Erik Zabel darf bei der Rad-Weltmeisterschaft starten. Daraufhin erklärt ein Vizepräsident des Bunds Deutscher Radfahrer seinen Rücktritt.
Hinter den Kulissen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) rumort es unüberhörbar. Als Reaktion auf die seiner Meinung nach verfehlte Verbandspolitik im Umgang mit Doping ist BDR-Vize Dieter Kühnle zurückgetreten und hat seinen Präsidenten Rudolf Scharping scharf attackiert. Die WM in Stuttgart vom 25. bis 30. September, deren Ausrichtung nach Intervention des Bundesinnenministeriums lange ungeklärt war, hätte laut Kühnle einen Neuanfang im Anti-Doping-Kampf markieren sollen. Stattdessen werde im Verband "weiter gewurstelt wie bisher".
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Die Vorwürfe seien unverständlich, erwiderte Scharping, Kühnle bringe durch seine Äußerungen von ihm mitgetragene Verbandsentscheidungen in Misskredit. "Die Generalrichtung, die Scharping vorgibt, kann ich nicht mehr glaubwürdig vertreten. Die Verbandsspitze hat den Ernst der Lage nicht erkannt und versäumt, durch einen Neuanfang ein deutliches Signal zu setzen", sagte Kühnle am Donnerstag der dpa. Am Vortag hatte der BDR die umstrittenen Erik Zabel und Andreas Klöden mit 6:2 Stimmen im Vorstand für die WM nominiert.
"Eine Gegenstimme ging auf mein Konto, von wem die zweite kam, behalte ich für mich", meinte Kühnle. Scharping, der als Zabel-Freund bekannt ist, enthielt sich der Stimme. Sein Arm reichte aber wohl doch sehr weit.
"Die Modernisierung des BDR wird konsequent fortgesetzt, die Vorwürfe gegen den Präsidenten des BDR sind angesichts der kollegialen Entscheidung im Präsidium haltlos", erklärte Scharpings Vertreter Harald Pfab. "Alle Entscheidungen des BDR im Kampf gegen Doping wurden im Präsidium einstimmig getroffen. Gleiches gilt für die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen. Das Präsidium hat nach Stellungnahme jedes einzelnen Mitgliedes eine Entscheidung über den vorläufigen WM-Kader getroffen", hieß es am Donnerstag in einer BDR-Erklärung. "So funktioniert Demokratie", sagte Scharping, der darauf hinwies, dass der vorläufig benannte Kader von 21 Fahrern am 18. September und unmittelbar vor Wettkampfbeginn noch zwei Mal auf am Ende neun WM-Starter reduziert würde.
"Wir müssen das akzeptieren"
"Wir hätten nach den letzten Vorfällen und nach dem Zabel-Geständnis einen Cut machen müssen und in Agenda 2012 auch im Hinblick auf die beiden folgenden Olympischen Spiele auf die Generation nach Telekom setzen müssen. Das wäre auch im Sinn des Deutschen Olympischen Sportbundes gewesen", sagte Kühnle, der seinen Rücktritt schriftlich einreichte und inzwischen als härtester Kritiker Scharpings gilt, den er 2005 als Leiter der Findungs-Kommission mit auf den Posten des BDR-Chefs gehievt hatte.
Auch die WM-Organisatoren haben die Nominierung Zabels durch den BDR kritisiert. "Wir sind alles andere als glücklich über diese Entscheidung pro Zabel" sagte die Vorsitzende des Organisations-Komitees, Susanne Eisenmann den Stuttgarter Nachrichten. Die Sportbürgermeisterin der baden-württembergischen Landeshauptstadt hatte sich nach dem Geständnis Zabels, 1996 eine Woche das Dopingmittel Epo probiert zu haben, mehrfach gegen einen Start des 37-Jährigen ausgesprochen.
"Man muss sich im Sinne eines glaubwürdigen Neuanfangs fragen, ob das eine kluge Entscheidung war. Ich persönlich halte dies für keine", sagte Eisenmann. Die Stadt kann einen Start Zabels nicht verhindern, da keine aktuellen Verdachtsmomente gegen ihn vorliegen. "Wir müssen das akzeptieren und der BDR muss das in der Außendarstellung ausbaden", sagte Eisenmann, die gegen eine Nominierung Klödens nichts vorbrachte. Der Wahl-Schweizer hatte es mehrfach versäumt, gegen Doping glaubhaft Stellung zu beziehen. In seinen Zeiten bei Telekom und jetzt bei Astana sind ihm trotz offensichtlich flächendeckender Doping-Praxis in beiden Teams nie Unregelmäßigkeiten aufgefallen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Radsport Schoßhund in Gelb 17.08.2007
- Radsport Gegen die Junkieszene 16.08.2007
- Radsport Ermittlungen gegen BDR-Vize Sprenger 11.08.2007
(dpa)
Drogeriekette wird abgewickelt
Die FAZ meldet heute noch, daß die unabhängige Expertenkommission zur Aufarbeitung der Dopingvergangenheit im BDR (Weibel, Huber, Sprenger, Dittert) wegen mangelnder Kooperation seitens des BDR mit der Auflösung gedroht hat...
Doping bei der Ruder-WM
Verbotenes Verfahren
Zwei neue Dopingfälle werfen ihren Schatten auf die Ruder-Weltmeisterschaft - Russlands Team droht der Ausschluss.
... es waren drei Fälle.
Man hört keinerlei Kommentar im TV.
Warum????
Wer jetzt so groß gegen die Nominierung von Zabel schreit und herumlamentiert soll doch bitte mal sagen welche Radler eigentlich noch starten sollen?
Denn im Amatuerbereich wird ebenso mit leistungssteigernden "Mittelchen" gearbeitet.
Ebenso schon teilweise im Jugendbereich.
Aber dies nicht nur im Radsport......
Im Moment prügeln alle auf den "verseuchten" Radsport ein, dies ist meiner Meinung nach nur wieder eine Alibireaktion um von den anderen, genauso verseuchten Sportarten abzulenken (siehe LA WM Osaka).
Wer glaubt denn, daß diese sauber sind?
Mir ist allgemein die Lust vergangen Sport noch anzusehen.
Erik Zabel wegen seiner Freundschaft Zu Scharping oder als "Belohnung" für seine nicht-erzwungene ur WM zugelassen wird, kann ich nicht sagen. Demzufolge masse ich mir nicht an, fundiert begründen zu können, dass er oder dass er nicht ugelassen werden sollte (zumindest erhält er bei mir zumindest einen klitzekleinen Pluspunkt dafür, dass er nicht erst wartete, bis er in Rente ist, bevor er gestanden hat).
Was mich aber zur Weissglut treibt, sind die zweierlei Mass, mit denen hier gemessen wird.
Warum wird ein geständiger, ehemals gedopter Radfahrer namens Zabel zugelassen, während ein anderer, allenfalls unter starkem Verdacht stehender Fahrer namens Valverde als persona non grata angesehen wird? Ist dies, weil Valverde nicht aus dem Land des Veranstalters kommt? Oder weil die Unschuldsvermutung im Radsport keine Gültigkeit mehr hat? Oder soll hier allen Fahrern gezeigt werden: gesteht und ihr habt nix zu befürchten, während Geheimniskrämer draussen bleiben?
Man sollte eigentlich weder Sportler, die des des Dopings überführt wurden, noch solche, die Doping eigestanden haben, bei internationalen Wettbewerben zulassen.
Eigentlch!
Aber: Da inzwischen bewiesen ist, dass öffentlich dokumentierte Dopingfälle nur Spitze des Eisbergs sind und mit Hilfe der Selbstanzeigen verschiedener Sportler (die wenigsten von ihnen noch aktiv) der über das flächendeckende Doping gebreitete Verbandsnebel gelichtet und den Verklärungen à la Ulrich der Boden entzogen wurde, bleibt doch das Problem:
Eine Mehrheit der Doper wurde nie offiziell überführt oder die Indizien und Beweise darüber verschwanden in Schubladen nationaler Verbände.
Diese nicht überführten müssen also weiter zu Wettbewerben zugelassen werden,
die, die durch Selbstanzeigen dazu beitragen, das Doping zu unterbinden, aber nicht.
Eigentlich stehen inzwischen alle Leistungssportler unter Generalverdacht. Und es ist sicher, das ein großer Teil trotz anderer Lippenbekenntnisse versuchen wird, mit neuen, noch nicht nachzuweisenden Dopingmethoden Konkurrenzvorteile zu erringen. Sinkewitz hats im Selbstversuch bewiesen.
Also, wenn Zabel inzwischen clean ist (und eine Auszeit wegen Dopings hatte?) , wird man ihn wohl zulassen müssen. Oder man streicht, wegen v.g. Generalverdacht, die Profi-Wettbewerbe gleich ganz. In jedem Fall sollte man öffentliche Fördergelder ausschließlich dem Amateursport zukommen lassen.
Und die SPD sollte sich gut überlegen, ob ihre Initiative, "Sportförderung" als Staatsziel in die Verfassung aufzunehmen, irgendeinen Sinn macht: Höchstleistungs- und Profisport sind i.d.R. ungesund. Höchstleistungen im Sport zu fördern, um nationalistisch das internationale Renomée vermeintlich zu steigern, hatte ja dem Doping erst richtig Auftrieb gegeben.
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