Von Andreas Burkert

Nach der Rückkehr des Despoten Lance Armstrong kehrt nun ein alter Widersacher in den Bund der Täuscher und Heuchler zurück: Rudy Pevenage.

In seinem ockerfarbenen Haus in Geraardsbergen hat Rudy Pevenage, 54, zuletzt viel Zeit verbracht; sogar bei Radrennen in der Heimat Belgien sah man den einstigen Profi und langjährigen Betreuer des früheren Radfahrers Jan Ullrich eher selten. Er ist wohl eine Zeitlang der Ansicht gewesen, er sei nicht erwünscht. Aber die Zeiten haben sich ja nun wieder geändert - die dunkle Vergangenheit des Radsports, der auch Pevenage ein Gesicht gab, versperrt inzwischen wieder frech den Aufbruch in eine neue, glaubwürdigere Zeit. Und so ist es, nach der vom Peloton goutierten Rückkehr des alten Despoten Lance Armstrong, nur logisch, dass auch einer der ewigen sportlichen Widersacher des siebenfachen Toursiegers heimkehrt in den Bund der Täuscher und Heuchler: Pevenage.

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Die Unzertrennlichen: Jan Ullrich mit Betreuer Rudy Pevenage im Jahr 2003 bei der Tour de France. (© Foto: dpa)

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Seit der Meldung, Ullrichs einstiger Rennchef werde künftig den US-Rennstall Rock Racing leiten, hat bisher niemand aus dem Radsport Einspruch gegen die dreiste Heimkehr gesprochen. Das spricht für sich. Ebenso die zielsichere Landung des gedrungenen Mannes bei jener Mannschaft, deren Image besonders miserabel ist.

Denn das Team des seltsamen US-Millionärs Michael Ball hat zahlreiche Fahrer aufgenommen, die im Dopingskandal um den Blutmischer Eufemiano Fuentes enttarnt wurden. Auch Pevenages Aufgebot für 2009 gehören sie an: die aktenkundigen Fuentes-Klienten Oscar Sevilla, Spanien, der aktuelle (!) US-Meister Tyler Hamilton sowie Francisco Mancebo, ein weiterer Iberer.

In der beim Weltverband UCI als ProContinental-Team geführten Equipe trifft Pevenage auf alte Freunde. Denn Sevilla holte er einst als Helfer zu Ullrichs Telekom-Flotte; ebenso den Kolumbianer Santiago Botero, der zuletzt für Rock Racing fuhr, 2009 aber woanders anheuern will. Trotz der klaren Akten- und Beweislage blieben all diese Herren bislang in der Puerto-Affäre um Fuentes sportrechtlich unbehelligt. Hamilton hat zwar eine zweijährige Sperre hinter sich, diese bezog sich jedoch auf positive Tests auf Fremdblutdoping. Widerstand regte sich ansonsten selten, wie im Februar in Kalifornien, wo die Veranstalter ein Startverbot gegen Botero, Sevilla und Hamilton aussprachen.

Dass die UCI nun auch Pevenage gewähren lässt, ist absehbar. Dabei wirkte er nachweislich als Ullrichs Kontaktmann zu Fuentes. Zuletzt hieß es, beim Bundeskriminalamt habe Pevenage die Verbindung zu Fuentes eingeräumt - sie habe jedoch nur dem Austausch von Trainingsplänen gedient. Mit derselben Ausrede hatte zuletzt der enttarnte Luxemburger Frank Schleck (CSC) für Erheiterung nicht nur im Feld gesorgt. Denn Fuentes hat niemals Sportprogramme für Profis geschrieben. Seine Pläne besaßen andere Inhalte.

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(SZ vom 21.11.2008)