Blutkontrollen zu untersuchen, wäre zu aufwendig. Es waren schließlich auch nicht alle Fahrer verdächtig. Deshalb haben wir uns diese 14 Fahrer herausgesucht", sagte ein AFLD-Sprecher dem sid und schloss Zweifel am Testverfahren aus: "Es wurde in zwei unterschiedlichen Labors getestet. Außerdem ist die Analyse auch nicht neu. Es wurde bloß nach einem neuen Molekül gesucht."

Trotz der Rekordzahl von sieben Dopingfällen sieht AFLD-Präsident Pierre Bodry trotzdem einen Wandel zur Besserung im Peloton. "Die letzte Tour ist offener gewesen. Es gab keinen Fahrer, der jeden Tag geglänzt hat. Das führen wir auf unsere Arbeit zurück. Wir arbeiten weiter an der Reinigung des Pelotons. Dabei werden wir in letzter Zeit auch von vielen Fahrern unterstützt, aber schwarze Schafe gibt es in jedem Bereich der Menschheit."

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(sueddeutsche.de/dpa/sid/aum)